Eine Mauer wird in die Landschaft gebaut.
Nahost bleibt Sorgenthema der Vatikan-Diplomatie

Auf schwierigem Terrain

Nur wenige Weltregionen beschäftigen die Vatikan-Diplomatie so sehr wie der Nahe Osten. Das Heilige Land mit den Ursprungsstätten des Christentums, mit den ungeklärten politischen Dauerkonflikten und den ständig schrumpfenden Kirchengemeinden ist und bleibt ein Dauerthema für die Päpste und den Heiligen Stuhl.

Vatikanstadt - 21.05.2014

Mit der Reise nach Amman, Bethlehem und Jerusalem will Papst Franziskus neben ökumenischen und interreligiösen Anliegen auch den seit langem dahindümpelnden diplomatischen Verhandlungen des Vatikan mit Israelis und Palästinensern neue Impulse geben.

Viel später als etwa mit Jordanien, Syrien oder Ägypten hat der Vatikan mit dem Staat Israel volle diplomatische Beziehungen aufgenommen. Aufgrund der völkerrechtlich ungeklärten Probleme, aber auch mit Rücksicht auf die Christen in der arabischen Welt hatte sich der Heilige Stuhl dazu erst 1994 entschlossen, nachdem Israelis und Palästinenser auf dem Rasen des Weißen Hauses einen Friedensprozess eingeleitet hatten. Seither besteht ein reger Wissenschafts- und Kulturaustausch.

Peterplatz in Rom.

Peterplatz in Rom.

Die Kontakte gelten als stabil, sind mitunter aber auch anfällig für Irritationen. Etliche Rechts- und Wirtschaftsfragen, deren kurzfristige Klärung im vatikanisch-israelischen Grundlagenvertrag von 1993 vorausgesetzt worden war, sind bis heute offen. Seit acht Jahren heißt es, die Verhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Darin geht es um Besitz- und Territorialfragen, aber auch um die bisherige Steuerbefreiung, ohne die kirchliche Einrichtungen im Heiligen Land wie Schulen oder Krankenhäuser nicht überlebensfähig wären.

Parallel dazu, freilich zeitlich etwas versetzt, führt der Vatikan auch Verhandlungen mit den Palästinensern über die Rechtssituation von Kirchen und Christengemeinden in deren Territorien. Hier scheint man ebenfalls seit einiger Zeit vor dem Abschluss eines neuen Grundlagenvertrags.

Fast unbemerkt hat der Vatikan hier unlängst einen Kurswechsel vollzogen. Bestanden bislang Arbeitskontakte zur Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), die beim Vatikan durch einen Büroleiter vertreten war, so akkreditierte der Papst im Dezember einen Botschafter des Staates Palästina. Der Heilige Stuhl reagierte damit auf die Entscheidung der UNO-Vollversammlung, die Palästina einen Beobachterstatus als Nicht-Mitgliedstaat zuerkannt hatte. Der Vatikan stellte klar, dass dieser Schritt allein noch keine ausreichende Lösung der Probleme in der Region bilde, und dass die Bemühungen um eine definitive Lösung des Nahost-Konflikts auf Grundlage der UNO-Entscheidung von 1947 fortgesetzt werden müssten, der die Existenz zweier Staaten vorsah.

"Kein Blutvergießen mehr! Keine Kämpfe mehr!

Zitat: Benedikt XVI. bei seinem Israel-Besuch

Für Jerusalem hatte der Vatikan gemäß dem UN-Teilungsplan zunächst eine Internationalisierung verlangt. Davon war er später abgerückt und hatte ein international garantiertes Statut für die Heilige Stadt verlangt, das Religions- und Gewissensfreiheit gewährleistet, das dem besonderen Charakter Jerusalems als Heiliger Stadt dreier Religionen Rechnung trägt und das den Zugang zu den Heiligen Stätten sichert - eine Erwartung, die der Vatikan gegenüber Israelis wie Palästinensern geltend macht.

Bleibt abzuwarten, wie Franziskus bei seiner Reise die diplomatischen Erwartungen des Vatikan einbringt. Sein Vorgänger Benedikt XVI. hatte dies 2009 bei seinem Besuch in Israel mit aller Deutlichkeit formuliert: "Kein Blutvergießen mehr! Keine Kämpfe mehr! Kein Terrorismus mehr! Kein Krieg mehr! Lasst uns stattdessen den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen! Lasst bleibenden Frieden herrschen, der auf Gerechtigkeit gründet, lasst echte Versöhnung und Heilung walten. Es möge allgemein anerkannt werden, dass der Staat Israel das Recht hat, zu existieren und Frieden und Sicherheit innerhalb international vereinbarter Grenzen zu genießen. Ebenso möge anerkannt werden, dass das palästinensische Volk ein Recht auf eine souveräne, unabhängige Heimat, auf ein Leben in Würde und auf Reisefreiheit hat. Die Zwei-Staaten-Lösung möge Wirklichkeit werden und nicht ein Traum bleiben."

Von Johannes Schidelko (KNA)