Aufruf an Bischof Fürst: Über Macht, Zölibat und Sexualmoral reden
Mehr als 100 Theologen schreiben Rottenburger Oberhirten

Aufruf an Bischof Fürst: Über Macht, Zölibat und Sexualmoral reden

Missbrauch sei in hohem Maße aus einer fragwürdigen Sexualmoral und dem Umgang mit klerikaler Macht erwachsen: Deshalb müsse über diese Themen intensiver gesprochen werden, fordert der Rottenburger Berufsverband der Pastoralreferenten – und schreibt seinem Bischof.

Stuttgart - 01.04.2019

Mehr als 100 Laientheologen aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart haben Bischof Gebhard Fürst aufgerufen, sich intensiver mit den Fragen kirchlicher Sexualmoral und klerikaler Macht zu befassen. Sexueller Missbrauch sei in hohem Maß aus einer "in Teilen fragwürdigen Sexualmoral" und dem Umgang mit klerikaler Macht erwachsen. Die Themen Macht, Zölibat und Sexualmoral müssten "im Verbund besprochen werden", heißt es in dem Brief, der am Rande einer Sitzung des Diözesanrates veröffentlicht wurde.

Dabei beschloss der Diözesanrat Empfehlungen zur Verbesserung der Aufklärung und der Verhinderung von Missbrauch. Die Delegierten forderten, die Perspektive Betroffener stärker zu berücksichtigen. Diese sollten sich etwa bei einer unabhängigen Einrichtung über rechtliche Schritte informieren können, ohne automatisch ein kirchliches oder staatliches Untersuchungsverfahren gegen mutmaßliche Täter in Gang zu setzen. Zudem solle die Möglichkeit zum Melden solcher Fälle niederschwelliger werden. Das kirchliche Personal müsse über den Umgang mit Verdachtsfällen besser informiert und fortgebildet werden.

Auf allen Ebenen muss laut Diözesanrat ein Beschwerdemanagement installiert werden, "um eine Kultur direkter und zeitnaher Problemanzeigen zu stärken". Geprüft werden müsse zudem, wie Betroffene angemessen entschädigt werden könnten. Diözesanratssprecher Johannes Warmbrunn betonte, die Bedürfnisse Betroffener müssten bei allen Maßnahmen an erster Stelle stehen. Kirchliche Strukturen dürften einem Machtmissbrauch nicht länger Vorschub leisten. (KNA)