Aufruf zu fairem politischen Wettbewerb
Ökumenischer Gottesdienst vor der ersten Sitzung des Bundestags

Aufruf zu fairem politischen Wettbewerb

Vor der ersten Sitzung des Bundestags sind zahlreiche Abgeordnete am Dienstagmorgen zu einem Gottesdienst zusammengekommen. Prälat Karl Jüsten forderte von den Parlamentariern demokratische Tugenden ein.

Berlin - 24.10.2017

Mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt haben Abgeordnete aller Fraktionen am Dienstag den ersten Sitzungstag des neuen Bundestages begonnen. An dem Gottesdienst nahmen neben Vertretern von Union, SPD, AfD, FDP, Grünen und Linken auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der bisherige Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.

"Den politischen Gegner nicht als Feind sehen"

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Martin Dutzmann, rief die Parlamentarier in seiner Begrüßung dazu auf, ihre Arbeit nicht in einem Geist der Furcht, sondern in einem Geist der Kraft zu tun. Gott habe den Geist der Liebe gegeben, "der im politischen Gegner nicht den Feind, sondern den Weggefährten sieht und den Geist der Besonnenheit, der Pauschalurteile meidet, genau hinsieht und sorgfältig abwägt", so Dutzmann.

Prälat Karl Jüsten, der Leiter des Katholischen Büros in Berlin, dankte in seiner Predigt den neuen und den scheidenden Abgeordneten für ihren Dienst. Zugleich rief er die Parlamentarier zu einem fairen Wettbewerb in der neuen Legislaturperiode auf: "Egal in welchem politischen Lager Sie sich verorten – ich wünsche mir auch für das kommende Parlament eine Kultur, in der die demokratischen Tugenden über alle Fraktionsgrenzen hinweg gelebt werden", so Jüsten.

Jüsten: Politiker können nicht alles gerecht und optimal regeln

Mit Blick auf die politische Arbeit der Abgeordneten zog Jüsten Vergleiche zum biblischen Bild des Sämanns. "Vieles können wir beeinflussen, vielleicht sogar das Meiste. Aber nicht alles. Auch wenn der Sämann noch so akribisch darauf achtet, möglichst wenig Samen auf den Weg, auf felsigen Boden oder unter Dornen fallen zu lassen, wird sich dies nicht ganz vermeiden lassen", so der Prälat. Auch Politiker könnten noch so akribisch versuchen, es allen recht zu machen, "aber alles wird sich nicht gerecht und optimal regeln lassen". (stz)