Papst Benedikt XVI. winkt kurz nach seiner Wahl von seiner Loggia den jubelnden Menschen auf dem Petersplatz zu.
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Papst Benedikt XVI. tritt zum 28. Februar von seinem Amt zurück

Aus heiterem Himmel

Für sein Amt sei genügend Kraft des Körpers und des Geistes notwendig, die er nicht mehr habe, erklärte Papst Benedikt XVI.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  Vatikanstadt - 11.02.2013

Um das "Schifflein Petri" künftig zu steuern und weiter das Evangelium zu verkünden, sei genügend Kraft des Körpers und des Geistes notwendig, sagte er. Diese habe jedoch "in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen". Daher werde er mit Wirkung zum 28. Februar auf sein Amt als Bischof von Rom und Nachfolger Petri verzichten.

Das Ende eines Pontifikates von sieben Jahren, zehn Monaten und neun Tagen. Das Gerücht um einen möglichen Papstrücktritt rund um seinen 86. Geburtstag Ende April war in den vergangenen Monaten in Rom wiederholt aufgetaucht - zumal die physischen Kräfte des Papstes, seine Stimme und auch seine Sehkraft sichtbar nachgelassen hatten. Allerdings wollte niemand solchen Gerüchten Glauben schenken. Denn der einzige spektakuläre Amtsverzicht von Papst Cölestin V. im Jahr 1294 war stets mit einem bitteren Beigeschmack verbunden.

Recht und Pflicht zum Rücktritt

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Freilich hatte Benedikt XVI. selbst in seinem Interview-Buch von Peter Seewald die Möglichkeit eines vorzeitigen Amtsverzichts unmissverständlich einbezogen. "Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht zurückzutreten", hatte er klargestellt. Zugleich betonte er aber auch, dass ein Papst keinesfalls in einem Moment großer Gefahr "davonlaufen" dürfe.

Diese Ankündigung hat Benedikt XVI. nun umgesetzt. Nachdem der Sturm um die Missbrauchsskandale abgeebbt und klare Richtlinien auf den Weg gebracht sind, sah er angesichts schwindender Kräfte die Möglichkeit für einen Rücktritt gekommen. Dabei hat er den Bestimmungen des Kirchenrechts Rechnung getragen, die im Canon 332,2 die Möglichkeit eines päpstlichen Amtsverzichts festschreiben. Dieser Rücktritt verlangt, "dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch dass er von irgendwem angenommen wird".

Rücktritt "mit voller Freiheit"

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Benedikt XVI. lebt seit seinem Amtsverzicht 2013 zurückgezogen in einem Kloster. Zur Feier seines 65. Priesterjubiläums zeigen wir Impressionen aus seinem Pontifikat.

Vor diesem Hintergrund hat Benedikt XVI. den versammelten Kardinälen erklärt, dass er "mit voller Freiheit" von seinem Amt zurücktrete. Die Möglichkeit eines Schismas, das nach einem Amtsverzicht unter Anhängern des alten und des neuen Papstes aufkommen könnte, ist damit praktisch ausgeschlossen. Mit dem Verzicht beginnt am 28. Februar um 20 Uhr die Sedisvakanz. Benedikt XVI. heißt von da an korrekt nicht "Alt-Papst" und auch nicht "früherer Papst", sondern titelt mit "zurückgetretener Papst".

Nach den geltenden Normen muss der Kardinaldekan die Kardinäle zu den Generalkongregationen zusammenrufen. Zwischen dem 15. und 20. Tag nach Beginn der Sedisvakanz wird das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers zusammentreten. Die Zahl der Teilnehmer an der Papstwahl hängt freilich vom Termin ab. Derzeit sind 118 Kardinäle unter 80 Jahren alt. Am 26. Februar überschreitet der ukrainische Kardinal Lubomyr Husar die Altersgrenze, am 5 März wird der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper 80 Jahre alt, am 18. März folgt der frühere Turiner Erzbischof Severino Poletto, am 28. der Mexikaner Juan Sandoval Iniguez. Damit dürften 116, vielleicht auch nur 115 oder 114 Wahlmänner ins Konklave einziehen.

Benedikt wird nicht am Konklave teilnehmen

Benedikt XVI. wird an dieser Wahl nicht teilnehmen - und er darf laut geltenden Normen auch keinen Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers ausüben. Er wird sich nach seiner Ankündigung zunächst nach Castel Gandolfo zurückziehen, bis seine endgültige Bleibe, das Karmelkloster innerhalb der vatikanischen Mauern, hergerichtet ist. Dort wird er sich dem Gebet und der Meditation widmen, vielleicht auch noch theologisch tätig bleiben.

Bis dahin wird Benedikt XVI. aber noch mehrmals öffentlich als Kirchenoberhaupt im Dienst der Weltkirche auftreten. An Aschermittwoch wird er wie üblich die Auftakt-Liturgien der Fastenzeit auf dem Aventin leiten. Nach dem öffentlichen Mittagsgebet am darauffolgenden Sonntag zieht er sich mit der Kurie zu einwöchigen Fastenexerzitien zurück. Seine nächste und letzte Generalaudienz leitet der 85-Jährige am 27. Februar. Unklar ist noch, in welcher Form er nach der heutigen formellen Ankündigung aus dem Amt scheidet.

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