Australiens Priester stellen Pflichtzölibat in Frage
Bild: © KNA
Priesterrat im Widerspruch zur Bischofskonferenz

Australiens Priester stellen Pflichtzölibat in Frage

Die Missbrauchskommission empfiehlt die Lockerung von Pflichtzölibat und Beichtgeheimnis. Die australischen Bischöfe lehnen dagegen beides ab. Doch nur in einem Fall haben sie die Unterstützung ihrer Priester.

Sydney - 17.09.2018

Der Nationale Priesterrat (NCP) in Australien tritt für einen freiwilligen Zölibat ein. Der Priesterrat will auf dem Plenarkonzil der katholischen Kirche Australiens im Herbst 2020 einen entsprechenden Antrag zur Diskussion stellen, wie das australische Nachrichtenportal CathNews (Montag) berichtet. Die Mehrheit der Priester sei "für einen freiwilligen Zölibat in der Weise, dass das Priesteramt für verheiratete Männer geöffnet werden sollte", wurde der Priesterratsvorsitzende James Clarke zitiert.

"Diese Forderung kommt nicht nur von den Priestern, sondern auch von den Menschen", fügte Clarke hinzu. Viele Priester hätten die Kirche verlassen, weil ihnen das Zölibatsgebot "zu schwierig" gewesen sei. Das sei ein großer Verlust für die Kirche; es müsse Teil der Debatte sein, wie diese ehemaligen Priester wieder aufgenommen werden könnten. Dem 1970 im "Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils" gegründeten und von der Bischofskonferenz anerkannten NCP gehören mehr als 1.700 Priester an.

Mit ihrer Forderung nach einem optionalen Zölibat steht der Priesterrat im Widerspruch zu Australiens Bischofskonferenz. Die Bischöfe hatten in ihrer Antwort auf die Empfehlungen der staatlichen Missbrauchskommission eine Aufweichung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester abgelehnt. Die Kommission hatte in ihrem im Dezember 2017 vorgelegten Abschlussbericht zwar festgestellt, es gebe keine kausale Verbindung zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch von Kindern. Der Zölibat trage jedoch als "unhaltbares Ideal" zur "Kultur der Geheimnistuerei und Heuchelei" bei.

Weder Aufweichung von Zölibat noch vom Beichtgeheimnis

Der Vorsitzende der Australischen Bischofskonferenz, Denis Hart, hatte damals versprochen, die Schlussfolgerungen der Ermittlungskommission "sehr ernst" zunehmen. Die Aufweichung des Zölibats lehnte er aber ebenso wie die Forderung ab, das Beichtgeheimnis zu lockern. Die Kommission hatte die Empfehlung ausgesprochen, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von großer Bedeutung, sagte Hart damals. Anders als beim Zölibat hatte er hier den Großteil der Priester auf seiner Seite.

Papst Franziskus hatte im März Grünes Licht für das erste sogenannte Plenarkonzil der katholischen Kirche Australiens seit 1937 gegeben. Die landesweite Synode soll zwei Sitzungsperioden umfassen; vorgesehen sind Oktober 2020 und Mai 2021. Zur Teilnahme verpflichtet sind alle Bischöfe, Weihbischöfe, Generalvikare, Vertreter der Orden sowie die Leiter der Priesterseminare. Zusätzlich können Laien, Kleriker und emeritierte Bischöfe als Delegierte berufen werden. (bod/KNA)