Ein Kreuz vor schwarzem Himmel
Umgang mit sexuellem Missbrauch

Bayerns Bischöfe: Werden mit Staatsanwaltschaften kooperieren

Bei Missbrauch wolle man "selbstverständlich" auch mit den Staatsanwaltschaften kooperieren: Das haben die bayerischen Bischöfe zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung betont. Sie verpflichten sich jedoch zu noch mehr.

München - 09.11.2018

Bayerns Diözesen wollen in Sachen Missbrauch selbstverständlich mit den Staatsanwaltschaften kooperieren. Darin seien sich alle Bischöfe einig, sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag in München zum Abschluss der Herbstvollversammlung.

Hintergrund ist eine Anzeige von Professoren bei mehreren Staatsanwaltschaften in Deutschland gegen Unbekannt in Folge der im September veröffentlichten "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz".

Marx sagte, in Bezug auf das Thema Missbrauch liege über die Jahre eine "wachsende Entwicklung der Erkenntnis in Kirche und Gesellschaft" vor. So seien etwa die 2002 von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten Richtlinien 2010 noch einmal verschärft worden und orientierten sich mehr an den Opfern.

"Kann man euch noch glauben?"

Für die Deutsche Bischofskonferenz, deren Vorsitzender der Münchner Kardinal ebenfalls ist, stellten sich in nächster Zeit weitere Fragen. So müsse geklärt werden, was "Aufarbeitung" auch mit Blick auf die Opfer bedeute, ob es ausreiche, die Akten anzuschauen oder ob mehr gemacht werden müsse.

Ein weiterer Punkt sei die Unabhängigkeit, erläuterte Marx. Denn Beobachter wollten von der Kirche wissen: "Kann man euch noch glauben?" Welche Maßnahmen in dieser Hinsicht zu treffen seien, darauf wisse auch er noch keine Antworten, räumte der Kardinal ein.

Bild: © Markus Nowak

Kardinal Reinhard Marx.

Neben dem Thema Missbrauch beschäftigten sich die bayerischen Bischöfe auch mit der Stellung der Laien. Mit ihnen wolle man den Austausch intensivieren, so Marx. Bei der Herbstvollversammlung gab es demnach Gespräche mit dem Präsidium des Landeskomitees der Katholiken in Bayern über aktuelle Themen. "Wir wünschen uns eine kritische Begleitung der Laien", erklärte Marx. Ohne eine starke und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit diesen seien die derzeitige Krise der Kirche und die anstehenden Herausforderungen nicht zu bewältigen.

In Sachen Kirchenfinanzen etwa zeigten sich die Bischöfe offen dafür, Laien daran mitwirken zu lassen, wie das Geld aus dem gemeinsamen Topf der sieben bayerischen Diözesen, dem sogenannten überdiözesanen Fonds (ÜDF), verteilt wird. Dieser umfasst derzeit 42 Millionen Euro, wobei das Geld vor allem an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), die Katholische Akademie in Bayern sowie an die Katholische Stiftungsfachhochschule geht.

Seelsorge für Flüchtlinge in Ankerzentren

Weiter kündigte Marx an, dass die Katholische Stiftungshochschule München (KSH) zum Wintersemester 2019/20 als erste Hochschule in Bayern einen Bachelorstudiengang zur Hebammenkunde einrichtet. Damit folge man einer entsprechenden EU-Leitlinie, die die Akademisierung des Hebammenberufs fordere, sagte Marx und fügte hinzu: "Es ist doch ein schönes Zeichen, dass wir die Ersten sind."

Einen Wechsel gibt es außerdem an der Spitze des Stiftungsrats der KU. Der Generalvikar des Erzbischofs von München und Freising, Peter Beer, wird mit sofortiger Wirkung neuer Vorsitzender. Er folgt auf den Augsburger Weihbischof Anton Losinger, der das Amt seit November 2014 ausübte. Mit der Wahl Beers setze man auf Kontinuität, hieß es. Er gehöre dem Stiftungsrat als stellvertretender Vorsitzender seit 2010 an, von 2008 bis 2010 sei er Vorsitzender des Stiftungsvorstands gewesen.

Außerdem wollen Bayerns Bischöfe dem Wunsch von christlichen Flüchtlingen etwa aus Nigeria oder der Ukraine nach Seelsorge in den Ankerzentren nachkommen. Das Katholische Büro Bayern sei beauftragt worden, mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Gespräche mit dem bayerischen Innenministerium zu führen. Das seelsorgliche Angebot solle bewusst ökumenisch aufgestellt werden, betonte Marx. "Wir wollen da, wo es schwierig ist, seelsorglich präsent sein." (tmg/KNA)