Papst Franziskus während seiner ersten Generalaudienz.

"Beendet den Waffenlärm!"

Papst Franziskus hat die Konfliktparteien in Syrien zum Waffenstillstand aufgerufen. Angesichts jüngster Videobilder von Opfern eines möglichen Giftgasangriffs zeigte sich das Kirchenoberhaupt am Sonntag besorgt über die Eskalation der Gewalt. Die "wachsende Zahl von Anschlägen und grausamen Akten", deren Zeuge die Welt durch die "schrecklichen Bildern dieser Tage" geworden sei, veranlasse ihn, ein weiteres Mal seine Stimme zu erheben , damit der "Waffenlärm" ende.

Vatikanstadt - 25.08.2013

"Nicht der Kampf, sondern die Fähigkeit zu Begegnung und Dialog" eröffne hoffnungsvolle Perspektiven für eine Lösung der Probleme, sagte Franziskus auf dem Petersplatz.

Papst solidarisch mit den Opfern

Zugleich forderte der Papst die internationale Gemeinschaft auf, ihre Bemühungen um Frieden zu verstärken. Sie müsse sich "sensibler gegenüber der tragischen Situation" des Landes zeigen und alle Anstrengungen unternehmen, um ein Ende des Kriegs herbeizuführen. Zudem versicherte er die Opfer des Konflikts seiner Solidarität, insbesondere die Kinder .

Vor dem Hintergrund der mutmaßlichen Giftgasangriffe der vergangenen Woche fordert der Unions-Fraktionsvize im Bundestag, Arnold Vaatz, mehr christliche Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Durch die christliche Prägung sei Europa für die syrischen Christen einer der wenigen sicheren Zufluchtsorte, sagte der CDU-Menschenrechtspolitiker dem Magazin "Focus", das am Montag erscheint. Muslimische Flüchtlinge könnten in den Nachbarstaaten des umkämpften Landes halbwegs sicher leben. "Aber christliche Flüchtlinge fliehen im Nahen Osten meist nur von einer Hölle in die nächste."

Ein vernängstigstes Mädchen steht vor einem aschgrauen Zelt im Flüchtlingslager und kaut an seinen Fingernägeln.

Hundertausende Menschen sind aus Syrien geflohen und Suchen in den Nachbarländern Schutz vor dem Krieg. So wie dieses Mädchen in Bar Elias, einem Ort in der Bekaa Ebene im Norden des Libanon.

3600 Menschen mit Krämpfen und Atemnot

Derweil hat die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" starke Hinweise auf einen Einsatz von Giftgas. Sie teilte am Wochenende mit, in drei von der Hilfsorganisation unterstützten Krankenhäusern im Großraum Damaskus seien am vergangenen Mittwochmorgen in weniger als drei Stunden 3600 Menschen mit "neurotoxischen Symptomen" aufgenommen worden. Sie hätten unter Krämpfen, starkem Speichelfluss und Atemnot gelitten. Ihre Pupillen seien stark verengt und der Blick verschwommen gewesen. 355 von ihnen sind nach Angaben der Krankenhausmitarbeiter gestorben.

"Ärzte ohne Grenzen kann weder die Ursachen dieser Symptome nach wissenschaftlichen Kriterien bestimmen noch ermitteln, wer für einen möglichen Angriff verantwortlich ist", erklärte so der Leiter der zuständigen Projektabteilung in Brüssel, Bart Janssens. Die beschriebenen Symptome zusammen mit dem massiven Zustrom von Patienten in kurzer Zeit und der Kontaminierung von medizinischem Personal und Ersthelfern deuteten aber "stark auf einen massenhaften Kontakt mit einem neurotoxischen Stoff hin".

Assad bestreitet Einsatz von Giftgas

Das Regime von Präsident Baschar al-Assad hatte den Einsatz von Giftgas zunächst bestritten. Revolutionäre hatten Videoaufnahmen verbreitet, die Opfer von Giftgasattacken in mehreren Dörfern zeigen sollen. Am Samstag hieß es dann seitens des Regimes, die Rebellen hätten offensichtlich im Nordosten der Hauptstadt Giftgas eingesetzt.

Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte dagegen, alle Informationen deuteten darauf hin, dass in Syrien unweit von Damaskus ein Massaker mit chemischen Waffen stattgefunden habe und dass das Assad-Regime dahinter stecke. Der Vatikan warnte vor einer vorschnellen Schuldzuweisung an die syrische Regierung. Er verlangte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe.

Die USA erwägen nun, militärisch in den syrischen Konflikt eingreifen. Das US-Militär prüft Optionen für Luftangriffe, die Flottenpräsenz im östlichen Mittelmeer wird verstärkt. Präsident Barack Obama hatte vor einem Jahr erklärt, der Einsatz von Giftgas gegen die Bevölkerung stelle für ihn eine rote Linie dar. (gho/KNA/dpa)