Paulo Evaristo Arns, emeritierter Erzbischof von Sao Paulo in Brasilien
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95-Jähriger Kardinal stirbt in Sao Paulo an Organsversagen

Befreiungstheologe Paulo Evaristo Arns ist tot

Der frühere Erzbischof von Sao Paulo starb 95-jährig. Mit seiner Schwester rief er die brasiliansiche Kinderpastoral ins Leben. Aber auch an der Aufarbeitung der Diktatur in seinem Land wirkte er mit.

Sao Paulo - 14.12.2016

Kardinal Paulo Evaristo Arns, prominenter Befreiungstheologe und Menschenrechtler in Brasilien, ist tot. Er starb am Mittwoch im Alter von 95 Jahren in einem Krankenhaus in Sao Paulo an Organversagen, wie brasilianische Medien melden. Während der Militärdiktatur (1964-1985) protestierte der deutschstämmige Kirchenmann gegen die Verbrechen des Regimes. Seit dem Übergang zur Demokratie mobilisierte er Kirche und Sozialbewegungen gegen Ungerechtigkeit, Folter und unmenschliche Arbeitsbedingungen.

Der amtierende Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Odilo Scherer, würdigte das "Beispiel franziskanischen Lebens von Dom Paulo" und dankte ihm für sein mutiges Eintreten für die Verteidigung der menschlichen Würde und der unveräußerlichen Rechte eines jeden Menschen". Seine besonderer Einsatz habe den "Kleinen, Armen und Besorgten" gegolten.

Sohn deutscher Einwanderer

Die Totenwache für Kardinal Arns findet in der Kathedrale im Zentrum von Sao Paulo statt und soll 48 Stunden dauern. Danach wird er voraussichtlich in der dortigen Krypta bestattet. Arns lebte seit einigen Jahren zurückgezogen in einer franziskanischen Ordensgemeinschaft in Taboao da Serra im Großraum Sao Paulo. Zuletzt verzichtete er weitestgehend auf öffentliche Auftritte und widmete sich Medienberichten zufolge der Lektüre und Übersetzung religiöser Texte.

Der am 14. September 1921 im südbrasilianischen Forquilhinha geborene Sohn deutscher Einwanderer trat bereits mit 18 Jahren in den Franziskanerorden ein. Später studierte er an der Pariser Sorbonne; 1970 wurde er im Alter von 49 Jahren zum Erzbischof von Sao Paulo sowie 1973 zum Kardinal ernannt. 1985 rief Arns gemeinsam mit seiner Schwester, der Kinderärztin Zilda Arns Neumann, die Kinderpastoral der katholischen Kirche Brasiliens ins Leben. 1998 trat er aus Altersgründen als Erzbischof zurück. Weltliche Auszeichnungen durch Vereinte Nationen, Regierungen, Menschenrechtsorganisationen und Universitäten folgten.

Unfall mit ungeklärter Ursache

In den 1980er Jahren leitete Arns das Projekt "Brasil: Nunca Mais" (Nie wieder) über die Verbrechen der Militärdiktatur. Es sammelte heimlich Dokumente über die Verbrechen der Militärs. 1985, kurz nach Ende der Diktatur, wurden die Ergebnisse in Buchform veröffentlicht. Das Projekt gilt bis heute als die ausführlichste Aufarbeitung der damals begangenen Verbrechen durch den Staatsapparat.

1992 war Arns in der Dominikanischen Republik in einen Unfall mit bis heute nicht eindeutig geklärter Ursache verwickelt. Er selbst betonte stets, dass er den Unfall als Attentatsversuch ansehe. Außer Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. war Arns der letzte verbliebene Kardinal, der noch vom Konzilspapst Paul VI. ernannt wurde. Nach dem Tod des drittältesten Kardinals der Weltkirche hat der Senat des Papstes noch 227 Mitglieder. Davon sind 120 unter 80 Jahre alt und damit bei einer Papstwahl stimmberechtigt. (KNA)