Berthold von Stauffenberg: Mein Vater war ein treuer Katholik
Auch deutsche Bischöfe äußern sich zum 75. Jahrestag des Hitler-Attentats

Berthold von Stauffenberg: Mein Vater war ein treuer Katholik

Der Tag des gescheiterten Hitler-Attentats durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg jährt sich am Samstag zum 75. Mal. Welche Rolle spielte der Glaube im Leben des Widerstandskämpfers? Darüber spricht jetzt sein ältester Sohn.

Würzburg - 18.07.2019

Claus Schenk Graf von Stauffenberg war nach dem Zeugnis seines ältesten Sohnes ein "treuer Katholik". Der Wehrmachtsoffizier, der am 20. Juli 1944 Adolf Hitler mit einer Bombe töten und einen Umsturz herbeiführen wollte, sei zwar "nicht besonders kirchenfromm" gewesen, sagte Berthold von Stauffenberg der Wochenzeitung "Die Tagespost" (Donnerstag). "Aber der Glaube war ihm wichtig, ohne dass er jetzt fanatisch katholisch war." Zumindest mit seinen Kindern sei der Vater in die Kirche gegangen, habe die katholische Familientradition hochgehalten. Auch hätten katholische Moralvorstellungen für ihn eine große Rolle gespielt.

Generell seien Katholiken gegen Hitler immuner gewesen, sagte Berthold von Stauffenberg. So sei die "überhöhte religiöse Bedeutung", die der Fahneneid im Wilhelminismus bekommen habe, "uns katholischen Süddeutschen fremd". Der preußische Adel habe außerdem mit dem Ende der Monarchie 1918 das Problem gehabt, dass ihm "der Kaiser als oberster Bischof fehlte". Die Katholiken dagegen hätten weiter "ihren Papst als ultramontane Konterinstanz" gehabt.

Den Vorwurf, auch sein Vater sei Antisemit gewesen, wies Berthold von Stauffenberg zurück. "Er war aber auch kein Judenfreund", ordnete er dessen Haltung in die Zeitumstände ein. "In Europa, nicht nur in Deutschland, war man damals nicht judenfreundlich." Man habe die Juden nicht gemocht, deswegen aber nicht gehasst. "Umbringen wollte man sie deswegen nicht. Das haben erst die Nazis getan."

Berthold von Stauffenberg war zehn Jahre alt, als sein Vater unmittelbar nach der gescheiterten Erhebung in Berlin erschossen wurde. Später diente er als Generalmajor in der Bundeswehr. In dem Interview bezeichnete er Claus von Stauffenberg in seiner Haltung zu Wahrheit, Moral und Menschenrechten als sein persönliches "absolutes Vorbild". Dabei mache ihn der Gedanke demütig, ob auch er den Mut, die Kraft und die Klarsichtigkeit gehabt hätte, "zu tun, was er tat".

Bischöfe blicken mit Sorge auf aufkeimende Nationalismen

Zum 75. Jahrestag des Hitler-Attentats äußerte sich auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch und rief zum Widerstand "gegen Ungerechtigkeit und Intoleranz" auf. "Gemessen an den Verhältnissen im Dritten Reich leben wir in einer völlig anderen Gesellschaft", räumte Koch in einem Gastbeitrag für die Boulevardzeitung "B.Z." (Donnerstag) ein. "Dennoch wird die Ablehnung anderer Kulturen, Religionen und Denkweisen in unserem Land wieder hoffähig", so der Erzbischof. "Verrohung der Sprache und Gewalt nehmen zu, genauso wie Populismus, Ausgrenzung und radikale Ansichten", kritisierte Koch und mahnte: "Wir dürfen nicht wegschauen."

Der Fuldaer Bischof Michael Gerber sieht mit Blick auf das Hitler-Attentat eine "wachsende Verunsicherung und aufkeimende Nationalismen" in Deutschland. Die Antwort darauf müsse eine "Solidarisierung ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen" sein, so Gerber am Mittwoch anlässlich des Jahrestags des gescheiterten Hitler-Attentats. Die Widerstandsbewegung habe damals Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen eingebunden. Er blicke "mit Hochachtung und voller Respekt" auf diese Frauen und Männer. Das Bischofshaus in Fulda war den Angaben zufolge im Vorfeld des Attentats von Claus Schenk Graf von Stauffenberg für einige Widerstandskämpfer zu einem Ort der Beratung geworden. Belegt seien Besuche von Helmuth James Graf von Moltke und Jesuitenpater Alfred Delp beim damaligen Diözesanbischof Johannes Dietz. (tmg/KNA)