Blick von oben auf die Basilika San Francesco und den Franziskanerkonvent in Assisi (Italien).
Papst Franziskus reist am 4. Oktober nach Assisi

Besuch in der Wahlheimat

Dass der erste Papst, der sich nach dem heiligen Franz von Assisi (1181/1182-1226) nennt, eher früher als später die Wirkungsstätte des Ordensgründers besuchen würde, war vom ersten Tag seines Pontifikats an klar. Nur der Termin ließ einstweilen noch auf sich warten. Nun ist es offiziell: Papst Franziskus reist am 4. Oktober in die mittelitalienische Stadt.

Vatikanstadt - 24.05.2013

Das teilte das Bistum Assisi am Donnerstag mit. Ein Datum mit Symbolkraft: Es ist der katholische Gedenktag des beliebten Heiligen.

Assisi, das ist die Wahlheimat von Papst Franziskus. Hier lebte und starb der Mann, der aus dem vormaligen Erzbischof Jorge Mario Bergoglio wider alle Tradition einen Papst Franziskus machte. Wie es dazu kam, erzählte dieser wenige Tage nach seiner Wahl vor mehreren Tausend Journalisten selbst: Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes habe ihn nach seiner Wahl in der Sixtinischen Kapelle umarmt und ermahnt, er solle die Armen als Papst nicht vergessen. Da habe er "sofort" an den heiligen Franziskus gedacht, der sich für Arme, für den Frieden und für die Bewahrung der Schöpfung eingesetzt habe, berichtete er. Hummes, der früher die vatikanische Kleruskongregation leitete, sprach übrigens auch in eigener Sache: Er ist selbst Franziskaner .

Nach Sardinien und Brasilien die dritte Reise

Zunächst war spekuliert worden, Franziskus könnte gleich im Frühjahr die erste Reise nach Assisi führen, nun wird es die dritte. Zuvor besucht Franziskus im September auf Sardinien das Marienheiligtum "Unsere liebe Frau von Bonaria" in Cagliari. Dem hier verehrten Bild der Muttergottes verdankt die Heimatstadt des Papstes, Buenos Aires, ihren Namen. Zuallererst geht es für Franziskus jedoch Ende Juli über den Atlantik nach Brasilien , wo er am Weltjugendtag in Rio de Janeiro teilnimmt.

Souvenirs: Zwei Kacheln mit Papst Franziskus und der Basilika San Francesco von Assisi.
Bild: © KNA

Neue Souvenirs in Assisi: Kacheln mit Papst Franziskus und der Basilika San Francesco.

Der Name Assisi ist seit Johannes Paul II. (1978-2005) auch eng mit dem Dialog der Religionen verbunden. Vor fast 27 Jahren, am 27. Oktober 1986, kamen hier auf seine Einladung erstmals mehr als 100 Vertreter aller großen Religionen zu einem Weltfriedenstreffen zusammen. Christen, Muslime und Buddhisten verurteilten jede Form religiös motivierter Gewalt. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 berief der Papst zum 24. Januar 2002 ein zweite Begegnung dieser Art ein. Auch Benedikt XVI., der dieser Initiative zunächst skeptisch gegenüberstanden haben soll, lud am 27. Oktober 2011 zu einem Weltfriedenstreffen ein.

Politiker stiften Lampenöl für das Grab des heiligen Franz

Das Programm der Assisi-Reise ist noch nicht veröffentlicht, dürfte aber kaum Überraschungen bergen: Ein Besuch des Konvents der Franziskaner-Minoriten und der Basilika des heiligen Franziskus sowie deren Krypta mit dem Grab des Ordensgründers dürften in jedem Fall vorgesehen sein. Auch die im Tal unterhalb des Stadtkerns gelegene Basilika Santa Maria degli Angeli wird wohl eine weitere Station sein. Die Kirche war im 16. und 17. Jahrhundert um die Portiunkula-Kapelle herum erbaut worden, in der Franz von Assisi starb.

Auch ohne den Papst herrscht an einem 4. Oktober in Assisi noch mehr Betrieb als ohnehin schon: Zehntausende Pilger strömen zum Fest des Heiligen in die Stadt. Und weil Franziskus auch Patron von Italien ist, kommen an diesem Tag auch ranghohe Vertreter italienischen Regionen. Diese stiften jeweils für ein Jahr das Öl für die Lampe am Grab des heiligen Franz. Stabswechsel ist jeweils am Gedenktag des Heiligen. Vom kommenden Oktober an ist Umbrien an der Reihe. Ins Leben gerufen wurde diese Tradition im Jahr 1939. Damals erhob Papst Pius XII. (1939-1958) den Heiligen zum Patron Italiens - als christlichen Gegenentwurf zu faschistischem Großmachtgehabe und Heldenkult Mussolinis.

"Rebell Gottes" wurde der heilige Franziskus, der radikale Reformer, genannt. Dem Papst hielt der "Poverello" gleichwohl stets die Treue. Um Reformen geht es auch unmittelbar vor der Reise nach Assisi: Vom 1. bis zum 3. Oktober tritt Papst Franziskus erstmals mit der Gruppe von acht Kardinälen zusammen, die er mit Vorschlägen für eine Reform der römischen Kurie betraut hatte und der auch der Münchener Kardinal Reinhard Marx angehört.

Von Thomas Jansen (KNA)