Die griechische Flagge weht im Wind.
Vor dem Besuch des Papstes auf der griechischen Insel Lesbos

Bischofskonferenz: Lage ist nicht mehr friedlich

Am Samstag besucht der Papst die griechische Insel Lesbos. Zuvor hat sich der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Griechenlands besorgt über das schwierige Verhältnis griechischer Küstenbewohner zu ankommenden Flüchtlingen geäußert.

Vatikanstadt - 14.04.2016

Das Verhalten der Griechen gegenüber den Flüchtlingen habe sich nach dem EU-Abkommen mit der Türkei im März gewandelt. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende äußerte sich zur Situation im Land kurz vor dem Besuch des Papstes auf der griechischen Insel Lesbos am Samstag, bei dem Franziskus gemeinsam mit dem Erzbischof von Athen, Hieronymos II., und dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, Flüchtlinge treffen will.

"Das Schlimme ist, dass die Bewohner angefangen haben, Waffen zu kaufen", so Papamanolis. Im Fernsehen habe ein Jagdausstatter erzählt, er habe in einem Monat mehr Gewehre verkauft als sonst in einem Jahr. Gemäß dem EU-Abkommen mit der Türkei dürfen Flüchtlinge, die in Griechenland kein Asyl beantragen oder deren Anträge abgelehnt wurden, in die Türkei zurückgeschickt werden.

Papamanolis berichtete, dadurch würden die Flüchtlinge jetzt als "Sträflinge" angesehen. Viele von ihnen wollten nicht in die Türkei und widersetzten sich. Für die griechische Bevölkerung spitze sich die Lage auch weiter zu, weil Touristen wegen der Flüchtlinge ihre Reisen stornierten. "Auf den griechischen Inseln Kos, Samos, Chios und Lesbos, die nahe der türkischen Küste liegen, hatten wir im September mehr Flüchtlinge als Einwohner."

Papamanolis: Kann Situation aller Beteiligten nachvollziehen

Der Bischof erklärte, er könne die Situation aller Beteiligten nachvollziehen. Die Flüchtlinge hielten die unmenschlichen Bedingungen in den Auffanglagern nicht aus, die Bevölkerung fürchte gewaltsame Übergriffe oder Geschäftsplünderungen durch Flüchtlinge, besonders bei Lebensmitteln. Die griechische Regierung habe aufgrund der Finanzkrise kein Geld, die nötigen Maßnahmen zu finanzieren.

Papamanolis lobte zugleich die Arbeit der Regierung bei der Einrichtung von Aufnahmezentren. Ebenso hätten mehrere Hilfsorganisationen - besonders die Caritas Hellas - die Flüchtlinge etwa mit Zelten und Kleidung unterstützt. Auch sehr viele Griechen hätten die Flüchtlinge mit "karitativen Gefühlen" empfangen. "Jeder war bereit, zu tun, was er konnte." Inzwischen aber wachse die Verbitterung der Bevölkerung. (KNA)