Bistum Mainz setzt bei Missbrauchs-Aufarbeitung auf externen Ermittler
Rechtsanwalt untersuchte zuvor Übergriffe bei Regensburger Domspatzen

Bistum Mainz setzt bei Missbrauchs-Aufarbeitung auf externen Ermittler

Gibt es Rahmenbedingungen, die sexuelle Gewalt befördert oder nicht verhindert haben? Wie wurde mit Missbrauchsfällen umgegangen? Und gibt es bislang unbekannte Fälle? Das soll ein neues unabhängiges Aufklärungsprojekt des Bistums Mainz herausfinden.

Mainz - 05.06.2019

Der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber soll als unabhängiger Ermittler Fälle von sexueller Gewalt im Bistum Mainz untersuchen. Weber, der auch die Übergriffe bei den Regensburger Domspatzen untersucht und 2017 seinen Abschlussbericht vorgelegt hatte, werde mit einem entsprechenden Aufklärungsprojekt beauftragt, teilte das Bistum Mainz am Mittwoch mit.

"Eine umfassende Aufklärung des Geschehenen ist Voraussetzung für Maßnahmen der Aufarbeitung im Bistum", hieß es. Das "Unabhängige Aufklärungsprojekt im Bistum Mainz" steht unter der Überschrift "Erfahren. Verstehen. Vorsorgen." Es soll am Freitag bei einer Pressekonferenz näher vorgestellt werden.

Weber und sein Team sollen prüfen, ob es Rahmenbedingungen im Bistum gibt, die sexuelle Gewalt befördert oder nicht verhindert haben und wie mit Fällen sexueller Gewalt umgegangen wurde, nachdem sie bekannt geworden waren. Der unabhängige Ermittler soll auch untersuchen, ob es im Bistum seit dem Zweiten Weltkrieg weitere, bislang unbekannte Fälle von sexueller Gewalt gab.

Das Bistum hat nach eigenen Angaben am 8. Februar den Generalstaatsanwaltschaften Koblenz und Frankfurt Listen mit 199 im Bistum dokumentierten Sachverhalten, "die in einem sexuellen Kontext stehen beziehungsweise stehen könnten", zur Prüfung überlassen. Dabei geht es laut den Ermittlern um Fälle ab 1942. Die Staatsanwaltschaften prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliegt und ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Dabei seien auch Fälle aufgelistet worden, die nicht Gegenstand der im September 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie (MHG-Studie) waren, etwa von Mitarbeitern, die nicht Geistliche sind. Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Udo Markus Bentz hatte zugesichert, dass das Bistum alle verfügbaren Akten zur Verfügung stellen wird, die von den zuständigen Staatsanwaltschaften angefordert werden. (KNA)