Bistum Speyer geht offensiv auf Wiederverheiratete zu
Flächendeckende Einladung zu Seelsorgegesprächen

Bistum Speyer geht offensiv auf Wiederverheiratete zu

"Damit Sie sich in Ihrer Kirche ganz zuhause fühlen können": Mit diesem Slogan spricht man in Speyer jetzt gezielt wiederverheiratete Geschiedene an - und lädt sie bistumsweit zu Seelsorgegesprächen ein.

Bonn/Speyer - 11.04.2018

Das Bistum Speyer geht offensiv auf wiederverheiratete Geschiedene zu und lädt sie flächendeckend zu seelsorgerlichen Gesprächen ein. Mit dem neuen Angebot sollen die Impulse der Familiensynode und des päpstlichen Schreibens "Amoris laetitia" umgesetzt werden, teilte die Diözese am Mittwoch mit. Man wolle für die "Menschen da sein, auch und gerade, wenn aus welchen Gründen auch immer ihre erste Ehe gescheitert ist", sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Die Gespräche sollen "einen geschützten, seelsorgerlich sensibel begleiteten Raum anbieten, in dem sie einen Versöhnungsweg in und mit der Kirche gehen können". Die Unauflöslichkeit der Ehe gehöre zwar zum unverzichtbaren Glaubensgut der Kirche, zugleich sei jedoch ein differenzierter Blick auf die Lebenssituationen der Menschen notwendig, so der Bischof.

Um die betroffenen Menschen zu erreichen, hat das Bischöfliche Ordinariat ein Faltblatt entworfen, in dem das Gesprächsangebot näher beschrieben wird und entsprechende Ansprechpartner genannt werden; der Titel: "Geschieden und wiederverheiratet? Damit Sie sich in Ihrer Kirche ganz zuhause fühlen können". Im April würden diese Faltblätter an alle Pfarreien des Bistums zur Auslage in Kirchen und kirchlichen Einrichtungen versandt, heißt es in der Mitteilung weiter. Die hauptamtlichen Seelsorger der Diözese würden zusätzlich eine schriftliche Handreichung erhalten. Auf diesem Weg will das Bistum erreichen, "dass eine Einheitlichkeit in der pastoralen Sorge um wiederverheiratete Geschiedene gesichert und eine Verunsicherung der Gläubigen vermieden wird", schreibt Wiesemann im Vorwort der Handreichung.

Frage nach Sakramentenempfang

Im Blick auf die Frage nach dem Empfang der Sakramente sollen die Seelsorgegespräche als ein "persönlicher Entscheidungsprozess" dienen. Hierzu zitiert die Diözese Papst Franziskus in Amoris laetitia: "Am Ende eines solchen geistlichen Prozesses, dem es immer um das Eingliedern geht, steht nicht in jedem Fall der Empfang der Sakramente von Buße und Eucharistie." Die individuelle Entscheidung, unter den jeweiligen Gegebenheiten nicht oder noch nicht in der Lage zu sein, die Sakramente zu empfangen, verdiene Respekt und Achtung. "Aber auch eine Entscheidung für den Sakramentenempfang gilt es zu respektieren."

Das nachsynodale Schreiben "Amoris laetitia" über Ehe und Familie war im April 2016 erschienen. Zu kontroversen Diskussionen innerhalb der Kirche führte eine Fußnote des Dokuments über die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion in Einzelfällen. Unter anderem hatten sich vier Kardinäle mit einem Brief an Papst Franziskus gewandt und darin ihre "Dubia" (Zweifel) an einzelnen Aussagen des Schreibens zum Ausdruck gebracht. (tmg)