Der deutsche Bundestag mit der Glaskuppel im Hintergrund.
Ökumenische Andacht vor Wahl des Bundespräsidenten

Bundesversammlung: Kirchen werben für Zusammenhalt

Es soll ein "Tag voller Haltung und voller Zusammenhalt" werden: Vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten haben die beiden großen Kirchen die christlichen Werte in der Politik beschworen.

Berlin - 12.02.2017

Zum Auftakt der Bundesversammlung haben die evangelische und katholische Kirche an das Verbindende der Gesellschaft erinnert. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief bei einer ökumenischen Morgenandacht in der Berliner Kathedrale St. Hedwig jeden Einzelnen dazu auf, sich zu fragen, "was hält uns eigentlich zusammen, wie geben wir einander Halt". Er wünsche allen Mitgliedern der Bundesversammlung, so Koch weiter, einen "Tag voller Haltung und voller Zusammenhalt".

Zu der Morgenandacht waren unter anderen der scheidende Bundespräsident Joachim Gauck und seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie der aussichtsreichste Kandidat für Gaucks Nachfolge, Frank-Walter Steinmeier (SPD), und seine Gattin Elke Büdenbender gekommen. Auch zahlreiche Bundesminister und Ministerpräsidenten der Länder, Parlamentarier sowie prominente ernannte Mitglieder der Bundesversammlung waren anwesend.

Die Fürbitten hielten der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), die Linken-Abgeordnete Petra Pau sowie die beiden religionspolitischen Sprecher von SPD und Union, Kerstin Griese (SPD) und Franz Josef Jung (CDU).

Jüsten: Es braucht ein Mindestmaß an Moral

Prälat Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, erinnerte an die Kraft des Glaubens und der christlichen Gebote. Viele Werte seien Teil der Rechtsordnung geworden, aber gerade die, "die nicht zu Gesetzen wurden, sind für den Zusammenhalt einer offenen, pluralen Gesellschaft überlebenswichtig". Wenn ein Mindestmaß an moralisch verantwortlichem Verhalten nicht von allen gelebt werde, "droht die Basis, auf der unsere Demokratie errichtet ist, zu zerfallen. Dann verlieren wir mehr als nur eine christlich tradierte Kultur", mahnte Jüsten.

Der Glaube könne Halt und Gelassenheit schenken, so Jüsten weiter. Angesichts einer Welt, die immer komplizierter werde, könne er Hoffnung und Zuversicht geben. "Wer glaubt, braucht nicht in innerweltlichen Heilzusagen und Ideologien Halt zu suchen."

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Prälat Martin Dutzmann, wünschte dem künftigen Bundespräsidenten den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Auch ein Staatsoberhaupt bleibe ein Mensch mit Stärken und Schwächen, mit Gaben und Fehlern, mit guten und mit schlechten Tagen. "Es ist himmlisch, wenn Menschen nach dem Vorbild des guten Hausherrn aufeinander achten und füreinander da sind", so Dutzmann.

Dutzmann nahm dabei Bezug auf das biblische Gleichnis von den "Arbeitern im Weinberg" und den darin beschriebenen guten Hausherrn, der sich von der Nächstenliebe leiten lasse. "Es ist himmlisch, wenn Menschen nach dem Vorbild des guten Hausherrn aufeinander achten und füreinander da sind", schloss Dutzmann. (KNA)

12.02., 11:25 Uhr: Ergänzt um weitere Informationen zu den Teilnehmer und zur Ansprache Dutzmanns

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Freiheit ist das Lebensthema von Joachim Gauck. Mit pastoralem Pathos und gelegentlich zorniger Einseitigkeit stritt er dafür, die Chance der Freiheit zu ergreifen. Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse würdigt den scheidenden Bundespräsidenten.