Die Dormitio Abtei über der Altstadt in Jerusalem.
Kirchenvertreter fordern abschreckende Strafe

Christen verurteilen Freispruch für mutmaßliche Dormitio-Brandstifter

Das deutsche Kloster Dormitio in Jerusalem hat immer wieder mit Brandanschlägen und antichristlichen Graffitis zu tun. Verdächtigt – und einmal auch verurteilt – wurden junge rechtsextreme Israelis. Diese Woche gab es allerdings einen Freispruch.

Jerusalem - 13.03.2019

Die Nichtanklage von zwei Verdächtigen eines Brandanschlags auf die Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem hat für Unverständnis in Kirchenkreisen gesorgt. Die Entscheidung des zuständigen israelischen Gerichts, die Anklagen fallen zu lassen, sei "inakzeptabel", teilte der Medienberater der katholischen Bischöfe des Landes, Wadie Abunassar, am Dienstagnachmittag mit. Er forderte die israelischen Behörden auf, die für den Anschlag Verantwortlichen "auf eine Weise zu bestrafen, die andere davon abhält, in der Zukunft ähnliche Straftaten zu begehen".

Der Sprecher der Abtei, Matthias Karl, betonte, die Mönchsgemeinschaft hoffe, dass die israelischen Behörden die Täter ausfindig machten und nach israelischen Gesetzen verurteilten. Eine Verurteilung sei auch mit Blick auf eine abschreckende Wirkung für die Zukunft von Bedeutung. Seitens der Mönche bestehe Dialogbereitschaft "auch jenen gegenüber, die für den Schaden verantwortlich sind". Man wolle damit einen Beitrag für eine friedlichere Zukunft leisten.

Israelischen Medienberichten zufolge hatte ein Bezirksgericht die Anklage gegen zwei junge Männer am Montag aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Sie wurden verdächtigt, im Mai 2014 einen Brandanschlag auf die Dormitio-Abtei auf dem Jerusalemer Zionsberg verübt zu haben – wenige Stunden nach einem Besuch von Papst Franziskus.

Verdächtigter bereits wegen Anschlag auf Tabgha verurteilt

Den Angaben zufolge wurde ein Geständnis nicht zugelassen, da es durch "emotionale Folter" erlangt worden war. Die Befragung durch den Inlandsgeheimdienst Schin Beit habe unter starkem psychologischem und möglicherweise physischem Druck stattgefunden. Ferner sei den Verdächtigen die Konsultation eines Anwalts verweigert worden. Ein Anwalt der Männer begrüßte die Entscheidung und warf den Ermittlungsbehörden Folter vor.

Nach dem Feuer hinter der Chororgel der Dormitio-Abtei vom 26. Mai 2014 sieht man die Brandschäden. Am Boden liegen die kleinen Kreuze, die die Benediktiner am Karfreitag an Pilger verteilen; sie sind von Feuer und Asche gezeichnet.

Bei einem der beiden Männer handelt es sich laut Berichten um den 23-jährigen jüdischen Siedler Yinon Reuveni. Er war bereits 2017 wegen Brandstiftung im deutschen Benediktinerkloster Tabgha am See Genezareth zu vier Jahren Haft und umgerechnet 12.000 Euro verurteilt worden. 2018 verschärfte das Oberste Gericht die Strafe für Reuveni um zusätzliche 18 Monate Haft, da es in der Attacke auf eine heilige Stätte eine ideologisch motivierte Straftat sah.

Bei dem Brand des zur Dormitio gehörenden Klosters Tabgha im Juni 2015 wurde der Südflügel des Atriums der Kirche neben dem erst 2012 fertiggestellten Kloster weitgehend zerstört. Der Schaden ging nach Ordensangaben in die Millionen. Ein Mönch und eine Freiwillige erlitten leichte Rauchvergiftungen. Anfang 2016 wurde die Dormitio-Abtei mit antichristlichen Sprüchen beschmiert. "Tod den Christen", "Tod den Arabern" und "Jesus ist ein Affe" stand Medienberichten zufolge an der Wand.

In Israel waren in den vergangenen Jahren wiederholt christliche und muslimische Stätten sowie arabisches Eigentum Ziel von Vandalismus. Für die auch als "Price Tag" (Preisschild) bezeichneten Akte werden israelische Extremisten aus Siedlerkreisen, etwa die sogenannte "Hilltop Youth", der Reuveni angehörte, verantwortlich gemacht. (luk/KNA)