Erzbischof Robert Zollitsch am Mikrofon
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"Da wird Klartext geredet"

Erzbischof Robert Zollitsch ist einer von drei deutschen Teilnehmern (neben den Bischöfen Franz-Josef Bode und Franz-Peter Tebartz-van Elst) der Weltbischofssynode vom 7. bis 28. Oktober im Vatikan. Die 13. Ordentliche Synode widmet sich dem Thema "Neuevangelisierung". Im Interview erzählt Zollitsch von seinen Erwartungen vor der Synode.

Von Gottfried Bohl (KNA) |  - 27.09.2012

Frage: Herr Erzbischof, Sie sind einer der drei deutschen Teilnehmer bei der großen Bischofssynode im Vatikan – worum geht es da?

Zollitsch: Es ist das große Anliegen von Papst Benedikt, im Jahr des Glaubens diesen Glauben neu ins Gespräch zu bringen. Gerade auch in den Ländern, die von der Tradition her christlich geprägt sind, sollen wir überlegen, wie der Glaube heute verkündet werden kann: Wie können wir neue Wege finden – in der Sprache und bei den Methoden? Und was heißt es in einer säkularen Welt heute als Christ zu leben? Wie können wir Menschen für das Evangelium ansprechen und gewinnen?

Frage: Die Synode dauert ja insgesamt drei Wochen. Wie muss man sich da so einen normalen Tag vorstellen?

Zollitsch: So eine große Versammlung braucht natürlich Regeln. Da gibt es eine Einführung durch den Präsidenten. Und dann sollen die Teilnehmer Stellung nehmen. Jeder, der sich meldet, bekommt fünf Minuten Redezeit im Plenum. Man muss vorher sagen, zu welchem Thema, damit ein bisschen gegliedert werden kann. Daneben gibt es noch Treffen in kleineren Gruppen, und man kann auch schriftliche Stellungnahmen abgeben.

Frage: Hört sich nicht besonders spontan an…

Zollitsch: … kann es aber durchaus sein. Denn besonders interessant ist natürlich auch das, was am Rande geschieht. Die Synode bietet viel Raum für Begegnungen. Bei mir hat sich zum Beispiel schon vorab ein Teilnehmer aus Paraguay gemeldet, der unbedingt mit mir sprechen möchte. Auch den Vertreter von Serbien habe ich schon mal vor kurzem getroffen. Da freue ich mich auf viele interessante Gespräche und lebhafte Diskussionen. Gerade dieser Erfahrungsaustausch am Rande ist sehr wichtig.

Zur Person

Erzbischof Robert Zollitsch ist Bischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Frage: Der Papst selbst ist ja oft mit dabei? Hemmt das eher - oder wird trotzdem Tacheles geredet?

Zollitsch: Ich habe bis jetzt die Erfahrung gemacht, auch im Rat für Neuevangelisierung, dass wir sehr offen miteinander diskutieren, wenn Benedikt XVI. dabei ist. Da wird schon Klartext geredet. Wir wollen ja auch nicht Schönwetter machen, sondern wirklich Erfahrungen zusammentragen und uns auch gegenseitig Mut machen. Nur so können wir voneinander lernen.

Frage: Welche speziellen deutschen Erfahrungen möchten Sie denn dabei einbringen?

Zollitsch: Wir befassen uns ja schon seit unserem Schreiben "Missionarisch Kirche sein" im Jahr 2000 intensiv mit dem Thema Neuevangelisierung. Ein wichtiges Ergebnis aus diesem Prozess ist etwa die "Katholische Arbeitsstelle für missionarische Pastoral" KAMP in Erfurt. Da können wir interessante Erfahrungen mitbringen, die auch andere weiterbringen können.

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Interview über Glaubensmüdigkeit und neuen Schwung

Frage: Wie endet so eine Synode? Gibt es da Beschlüsse und konkrete Ergebnisse?

Zollitsch: Üblicherweise verabschiedet die Synode zum Schluss Voten zu einzelnen Themen. Die werden dann dem Papst übergeben. Und dann kommt ein nachsynodales Schreiben, das die Ergebnisse zusammengefasst und weiterführt. Aber wie gesagt: Es geht nicht nur um Papiere, sondern vor allem um den konkreten Austausch – untereinander und mit dem Papst.

Frage: Was erhoffen Sie sich persönlich von der Synode?

Zollitsch: Zuerst bin ich dankbar dafür, dass wir intensiv in den Blick nehmen, wie wir das Evangelium heute in neuer Weise den Menschen – auch in ihrer Sprache – verkünden müssen, damit sie es verstehen. Wir wollen Menschen helfen, den Glauben neu oder wieder als Bereicherung ihres Lebens zu erfahren.

Von Gottfried Bohl (KNA)