Henryk Jankowski (1936-2010) am 31. August 2009
Aus Protest gegen Missbrauch

Danziger Denkmal von Solidarnosc-Priester Jankowski zerstört

Henryk Jankowski galt lange als legendärer Kaplan der Solidarność-Bewegung – bis Missbrauchsvorwürfe gegen ihn laut wurden. Wochenlange Proteste mündeten jetzt in die Zerstörung seines Denkmals in Danzig.

Danzig - 21.02.2019

Im polnischen Danzig haben mutmaßlich drei Männer ein Denkmal für den des Kindesmissbrauchs beschuldigten Solidarnosc-Pfarrer Henryk Jankowski (1936-2010) zerstört. Die Polizei nahm die 39, 40 und 41 Jahre alten Warschauer in der Nacht zu Donnerstag am Tatort fest, berichtete Radio Gdansk unter Berufung auf die Einsatzkräfte. Die Männer hätten die an einer Straße errichtete Statue umgestoßen und auf sie ein Ministrantengewand und eine Kinderunterhose gelegt.

Die Männer hatten im Internet offenbar selbst Filmaufnahmen vom Umsturz des Denkmals veröffentlicht. Seit Monaten forderten Demonstranten regelmäßig die Entfernung der drei Meter hohen Statue, weil Jankowski Kinder missbraucht haben soll. Im Dezember warf eine Frau dem verstorbenen Geistlichen in einem Zeitungsbericht mehrfache sexuelle Übergriffe gegen sie vor. Sie berichtete zudem von einer möglicherweise von Jankowski schwangeren Freundin, die Suizid begangen habe.

Der bekannte Geistliche hatte am 17. August 1980 vor dem Haupteingang der Danziger Werft mit Tausenden streikenden Arbeitern einen Gottesdienst gefeiert und die damalige Gründung der Solidarnosc unterstützt. Fortan war er ein bedeutender Wegbereiter der Opposition gegen die kommunistische Staatsmacht und zugleich Beichtvater des Solidarnosc-Gründers und späteren Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa. Als Walesa von den kommunistischen Machthabern monatelang unter Hausarrest gestellt wurde, war Jankowski vorübergehend dessen Sprachrohr.

Wegen Vermarktung seines Namens in der Kritik

2004 setzte das Erzbistum Danzig Jankowski nach antisemitischen Äußerungen und Vorwürfen des Kindesmissbrauchs als Propst der Brigitten-Kirche ab. Das Gotteshaus gilt als Solidarnosc-Kirche. Die Errichtung des Denkmals hatte der Stadtrat 2011 mit großer Mehrheit beschlossen. In den Jahren vor seinem Tod stand der Geistliche wegen der Vermarktung seines Namens in der Kritik. Verkauft wurde unter anderem ein nach ihm benanntes Mineralwasser. Pläne für ein eigenes Parfüm, ein Mobilfunknetz sowie eine Cafe-Kette zog der Priester hingegen zurück.

In Polen, dessen Einwohner zu mehr als 90 Prozent Katholiken sind, wird immer wieder über Missbrauchsvorwürfe gegen Priester berichtet. Eine umfassende Aufarbeitung durch die Kirche gab es bislang nicht. (tmg/KNA/dpa)