"Das Kreuz ist das Markenzeichen unserer Kultur"
Bild: © KNA
Erzbischof Ludwig Schick predigt am Karfreitag

"Das Kreuz ist das Markenzeichen unserer Kultur"

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des Kreuzes. Und das gilt auch für den deutschen Kulturraum, sagt Erzbischof Ludwig Schick. Christen hätten daher eine Aufgabe gegenüber Nichtchristen zu erfüllen.

Neunkirchen am Brand - 30.03.2018

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat das Kreuz als "Markenzeichen unserer Kultur und Zivilisation" bezeichnet. Deshalb müsse es auch im öffentlichen Leben erhalten bleiben, sagte Schick am Karfreitag bei der traditionellen Karfreitagsprozession im oberfränkischen Neunkirchen am Brand. Das Kreuz sei kein Zeichen des Todes, sondern des Protests gegen alles Töten durch Krieg, Terror und Verbrechen, aber auch gegen Abtreibung und sogenannte Euthanasie, durch die alte und kranke Menschen getötet würden.

Schick: Christen müssen Kreuz erklären

Bei der traditionellen Karfreitagsprozession von Neunkirchen, bei der lebensgroße Holzfiguren durch den Ort getragen werden, rief Schick weiter dazu auf, den christlichen Glauben offen zu vertreten. So müsse das Kreuz auch Nichtchristen verständlich gemacht werden, "damit sie unsere Kultur verstehen, die ohne das Kreuz nicht zu verstehen ist, damit sie Ja sagen zu dieser Lebensweise, die vom Sinngehalt des Kreuzes geprägt ist". Denn es stehe auch für Gleichheit und Einheit, für die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte, für Schutz und Hilfsbereitschaft.



Unterdessen betonte Kardinal Reinhard Marx beim "Kreuzweg der Völker" in München die Friedfertigkeit der christlichen Botschaft. Christen seien aufgerufen, überall in der Welt klar zu verkünden: "Nicht die Gewalttätigen werden das Land besitzen, sondern die Gewaltlosen." Nicht die, die andere mit militärischen, wirtschaftlichen und politischen Mitteln beherrschen und unterwerfen wollten, würden sich am Ende durchsetzen, sondern die Sanften und Barmherzigen, die, die Frieden stiften und möglich machten, so der Münchner Erzbischof.

Linktipp: Seehofer: Satz "Islam gehört zu Deutschland" falsch

Der Islam gehört nicht zu Deutschland, die Muslime schon, sagt der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer. Die Grünen und Linken nennen die Aussagen "Unsinn" und "Wahlkampf für die AfD".

Marx beobachte eine Zunahme von Gewalt und Hass in der Gesellschaft. "Es scheint mir wieder neu eine Zeit der verbalen, politischen und militärischen Aufrüstung zu sein." In dieser Situation seien Versöhnung und Freundschaft zwischen Völkern, Kulturen und Religionen umso wichtiger. An die Christen appellierte er daher, besonders auf Muslime und Nicht-Glaubende zuzugehen. Marx verweist darauf, dass in der Vergangenheit zwischen den Nationen und Konfessionen Gräben aufgerissen und Feindschaften über Generationen weitergegeben worden seien.

Marx: Debatte über Islam führt nicht weiter

Gegenüber dem Magazin "Focus" (Samstagsausgabe) erklärte Marx darüber hinaus, dass die Debatte um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, nicht weiterführe. Weder die eine noch die andere Formulierung in der Islam-Frage sei hilfreich. "Da könnte man auch fragen, ob der Atheismus zu Deutschland gehört", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Schon der Blick ins Grundgesetz reiche zur Klärung, wo Artikel 4 die Freiheit der Religionsausübung garantiere. Ihn störe es, wenn Ängste geschürt und man bei Muslimen nur über ihre Religion rede, so Marx weiter. "Sie sind zuerst Menschen und dann kommt das Adjektiv." (kim/KNA)

30.03., 13:45 Uhr: Ergänzt um Aussagen Marx' aus dem "Focus"