Demo gegen neuen Lehrplan für Sexualerziehung
Das Motto lautete "Elternrecht achten - Indoktrinierende Sexualerziehung stoppen!"

Demo gegen neuen Lehrplan für Sexualerziehung

Der neue hessische Lehrplan gibt die Akzeptanz sexueller Vielfalt als Ziel vor. Die "Demo für alle" spricht von einer "Sexualerziehung mit der Brechstange" - und bekommt Unterstützung von einem Bischof.

Wiesbaden - 31.10.2016

Das Bündnis "Demo für alle" hat am Sonntag vor dem Kultusministerium in Wiesbaden gegen den seit Beginn des Schuljahres für die allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen geltenden neuen Lehrplan für Sexualerziehung demonstriert. Die nach Polizeiangaben rund 700 Teilnehmer zählende Kundgebung des familienpolitisch konservativen Zusammenschlusses stand unter dem Motto "Elternrecht achten - Indoktrinierende Sexualerziehung stoppen!".

Der neue Lehrplan für Sexualerziehung ersetzt den aus dem Jahr 2007 stammenden. Er macht Vorgaben für die fächerübergreifende Behandlung des Themas und legt Unterrichtsinhalte für die jeweiligen Altersstufen fest. Die Neufassung sei ein Routinevorgang gewesen, um den Plan an veränderte gesellschaftliche Gegebenheiten anzupassen, so Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Er enthalte keineswegs etwas fundamental Neues. Der Lehrplan formuliert als Ziel die "Akzeptanz" sexueller Vielfalt - etwa der Homo-, Trans-, Inter- und Bisexualität.

Auf Akzeptanz könne nur hingearbeitet werden

Beim Kommissariat der Katholischen Bischöfe im Lande Hessen hieß es auf Anfrage, pädagogisch könne auf Akzeptanz hingearbeitet werden. Sie als Ziel einzufordern, sei problematisch. Angemessener wäre es, wie im Lehrplan von 2007 von Respekt und Toleranz gegenüber unterschiedlichen sexuellen Lebensstilen zu sprechen, so das Kommissariat, das Hessens katholische Bischöfe bei den politischen Stellen in der Landeshauptstadt vertritt.



Schon im Vorfeld hatte der Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, ein Grußwort an die Demonstranten geschickt. Darin schreibt er unter anderem, dass es ein Schock gewesen sei, "als nach den großen Ferien bekannt wurde, dass der Hessische Kultusminister durch einen Ministererlass einen neuen Lehrplan zur Sexualerziehung in Kraft gesetzt und sowohl das Votum des Landeselternbeirates als auch die Stellungnahme der katholischen Bischöfe in Hessen ignoriert hat". Die Demonstranten zeigten heute, "dass Ihnen die Sexualerziehung von Kindern und Jugendlichen nicht gleichgültig is, dass Sie Ihre Verantwortung als Christen wahrnehmen. Dafür möchte ich mich ausdrücklich bedanken", so Algermissen.

Der Landeselternbeirat, der dem neuen Lehrplan nicht zustimmte, plädiert dafür, statt des Unterrichtsziels "Akzeptanz" das einer "Toleranz" sexueller Vielfalt vorzugeben. Ausdrücklich distanzierte sich der Beirat von der Kundgebung des Bündnisses "Demo für alle". Er wandte sich auch gegen Äußerungen "ultrakonservativer Christen und nationalistischer Kräfte", die eine Frühsexualisierung der Kinder befürchteten. Dafür biete der Lehrplan keinerlei Anhaltspunkte.

Sexualerziehung "mit der Brechstange"?

"Demo für alle" spricht mit Blick auf den Lehrplan von einer "Sexualerziehung mit der Brechstange". Der Plan nehme keine Rücksicht auf Schamgefühle und die Intimsphäre von Kindern und Jugendlichen und sei eine Kampfansage gegen das Erziehungsrecht der Eltern. Dem Bündnis gehören etwa eine "Aktion Kinder in Gefahr", eine "Initiative Familienschutz", evangelische Arbeitskreise einiger CDU-Kreisverbände und das Forum Deutscher Katholiken an.

Zuvor hatte es am Sonntag in Wiesbaden zugunsten des Lehrplans eine Kundgebung des "Bündnisses für Akzeptanz und Vielfalt - gegen Diskriminierung und Ausgrenzung" gegeben. Dazu kamen laut Polizei 1.200 Teilnehmer zusammen. Einige Demonstranten hätten versucht, die vorgesehene Route zu verlassen, vereinzelt wurden den Angaben zufolge Gegenstände geworden. Rund 300 Menschen hätten zudem versucht, mit einer Sitzblockade die nachfolgende Kundgebung des Bündnisses "Demo für alle" zu stören. Ursprünglich war mit 6.000 Demonstranten beider Lager gerechnet worden. (bod/KNA)