Rückansicht von vier Bischöfen, die schnellen Schrittes und mit wehender Soutane durch den Säulengang am Petersplatz gehen.
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Den Konzilsgeist fortsetzen

Den Konzilsgeist weiterführen

Kurz vor Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) äußerten die Teilnehmer den Wunsch, den "Geist der Kollegialität" dieser Kirchenversammlung in irgendeiner Form fortzusetzen. Papst Paul VI. griff die Idee auf und richtete mit einem Schreiben "Apostolica sollicitudo" vom 15. September 1965 die Bischofssynode ein.

Von Johannes Schidelko (KNA) |  - 27.09.2012

Sie solle "in gewisser Weise den gesamten Weltepiskopat repräsentieren" und "den Geist der Gemeinschaft zeigen, der den Papst und die Bischöfe miteinander verbindet", so das Gründungsdokument. 25 mal beriefen die Päpste seither Bischofssynoden ein. Und obwohl sie - im Gegensatz zum Konzil - keine verbindliche Entscheidungsfunktion haben, sondern "nur" beratend wirken, sind die Versammlungen der Weltbischofssynode wichtige Wegmarken in der Entwicklung der katholischen Kirche.

Ihre Bedeutung wird auch dadurch unterstrichen, dass der Papst an fast allen Beratungsrunden – mindestens als Zuhörer, mitunter aber auch mit eigenen Beiträgen – teilnimmt. Theologisch gesprochen tagt also die Bischofssynode "cum Petro et sub Petro" (mit dem Papst und unter dem Papst). Für die Medienberichterstatter aus aller Welt werden mehrmals in der Woche Briefings in unterschiedlichen Sprachen angeboten, und die wesentlichen Thesen der Redebeiträge werden täglich in Kurz-Zusammenfassungen an die Journalisten weitergegeben. Doch anders als Parteitage oder evangelische Landessynoden in Deutschland sind die Versammlungen der Synode nicht komplett medienöffentlich. Damit soll erreicht werden, dass die Bischöfe nicht "Reden für die Galerie" halten, sondern sich auf die Sacharbeit konzentrieren.

Die derzeitige Weltbischofssynode vom 7. bis 28. Oktober gilt dem Thema "Neuevangelisierung". Es ist die 13. Ordentliche Synode; daneben gab es bereits zwei Außerordentliche Synoden - etwa 1985 ein Bilanztreffen 20 Jahre nach Konzilsende. Hinzukamen neun Spezialsynoden für einzelne Kontinente oder Weltregionen. Nach unterschiedlichen Zählweisen rechnet man auch die Partikularsynoden für die Niederlanden und die Ukraine (beide 1980) hinzu.

Ein "Instrumentum laboris" als Arbeitsgrundlage

Erst nach und nach hat die Bischofssynode ihre heutige Gestalt angenommen. Der anfängliche Zwei-Jahres-Rhythmus wurde auf drei bis vier Jahre ausgedehnt. Nach Ankündigung und Themenvorgabe durch den Papst erarbeitet das Synodensekretariat - derzeit unter dem kroatischen Erzbischof Nikola Eterovic - ein Themenpapier, die "Lineamenta". Es geht samt einem Fragebogen an alle Ortskirchen. Aus den Antworten entsteht dann das Arbeitspapier (Instrumentum laboris) als Grundlage für die Beratungen.

Anders als beim Konzil, zu dem alle 3.000 Bischöfe geladen waren, nimmt an den Synoden nur etwa ein Zehntel des Episkopats teil. Alle Bischofskonferenzen entsenden nach einem bestimmten Schlüssel Delegierte, dazu beruft der Papst weitere Mitglieder, zudem Berater, Experten und Gäste. Dabei bemüht sich das Synodensekretariat, möglichst viele Bereiche der Kirche einzubeziehen. So nehmen meist auch die Oberen der wichtigsten männlichen Ordensgemeinschaften und Delegierte der mit Rom unierten Ostkirchen daran teil.

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Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, bei "katholisch.de - Das Magazin".

Als Synodensprache ist – anders als beim Konzil – nicht nur das Lateinische erlaubt. Die meisten Beiträge werden in einer der modernen Weltsprachen vorgetragen und simultan übersetzt, lateinische Wortbeiträge sind extrem selten. Am Ende der Beratungen werden Papiere verabschiedet. Meist richten die Synodalen eine "Botschaft der Hoffnung" an die Welt. Die kircheninternen, thesenartigen Beratungsergebnisse ("Propositiones") gehen hingegen an den Papst, der daraus (seit 1974) ein "Nachsynodales Apostolisches Schreiben" erstellt.

Neben der konkreten Sacharbeit sind von den Bischofssynoden viele Impulse für die Weltkirche ausgegangenen. Das erste Treffen 1967 über "Bewahrung und Stärkung des katholischen Glaubens" gab die Idee für die Gründung der "Internationalen Theologenkommission", die bis heute die Römische Glaubenskongregation berät. Außerdem stellte es die Weichen für die schon bei der Konzilsankündigung 1959 erwähnte Neufassung des Kirchenrechts, das 1983 fertig wurde. Zwei Jahre später legte die erste außerordentliche Synode Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und den nationalen Bischofskonferenzen. Die Synode von 1971 - mit fast sechs Wochen die bislang längste - widmete sich dem Priesteramt, stellte dabei aber Fragen der "Gerechtigkeit in der Welt" in den Mittelpunkt.

Vielfältiges Themenspektrum

Grundlagen für die Evangelisierung in der Welt von heute diskutierte die Synode 1974, in deren Folge Papst Paul VI. später das erste nachsynodale Dokument "Evangelii nuntiandi" erstellte. Klare Aussagen zur Unauflöslichkeit der Ehe und zum Lebensschutz machte die Synode 1980 über die christliche Familie. Von der außerordentlichen Synode 1985 kam die Anregung zu einem neuen Katechismus für die Weltkirche - der 1992 fertig wurde.

Die Ordentlichen Synoden zwischen 1987 und 2001 befassten sich mit den verschiedenen Gruppen in der Kirche: Laien, Priester, Ordensleute und Bischöfe. Bewegend war 1991 die Europa-Synode, bei der erstmals Bischöfe aus dem Osten offen über die Kirchenverfolgungen sprachen. Zwischen 1994 und 1999 folgten dann Kontinentalsynoden für Afrika, Amerika, Asien, Ozeanien und nochmals für Europa. Das Schlusspapier der Ozeanien-Synode veröffentlichte der Papst (2001) nicht mit einer Reise vor Ort - sondern erstmals offiziell per Enter-Tasten übers Internet.

Papst Benedikt XVI. reformierte und straffte den Ablauf der Bischofssynode. Er verkürzte die Tagungsdauer von vier auf drei Wochen, damit die Abwesenheit der Bischöfe von ihren Heimatdiözesen nicht zu lang wird. Und der ließ neben den vorher abzuliefernden Kurzstatements mehr Zeit für freie Diskussionen mit Rede und Gegenrede. Bald nach seiner Wahl bestätigte er die noch vom Vorgänger einberufene Synode über "Eucharistie" (Herbst 2005). Drei Jahre später stand die Rolle der Bibel im Mittelpunkt. Zudem berief er Sondersynoden für zwei kirchliche Problemregionen ein, für Afrika (2009) und den Nahen Osten (2010). Dessen Schlussdokument wollte er Mitte September im Libanon veröffentlichen.

Von Johannes Schidelko (KNA)