"Der Friede sei mit euch"
Papst Franziskus reist am Samstag nach Sarajevo

"Der Friede sei mit euch"

Am Samstag reist Papst Franziskus nach Sarajevo. Bei seinem Empfang wird es weiße Tauben und einen Kinderchor geben. Sie stehen symbolisch für den interreligiösen Dialog und den Friedensprozess in Bosnien-Herzegowina, die der Papstbesuch noch einmal fördern soll.

Von Johannes Pernsteiner (KNA) |  Sarajevo - 05.06.2015

So singt für den Papst etwa ein Kinderchor aus Srebrenica, der aus muslimisch-bosniakischen und serbisch-orthodoxen Kindern besteht. Für noch mehr Furore dürfte bei der Messe im Kosevo-Stadion ein Chor mit 1.650 Stimmen sorgen - der größte in der Geschichte des Landes. Die Sänger stammen sowohl aus Bosnien-Herzegowina als auch aus Kroatien und Serbien; Dirigent ist der Franziskaner Marcos Stanusic.

Dass der Papst nicht nur die Christen, sondern auch die Muslime Sarajevos besucht, zeigt symbolisch der Stuhl, den Franziskus bei der Messe benutzt. Er wurde vom muslimischen Tischler Edin Hajdarovac hergestellt, dessen Familie für Feinarbeiten mit Flachreliefs aus Holz nach muslimischer, christlich-orthodoxer und katholischer Tradition bekannt ist.

Ein Blick über den muslimischen Friedhof auf Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina.

Eine Brücke quer über die sozialen Schichten schlägt der Papst, wenn er den Wunsch eines Hobby-Taubenzüchters namens Marin Cvitkovic erfüllen wird. Bei seiner Station im Präsidentengebäude, wo die offizielle Begrüßung mit den Staatsvertretern stattfindet, wird er auf dessen Stufen drei von Cvitkovics weißen Tauben in den Himmel aufsteigen lassen. Die Geste soll den Segen des Papstes über das kriegs- und krisengeschüttelte Land und seine drei ethnischen Gruppen verteilen und "allen Bewohnern endlich ein normales Leben bringen", so der 39-Jährige, der von Beruf Briefträger ist.

Papst soll "Schlüssel zur Stadt" erhalten

Cvitkovic hatte dem Papst gleich nach dessen Besuchs-Ankündigung in einem Brief einige seiner 30 Tauben angeboten. Die Taubenzucht betreibt der Katholik bereits seit seiner Kindheit im Dorf Ilici in der Nähe von Mostar. Bei seinen Postzustellungen über lange Distanzen nimmt er in der gesamten südlichen Region des Landes oft einige seiner Tiere mit, lässt sie frei - und findet sie bei seiner Rückkehr wieder zu Hause vor.

Von Sarajevos Bürgermeister Ivo Komsic wird der Papst die "Schlüssel zur Stadt" entgegennehmen. Die Stadtverwaltung ehrt damit Persönlichkeiten, die zu Ausgleich und Gleichberechtigung sowie zum Gedeihen des Landes beitragen.

Bild: © KNA

Papst Franziskus will mit seinem Besuch in Sarajevo "das Gute fördern und zur Festigung von Geschwisterlichkeit und Frieden" beitragen.

Die Behörden treffen strengste Sicherheitsvorkehrungen. Auch da es erst im April in Zvornik (Republika Srpska) zu einem islamistischen Terroranschlag mit einem getöteten Polizisten kam, wird der gesamte Papstbesuch unter schärfster Kontrolle verlaufen. Marinko Cavara, Präsident der Föderation von Bosnien und Herzegowina, erklärte, man wolle Teile der Stadt für den Verkehr sperren und Anrainern an den Routen des Papstes verbieten, auf die Balkone zu gehen oder die Fenster zu öffnen. Strengste Einschränkungen werde es auch für den Verkauf von Alkohol geben.

Nicht zuletzt hat der Papstbesuch aber auch große Bedeutung für den Tourismus: Alle verfügbaren Unterkünfte in der Region Sarajevo waren laut örtlichen Medienberichten bereits Mitte Mai ausgebucht. Die Tourismussprecherin der Stadt, Asja Hadziefendic-Mesic, hofft, dass sich die erwarteten 70.000 Besucher der Papstmesse positiv auf das Image der Stadt und des Landes auswirken. Vermittelt werden soll eine Botschaft von Liebe und friedlichem Zusammenleben - "und dass Bosnien-Herzegowina einen Besuch wert ist".

Kardinal Puljic erhofft sich Unterstützung für den Friedensprozess

Der Papstbesuch soll nach Worten des bosnischen Kardinals Vinko Puljic den Friedensprozess im Land unterstützen, Dialog und Vertrauen in der Bevölkerung fördern und die Katholiken im Glauben stärken. Er erhoffe von Papst Franziskus eine Hilfe zur Überwindung der vielen Probleme infolge der schrecklichen Konflikte der vergangenen Jahrzehnte, sagte er der römischen Tageszeitung "Avvenire" (Freitag). Die Erwartungen der gesamten Bevölkerung an den Papst seien hoch, die Stimmung sehr positiv, so Puljic. Er sehe keinerlei Beeinträchtigung der Sicherheit. Die Regierung und der interreligiöse Rat des Landes hätten dem Besuch von Franziskus einmütig zugestimmt, betonte der Kardinal. (KNA)

Von Johannes Pernsteiner (KNA)