Papst Franziskus winkt während er in ein Flugzeug steigt.
Franziskus beendet seine Lateinamerika-Reise

Der nimmermüde Papst

Gut eine Woche hat Papst Franziskus Lateinamerika besucht. Das Besuchsprogramm vor Ort war eng gestrickt, nur selten blieb dem Papst Zeit zum Verschnaufen. Beeinträchtigt hat ihn der Zeitplan größtenteils jedoch nicht.

Von Ludwig Ring-Eifel |  Asuncion - 13.07.2015

Beim Abschlussgottesdienst in Asuncion rief er die Kirche auf, ihren Auftrag Christi in einem neuen Geist anzunehmen. Statt Macht auszuüben und Normen durchzusetzen, solle sie wie eine Mutter alle Menschen gastfreundlich empfangen, auch die Sünder und auch jene, die den Glauben verloren haben.

Der letzte große Auftritt des Papstes in Paraguay war ein Treffen mit Tausenden Jugendlichen, die er ermutigte, ein Leben jenseits der Oberflächlichkeiten anzustreben. Tags zuvor hatte er am wichtigsten Marienheiligtum des Landes eine von indigener Volksfrömmigkeit geprägte Messe gehalten und danach bei einem Treffen mit Vertretern von Basis-Initiativen und Nichtregierungsorganisationen seine von den Zuhörern begeistert gefeierte Vision einer gerechteren Gesellschaft entfaltet.

Vier Auftritte, die besonders in Erinnerung bleiben

Das Besuchsprogramm in Paraguay, der letzten von drei Länderetappen auf seiner ersten langen Lateinamerika-Reise, folgte damit einem Muster, das sich bereits in Ecuador und dann in Bolivien gezeigt hatte. Auch in Quito, Guayaquil und Santa Cruz standen große Messen mit jeweils rund einer Million Menschen auf dem Programm - nur in der extremen Höhenlage von La Paz fehlte dieser Programmpunkt mit Rücksicht auf die Gesundheit des Papstes. Und auch in Ecuador und Bolivien traf er die Bischöfe und die Jesuiten jeweils hinter verschlossenen Türen, hielt politische Reden und besuchte karitative Einrichtungen und Menschen an symbolträchtigen Orten am Rande der Gesellschaft.

Von den etwa 20 großen Auftritten des Papstes bei dieser Reise bleiben vor allem vier in Erinnerung. Zu ihnen gehört die große Messe in Quito am 7. Juli. Vor mehr als einer Million Menschen versuchte der erste Papst aus Lateinamerika die große historische Versöhnung zwischen der katholischen Kirche und den zumeist antiklerikalen lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen des frühen 19. Jahrhunderts. Er schlug einen Bogen zwischen den Freiheitsträumen der Generation der Freiheitskämpfer um Simon Bolivar und der revolutionären, radikalen Dimension des Evangeliums.

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Der zweite Auftritt, der das Prädikat historisch verdienen könnte, war die Rede vor dem internationalen Kongress der Volksbewegungen in Santa Cruz (Bolivien). Seite an Seite mit dem linken Staatspräsidenten Evo Morales verlas der "revolutionäre Bruder Papst Franziskus" eine knapp einstündige Grundsatzrede, in der er den Kapitalismus und den Kult des Geldes als "Dung des Teufels" und als "sanfte Diktatur" kritisierte. Zugleich ermutigte er die Aktivisten der überwiegend linken Volksbewegungen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und mutig und kreativ für eine gerechte Gesellschaft einzutreten.

Dass Morales dem Papst am selben Tag auch noch ein Kruzifix mit den kommunistischen Symbolen Hammer und Sichel überreichte, sorgte für einige Aufregung, insbesondere in den USA. Die Kritik des Papstes an den schleichenden linksdiktatorischen Tendenzen, die Morales zeigt, fiel zurückhaltend aus, war aber für Kenner dennoch unüberhörbar.

Die dritte, tief bewegende Szene der Reise war der Besuch des Papstes im bolivianischen Gefängnis Palmasol, einer der berüchtigtsten Haftanstalten Lateinamerikas. Der faktisch als geschlossenes Stadtviertel in Eigenregie der Inhaftierten organisierte Knast gilt als eine Art Vorhölle auf Erden, in der Banden und Drogenhändler regieren. Dass sich der Papst hierher traute und es schaffte, den Häftlingen durch seine Nähe und seine Menschlichkeit Hoffnung zu geben, war eine der stärksten Episoden dieser an emotionalen Höhepunkten so reichen Reise.

Franziskus fährt lächelnd mit dem Papa-Mobil durch eine Menschenmenge.
Bild: © dpa

Egal, wo der Papst auf seiner Reise hinkam - er wurde mit Begeisterung empfangen.

Auf andere Weise bewegend waren die Worte und Gesten des Papstes im Nationalheiligtum Paraguays und des Guarani-Volkes in Caacupe. Obwohl er aus dem eher reichen und eher ungeliebten Nachbarland Argentinien kommt, bejubelten ihn die immer wieder von Kriegen, Naturkatastrophen und Verarmung heimgesuchten Gläubigen als Seelsorger und Tröster. Die Tatsache, dass er bereits als Erzbischof in Buenos Aires den dort lebenden Gastarbeitern aus Paraguay besonders nahe war, baute ihm Brücken und öffnete die Herzen.

Neben dem, was in Erinnerung bleibt, ist auch auffällig, was bei dieser Reise fehlte. So registrierten Beobachter aufmerksam, dass außer dem Kardinalstaatssekretär kein weiterer hochrangiger Kurienmann den Papst begleitete. Auch gab es vergleichsweise wenige innerkirchliche Ansagen in seinen Äußerungen.

Papst in guter gesundheitlicher Verfassung

Die eine war die in allen drei Ländern wiederholte Mahnung an die Priester, Klerikalismus und Machtdünkel abzulegen und sich auf die Aufgaben einer dienenden Kirche zu besinnen. Die zweite fiel ganz am Anfang, als Franziskus in Guayaquil ausdrücklich die Familiensynode im Oktober erwähnte. Er warb dafür, um "konkrete Lösungen" und um Mut zu beten - was wohl in Richtung einer veränderten Sexualmoral weist. Und die dritte war sein Werben für eine gastfreundliche, sich verschenkende Kirche bei der Abschlussmesse in Asuncion.

Neue Maßstäbe für sein Pontifikat hat Franziskus bei dieser Reise auch in gesundheitlicher und körperlicher Hinsicht gesetzt. Trotz eines einwöchigen Marathons mit sechs Flügen und 21 Ansprachen, mit Zeitverschiebungen und enormen Klima- und Höhenveränderungen zeigte sich der 78-Jährige - abgesehen von einem kurzen Aussetzer am vorletzten Tag - in erstaunlich guter Verfassung.

Update: Papst Franziskus in Rom gelandet

Papst Franziskus ist zurück in Rom. Nach einem knapp 13-stündigem Flug landete er kurz vor 13.40 Uhr mit einer Sondermaschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia auf dem Flughafen Rom-Ciampino. Der 78-jährige wirkte nach der Reise quer durch drei Länder mit enormen Höhenunterschieden sowie Klimawechsel und Zeitverschiebung müde und erschöpft.

In der Nacht zu Montag deutscher Zeit hatte Franziskus seinen Besuch in Paraguay beendet, der letzten Station seiner Reise. Staatspräsident Horacio Cartes verabschiedete ihn am Flughafen der Hauptstadt Asuncion zusammen mit einer Kinderschar, die als Schweizergarde verkleidet war. Zuvor hatte Franziskus bei einem Treffen mit rund 100.000 Jugendlichen zu einer Absage an den Konsumrausch aufgerufen.

Die neunte Auslandsreise hatte am 5. Juli begonnen und war die bislang längste von Franziskus. Weitere Stationen waren Ecuador und Bolivien. (KNA)

Von Ludwig Ring-Eifel