Der Ort des Bischofs ist die Straße
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Franziskus verabschiedet sich mit Mahnungen aus Peru

Der Ort des Bischofs ist die Straße

Zum Abschied seines Besuchs in Peru traf Papst Franziskus die Bischöfe des Landes. Für sie hatte er eine erbauliche Betrachtung über einen Heiligen vorbereitet. Doch diese enthielt scharfe Mahnungen.

Von Burkhard Jürgens (KNA) |  Lima - 22.01.2018

Ein armes und reiches, ein katholisches und korruptes Land: Vier Tage hat Papst Franziskus Peru besucht. Er zeigte Rückhalt für die Völker Amazoniens, sprach vor der politischen und gesellschaftlichen Elite, reiste zu Opfern des Wetterphänomens El Nino in Trujillo, bestärkte Priester und Ordensleute; natürlich fehlten nicht unzählige Begegnungen am Rande mit Kranken, Kindern, einfachen Gläubigen. Zum Abschluss stand am Sonntag eine große Messe im Süden Limas auf dem Programm. Gerade am letzten Tag wurde deutlich, vor welchen großen Aufgaben Franziskus auch die Kirche des Landes sieht.

Noch einmal redete er den Bischöfen ins Gewissen. Er legte ihnen nahe, die "Bequemlichkeit des Bischofshauses" zu verlassen, engen Kontakt zu ihren Seelsorgern zu halten und - eine eigentümliche Wortschöpfung von Franziskus - ein "Straßenbischof" zu sein. Menschen, die den Papst von seiner Zeit als Erzbischof in Buenos Aires kennen, erzählen gern, wie er mit öffentlichen Verkehrsmittel oder auch zu Fuß bei jedem Wetter unterwegs war. Den Bischöfen Perus nennt er genau das als Merkmal eines guten Hirten: abgenutzte Schuhsohlen.

Perus Episkopat ist tief gespalten

Als Vorbild bemüht Franziskus Toribio de Mogrovejo, den vor über 400 verstorbenen zweiten Erzbischof von Lima, Amtsvorgänger von Kardinal Juan Luis Cipriani, an dessen Dienstsitz das Treffen stattfindet. Das ist auch ein strategischer Zug. Toribio ist Heiliger der katholischen Kirche, so dass sein mustergültiger Charakter von den Bischöfen schlecht anzuzweifeln ist. Dabei ist der Episkopat tief gespalten.

Eine Ursache liegt noch in der heißen Zeit der Befreiungstheologie, als Johannes Paul II. (1978-2005) mit seinen Bischofsernennungen bestimmten Tendenzen Einhalt zu gebieten suchte. Einer von ihnen ist Moraltheologe und Opus-Dei-Priester Cipriani. Cipriani sagt, die Kirche Perus brauche mehr sichtbare Einheit. Das sagt auch der Papst. Die Frage ist, was sie jeweils damit meinen.

Franziskus wird konkreter, weiter mit dem Volksheiligen Toribio als Gewährsmann: Es geht darum, dass "das geistliche Gut niemals vom gerechten materiellen Wohl getrennt werden kann, besonders wenn die Integrität und Würde der Menschen gefährdet ist". Es geht darum, dass Glaubensverkündigung nicht echt ist, wenn nicht auch die Schuld gegenüber den schwächsten Brüdern und Schwestern "benannt und verurteilt" wird.

Bischof Toribio, so erinnert der Papst weiter, scheute in seinem Kampf gegen Korruption und Ausbeutung nicht davor zurück, den goldgierigen Gouverneur von Catajambo zu exkommunizieren. Es mag weit hergeholt sein, dabei an den Empfang zwei Tage zuvor im Präsidentenpalast zu denken, wo Franziskus die Bestechlichkeit geißelte und die intensive Rohstoffausbeutung als "überholtes Entwicklungskonzept" abtat. Auf dem Podium saß Präsident Pedro Pablo Kuczynski, ehemals Bergbauminister.

Peru ist geteilt in Arme und Reiche, Menschen mit und ohne Chancen, Europäischstämmige, Mestizen und Indigene. Wenn Franziskus mit Toribio mahnt, Geistliche sollten "an der Heiligkeit der Hirten erkennbar sein und nicht an der ethnischen Herkunft", rührt er an einen noch immer sensiblen Punkt. "Ein Leben ohne Konflikte ist nicht möglich", sagt der Papst. Aber nötig sei ein aufrichtiger Dialog Auge in Auge, ohne die Vergangenheit zu ignorieren oder darin gefangen zu bleiben.

Schafe Mahnung verpackt in erbauliche Betrachtung

Es sind im Grunde scharfe Mahnungen, die Franziskus den knapp 70 Bischöfen Perus hinterlässt, verpackt jedoch in die erbauliche Betrachtung eines Heiligen aus dem 16. Jahrhundert. Damit bleibt der Papst seiner Pädagogik treu, die Schwachen, Fehlerhaften ihre Stärken entdecken zu lassen. So ermutigt er später die peruanischen Jugendlichen, sie dürften sich, so, wie sie sind, angenommen fühlen. Ähnlich hatte er in Puerto Maldonado die indigenen Völker in ihrer Eigenständigkeit bestärkt und in Trujillo zum Zusammenhalt im Unglück und gegen Verwaltungsmängel aufgerufen.

Zu den letzten Terminen des Papstes zählte ein Treffen mit kontemplativen Ordensfrauen. Er selbst hatte ein gemeinsames Gebet mit ihnen gewünscht, selbst wenn er scherzte, mit ihrem zahlreichen Erscheinen hätten sie vielleicht nur eine Gelegenheit genutzt, einmal aus dem Kloster zu kommen. Auch den Nonnen legte er die Notleidenden und Benachteiligten als Gegenstand ihrer Fürbitte ans Herz. Für einen Aufbruch in Peru, scheint es, will Franziskus auf keine Stimme verzichten.

Von Burkhard Jürgens (KNA)

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