Papst Franziskus hält in Lima ein Morgengebet mit Frauen aus kontemplativen Orden.
Der dritte Tag der Papstreise nach Peru im Überblick

Der Papst setzt auf die Ordensfrauen - Tag 3 in Peru

Am letzten Tag in Peru betete der Papst unter anderem mit kontemplativen Ordensfrauen - und erteilte ihnen eine deutliche Warnung. Nun ist er auf dem Rückflug nach Rom. Alles Weitere lesen Sie im Ticker.

Lima - 22.01.2018

1:15 Uhr - Papst auf dem Rückflug nach Rom

Papst Franziskus hat seine Reise nach Chile und Peru beendet und ist auf dem Rückflug nach Rom. Um 19.10 Uhr (Ortszeit, 01.10 Uhr MEZ) hob die Maschine der chilenischen Fluglinie LATAM vom Internationalen Flughafen Lima ab. Zuvor waren Franziskus und seine Delegation vom peruanischen Staatspräsidenten Pablo Kuczynski offiziell verabschiedet worden. Die Ankunft auf dem römischen Flughafen Ciampino ist für 14.15 Uhr am Montag geplant.

25:45 - Papst bei Abschlussmesse: Nicht gleichgültig werden

Zum Abschluss seiner Peru-Reise hat Papst Franziskus am Rand von Lima einen Gottesdienst vor einer gewaltigen Menschenmenge gefeiert. Nach Schätzung der Behörden waren am Sonntagnachmittag (Ortszeit) knapp 1,3 Million Menschen auf das Gelände des Luftwaffenstützpunktes Las Palmas gekommen. Es war der mit Abstand meistbesuchte Gottesdienst seiner Lateinamerika-Reise.

Dabei warnte Franziskus die Menschen davor, mutlos oder gleichgültig zu werden. Die Lage in den Städten vielerorts könne die Menschen dazu verführen, sich zu verstecken und sich zu entziehen, sagte der Papst in seiner Predigt.

In Anlehnung an den Propheten Jona im Alten Testament sprach Franziskus in seiner Predigt vom "Jonassyndrom": Flucht und Misstrauen angesichts des Elends. Ob in Ninive, Trujillo, Lima oder wo immer die Menschen lebten, sei es schmerzhaft, unter den angeblich "überschüssigen Menschen" auf viele Kinder und Jugendliche zu treffen. Dabei zitierte Franziskus auch seinen Vorgänger Benedikt XVI.: "Eine Gesellschaft, die die Leidenden nicht annehmen und nicht im Mitleiden helfen kann, (...) ist eine grausame und inhumane Gesellschaft."

Von Simon und ANdreas bis zu den Heiligen Perus

Anders als Jona habe Jesus sich den Ausgestoßenen und Schwierigen von Anfang an zugewandt. Seine Bewegung der Hoffnung habe begonnen mit Simon und Andreas, dann Jakobus und Johannes, sei weitergegangen über die Heiligen Perus bis zu den Menschen heute. Das Evangelium der Liebe Gottes "ist zu uns gelangt, um sich erneut als Gegenmittel für die Globalisierung der Gleichgültigkeit einzusetzen", so Franziskus. Mit den Christen in Peru und andernorts ziehe Jesus weiter durch die Straßen, auf dass "Herabwürdigung durch Brüderlichkeit", "Ungerechtigkeit durch Solidarität" besiegt würden und "die Gewalt durch die Waffen des Friedens ausgelöscht werde", sagte der Papst.

Die Gläubigen sollten keine Angst haben, "die Heiligen des 21. Jahrhunderts zu sein". Die Hoffnung, dass dies möglich sei, habe er bei seinem Besuch "mit Händen greifen können", so Franziskus in seinen Abschiedsworten. Nach dem Gottesdienst begrüßte er noch Vertreter anderer christlicher Konfessionen.

18:15 - Papst an Jugendliche: Das Herz kann man nicht digital bearbeiten

Papst Franziskus hat die Jugend Perus ermutigt, ihre Ideale weiter zu verfolgen und dabei auf Jesus zu hören. Auch wenn das Leben hart und schwer sei: "Gebt nicht auf, verliert nicht die Hoffnung!", rief er den jungen Menschen beim Mittagsgebet am Sonntag (Ortszeit) auf dem zentralen Platz vor der Kathedrale in Lima zu. Der Weg der Seligpreisungen sei "keineswegs einfach, aber spannend", so der Papst. Die Jugendlichen bräuchten ihn aber nicht allein gehen, sondern in Gruppen, in denen jede sein Bestes gebe. Seine spontane Frage an die Jugend, ob sie bereit seien, beantworteten die Zuhörer mit lautem "Ja".

Jesus, so Franziskus weiter, sei nie von ihnen entmutigt. Für ihn sei der Perfektionismus der digitalen Welt unnötig. "Wir können nicht die anderen, die Wirklichkeit noch uns selbst mit Photoshop bearbeiten", so Franziskus. "Farbfilter und High Definition funktionieren nur bei Videos gut, aber wir können sie niemals auf Freunde anwenden." Das Herz könne man nicht digital bearbeiten, denn dort spielten wahre Liebe und wahres Glück ab.

"Jesus möchte nicht, dass du dein Herz 'schminkst'", ermutigte Franziskus die Jugendlichen, "er liebt dich, wie du bist, und hat einen Traum, der mit jedem von euch verwirklicht werden kann." Dazu brauche man sich nur die Helden der Bibel anschauen: Mose stotterte, Abraham war sehr alt, Jeremia sehr jung, Zachäus klein, die Jünger schliefen und Petrus habe Jesus verleugnet. "Wenn Jesus uns ansieht, fragt er nicht, wie perfekt wir sind, sondern er denkt an all die Liebe, die wir im Herzen haben, um sie anderen zu schenken und ihnen zu dienen", so der Papst.

17:38 - Papst fordert Wagemut von Bischöfen

Am letzten Tag seiner Perureise hat Papst Franziskus die Bischöfe des Landes aufgefordert, sich beständig neuer Herausforderungen anzunehmen. In seiner Ansprache am Sonntagvormittag (Ortszeit) am Sitz des Erzbischofs von Lima stellte er ihnen den heiligen Toribio von Mogrovejo (1538-1606) als Vorbild eines "Straßenbischofs" vor. Immer wieder habe dieser selbst reißende Flüsse überquert, um "andere Ufer zu erreichen": in entlegenen Regionen, bei fremden Kulturen, im Einsatz für Gerechtigkeit und die Einheit unter den Menschen.

Von den 22 Jahren im Bischofsamt habe Toribio 18 Jahre außerhalb seiner Stadt verbracht, "um die Entfernten und Verstreuten zu suchen", so Franziskus. So wie er Katechismen in den einheimischen Sprachen Aymara und Quechua erstellt habe, müssten heutige Bischöfe die Sprachen und die Kultur von heute kennen, um die christliche Botschaft verständlich zu machen. Auch habe Toribio Ungerechtigkeiten gegen Indigene angeprangert und sich dabei selbst mit dem Vizekönig angelegt. Bischöfe, die ihr Amt prophetisch ausübten, dürften sich nicht scheuen, Missbräuche und Exzesse anzuprangern. Nächstenliebe müsse immer von Gerechtigkeit begleitet sein. Zudem sollten die Bischöfe für eine gute Ausbildung und Begleitung ihrer Priester sorgen und sich um sie kümmern.

Toribio von Mogrovejo, geboren in Spanien, war zweiter Erzbischof von Lima. Er gilt als kulturell sensibler Missionar, Verteidiger der Indigenen und wurde 1983 von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Patron der lateinamerikanischen Bischöfe ernannt.

Vor dem Treffen mit den Bischöfen des Landes hatte Franziskus die benachbarte Kathedrale der Hauptstadt besucht. In einem Gebet mit rund 2.500 versammelten Gläubigen gedachte er dort der vielen Missionare und Heiligen, die das Land hervorgebracht habe, und bat um Beistand für die Zukunft der Kirche in Peru. In der Kathedrale werden die Reliquien etlicher peruanischer Heiliger aufbewahrt. Dazu zählen neben Toribio von Mogrovejo die Ordensfrau und Krankenpflegerin Rosa von Lima (1586-1617) oder Martin von Porres (1579-1639), Sohn eines Spaniers und einer afrikanischen Sklavin, der als Ordensmann, Asket und Heiler großes Ansehen genoss.



16:45 - Papst an Ordensfrauen: Die Kirche braucht euch

Bei einem Morgengebet mit Ordensfrauen in Lima hat Papst Franziskus die Schwestern aufgefordert, mit ihrem Gebet anderen Menschen "in ihrem Leiden zur Seite zu stehen". Damit träten sie ein für "Gefangene, Migranten, Flüchtlinge und Verfolgte, verwundete Familien, Arbeitslose, Arme, Kranke und Suchtopfer", so der Papst am Sonntagmorgen (Ortszeit) in der Wallfahrtskirche des "Senor de los Milagros" (Herr der Wunder). "Durch euer Gebet tragt ihr Tag und Nacht das Leben vieler Brüder und Schwestern vor den Herrn, die aus verschiedenen Gründen nicht zu ihm gelangen", fuhr Franziskus in seiner Ansprache an rund 500 Ordensfrauen fort. Damit werde die Klausur, in der sie leben, nicht eng, sondern weit.

Papst bittet Nonnen um Gebet

Erneut warnte der Papst vor Geschwätz, das eine Gemeinschaft zerstören könne und Lebensfreude raube. "Wisst Ihr, was eine tratschende Nonne ist? Eine Terroristin!", zitierte eine Journalistin den Papst. Geschwätz und Gerüchte würden in den Konventen Schaden anrichten wie eine Bombe. Eindringlich bat der Papst die Schwestern, für die Einheit der Kirche beten. "Die Kirche braucht euch", sagte er unter Beifall der Ordensfrauen. Sie sollten auch für Menschen beten, die anderen schaden und ihre Mitmenschen verraten. "Und wenn wir auf der Liste der Sünder weiter gehen: vergesst auch nicht, für mich zu beten."

In der Kirche "Senor de los Milagros", einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Perus, wird ein Bildnis des gekreuzigten Christus aus dem 17. Jahrhundert verehrt. Es ist auf eine Wand gemalt, die als eine von wenigen Mauern mehrere schwere Erdbeben überstand. Daraufhin - und wegen vieler erfahrener Heilungen nach Gebeten - erhielt die Darstellung den Namen "Herr der Wunder" und wurde zum Schutzpatron Perus. Heute ist das Bild über dem Altar der Wallfahrtskirche zu sehen. Zum Festtag des "Senor de los Milagros" am 18. Oktober gibt es jährlich eine der bedeutendsten Prozessionen Perus. Dabei wird auf einer 2.000 Kilogramm schweren, aus Mahagoniholz gefertigten Tragbahre ein Abbild des Schwarzen Christus durch die Straßen getragen.

Das Morgengebet war der erste Programmpunkt am letzten Tag der Perureise des Papstes. Um daran teilnehmen zu können, hatten knapp 160 Ordensfrauen auf dem Fußboden der Kirche geschlafen. Im weiteren Verlauf des Tages folgen unter anderem ein Gebet in der Kathedrale der Hauptstadt, ein Treffen mit Bischöfen sowie ein Abschlussgottesdienst auf einem Flugplatz nahe Lima. Für den frühen Abend (Ortszeit) ist der Rückflug nach Rom vorgesehen. (kim/KNA)

Maria, Demut und Volksfrömmigkeit - Tag 2 in Peru

Zu Beginn seines zweiten Tages in Peru feierte Papst Franziskus den bislang größten Gottesdienst seiner Reise. Die aktuellsten Nachrichten zur Papstreise lesen Sie hier in unserem Ticker.