Der Teufel steckt im Detail
Wie Satan nach Oklahoma kam, um für die Gleichberechtigung zu kämpfen

Der Teufel steckt im Detail

Stürzte der Teufel als "Drache" aus dem Himmel (Offb 12,9) oder entstieg er als "Tier" dem Meer (Offb 13,1)? Woher er gekommen ist, darüber kann man streiten. Die Frage, wohin er geht, scheint dagegen bald beantwortet. Nämlich in das US-amerikanischen Oklahoma City. Doch auch wenn es dort im Sommer schon ziemlich – wenn auch nicht "höllisch" – heiß wird, ist das nicht der Grund, warum er sich das nette Städtchen ausgesucht hat.

Bonn - 09.01.2014

Das war vielmehr die Idee der Organisation "The Satanic Temple", wie die "Los Angeles Times" am Mittwoch berichtete. Die selbsternannten Satanisten möchten eine Teufels-Statue vor dem Parlamentsgebäude von Oklahoma aufstellen – mit allem was dazu gehört: Widderkopf, Hörner, langer Bart und Flügel. Er soll auf einem Thron sitzen, umringt von zwei selig lächelnden Kindern, schreibt die Zeitung. Der Gedanke hinter dem Vorhaben ist einleuchtend. Kommen Sie selbst drauf? Er lautet "Gleichberechtigung". Denn auf dem Platz vor dem Gebäude hängt bereits eine Tafel mit den Zehn Geboten.

Was früher mit einem nachsichtigen Lächeln als pubertierender Spaß abgetan worden wäre und lediglich eine Überweisung zum Arzt des Vertrauens zur Folge gehabt hätte, liegt heute als Antrag bei den örtlichen Behörden. Ein Sprecher der Gruppe bezeichnete die Statue als "Hommage an Satan". Menschen jeden Alters könnten "zur Inspiration und Einkehr" auf seinem Schoß sitzen. Mit Verlaub: Einen sitzen hatten wohl eher die Männer und Frauen, als sie den Entwurf für die zwei Meter hohe Statue zeichneten.

Den Ball der Kritik einmal zurückspielen

Was einem aber wirklich die Tränen in die Augen treiben kann, ist nicht nur, dass Satan hier anscheinend für die Gleichberechtigung kämpft, sondern, dass "The Satanic Temple" innerhalb eines Monats rund 16.000 Euro an Spenden für die Finanzierung der Statue gesammelt hat. Als Mitarbeiter der katholischen Kirche ist es deshalb besonders befreiend, den Ball der Kritik einmal mit folgenden Worten zurückzuspielen: "Das Geld hätte man auch sinnvoller investieren können."

Aber auch eine Statue kann sinnvoll sein. Sie symbolisiert etwas. In diesem Fall aber etwas anderes, als die Gruppe eigentlich beabsichtigt hat. Es geht nicht um Religionsfreiheit, wie der Sprecher behauptet, sondern um ein Grundproblem unserer westlichen, aufgeklärten und zivilisierten Welt: um eine – nicht immer nur religiös geprägte – Anti-Haltung.

Das Ziel ist es nicht mehr, für eigene Ideale einzutreten, sondern die der Anderen zu entwerten. Um beim Beispiel der Kirche zu bleiben: Da gibt es den Kampf gegen den Religionsunterricht , gegen das kirchliche Arbeitsrecht oder gegen das Kreuz im Gerichtssaal . Fällt Ihnen etwas auf? Der Teufel steckt eben im Detail und sitzt nicht nur vor dem Parlamentsgebäude in Oklahoma.

Von Björn Odendahl