Der "Tigerstaat" der Kirche
Südkorea - eine katholische Erfolgsgeschichte

Der "Tigerstaat" der Kirche

Der 6. Asiatische Jugendtag ist offizieller Anlass für die am Mittwoch beginnende Südkorea-Reise des Papstes. Mit seinen rund 6.000 Teilnehmern hält sich das Treffen freilich in einem überschaubaren Rahmen - vergleicht man es mit dem Millionenpublikum der Weltjugendtage, aus denen heraus es Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde. Aber Franziskus dürfte bei der Wahl des ersten päpstlichen Reiseziels in Fernost seit 25 Jahren noch weitere Aspekte im Blick haben.

Vatikanstadt - 08.10.2014

Darunter etwa die politische Situation des geteilten Landes , das zudem an der geografischen Nahtstelle politischer Blöcke und Kulturen liegt. Und sicher auch die Erfolgsgeschichte einer Ortskirche, die mit ihrer Dynamik und ihrem Image dem Trend anderer Länder entgegenläuft.

Die katholische Kirche besteht in Korea erst seit 230 Jahren. In ihren ersten hundert Jahren war sie schweren Verfolgungen ausgesetzt und verzeichnete rund 10.000 Märtyrer. Denn die Christen standen in Opposition zur vorherrschenden Kultur, lehnten die Ahnenverehrung und die Verehrung des Konfuzius ab und galten für die Joseon-Dynastie als "gefährliche Religion" - und somit als Staatsfeinde. Diese Märtyrer will der Papst nun mit seiner Reise ehren, indem er in Seoul 124 von ihnen seligspricht, und zwar Opfer aus der Gründergeneration zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bereits Johannes Paul II. hatte bei seiner ersten Koreareise 1984 - zu den 200-Jahrfeiern der Kirche - 103 Märtyrer heiliggesprochen, die aus einer späteren Verfolgungswelle stammten.