Ministranten Weihrauch
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Pilgergruppen kommen zur Ministrantenwallfahrt in die Ewige Stadt an

Deutsche Ministranten erobern die Kirchen Roms

Die Ministrantenwallfahrt in Rom hat begonnen - zumindest für einen großen Teil der Jugendlichen. Während sie sich schon in die Erkundung der Ewigen Stadt stürzen, sind andere noch unterwegs.

Von Agathe Lukassek |  Rom - 30.07.2018

Das alte Rom wirkt in diesen Tagen ganz jung – seit Sonntagmittag prägen jugendliche Pilger das Stadtbild. Mehr als 60.000 Ministranten aus aller Welt sind am Wochenende in der Ewigen Stadt angekommen. Die meisten von ihnen stammen aus Deutschland – über 50.000 aus 26 deutschen Diözesen; das Erzbistum Köln veranstaltet im Herbst eine eigene Wallfahrt. Alle vier Jahre veranstaltet der Internationale Ministrantenbund "Coetus Internationalis Ministrantium" (CIM) das Großevent, das die Altardiener ins Zentrum der katholischen Kirche führt.

Zum mittäglichen Angelus-Gebet des Papstes am Sonntag versammeln sich zunächst nur vereinzelte Gruppen am Vatikan. Aber schon wenige Stunden später strömen junge Menschen in der ganzen Stadt zu den bedeutendsten Kirchen Roms, wo die Bistümer ihre großen Eröffnungsgottesdienste feiern. In die Marienkirche im beliebten Ausgehviertel Trastevere versammeln sich die "Minis" aus den Bistümern Aachen und Essen, in Sankt Paul vor den Mauern feiern die Freiburger – mit 8.500 Teilnehmern die größte diözesane Gruppe der Wallfahrt überhaupt.

Ministrieren in der "Mutter aller Kirchen"

Am Lateran hingegen dominieren weiß-blaue Flaggen. Hier feiert die Erzdiözese München und Freising den Eröffnungsgottesdienst. Während 5.500 Mädchen und Jungen die Gepäckkontrollen passieren und in die Kirche strömen, erklärt ein Priester einer Handvoll jungen Männern die lateinische Innschrift an der Fassade der Papstbasilika: "Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput" – das Gotteshaus sei "Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises". Das ist eine Ansage, die einschüchternd wirken kann. Etwa auf die 30 Jugendlichen, die bei der Messe ministrieren werden, wie den gerade erst 14 Jahre alt gewordenen Sebastian Jaud. Am Vormittag war er mit seiner Gruppe aus dem Pfarrverband Gaißach in Oberbayern in Rom angekommen.

Ministranten im Interview
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Sebastian Jaud (14) und Sarah Hoyer (15) aus dem Pfarrverband Gaißach in Oberbayern durften in der Lateranbasilika ministrieren.

Nun steht Sebastian mit von der Hitze geröteten Wangen in einem länglichen Gang vor der Sakristei der Kathedrale des Erzbistums Rom und muss zugeben: "Ja, ich bin scho a weng aufgeregt!" Auch beim 19-jährigen Johannes Buchberger steigt 20 Minuten vor dem Gottesdienst die Nervosität. Der Mechatronik-Student aus Deggendorf war zwar schon vor vier Jahren zur Mini-Wallfahrt in Rom. Heute aber darf er in der vollen Basilika 30 Ministranten und 35 Klerikern mit dem Weihrauchfass voran gehen. Nur eine zeigt sich unbesorgt: die 15-jährige Sarah Hoyer aus Sebastians Gruppe. "Man macht das ja schon länger und ist es gewohnt, bei großen Messen zu ministrieren." Für eine Probe im Lateran sei keine Zeit gewesen, nur ein kurzes Briefing gab es. "Wir gehen einfach raus und schauen, wie es wird", sagt sie.

Mit dem Weihrauch verfliegt die Nervosität

Als kurz vor dem Gottesdienst aus dem Rauchfass feinster Weihrauchduft aufsteigt, sieht auch Johannes Buchberger entspannter aus. Und natürlich geht in der Messe alles gut – auch für Weihbischof Wolfgang Bischof. Er hatte es nur recht knapp in den Gottesdienst geschafft. Am Samstag wurde wegen einer Sicherheitspanne der Münchner Flughafen weitgehend stillgelegt; auch Bischof konnte nicht wie geplant abfliegen. Er kam schließlich erst am Sonntagnachmittag in Rom an. Jetzt ist er da und der Stress der Anreise ist vergessen.

Beim Gottesdienst predigt er über das Gemeinschaftsgefühl der Minis. In ihrem gemeinsamen Dienst erlebten sie, dass sie nicht allein seien mit ihren Fragen und Sorgen sowie mit der Suche nach dem Frieden. "Andere Menschen sind da, sind bei mir - wer glaubt ist nicht allein", so der Weihbischof. Das Schöne am Ministrantendienst sei, dass "Jesus zu uns kommt, so wie damals zu seinen Freunden."

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Die Romwallfahrt ist eröffnet! Mehr als 5.000 Messdiener waren beim Gottesdienst des Erzbistums München und Freising dabei. Jugendseelsorger Richard Greul spricht über die Messe - und über eine römische Radtour mit dem Weihbischof.

Während sich die Münchner Ministranten am nächsten bereits in ihr Programm stürzen – Stadtrundgänge mit ihren Gruppen oder eine Fahrradfahrt am Tiberufer mit dem Weihbischof – sind andere gerade erst angekommen. Die 1.600 Mainzer Minis feiern am Montagmorgen ihren Eröffnungsgottesdienst in Santa Maria in Aracoeli – am Abend zuvor hatte Bischof Peter Kohlgraf sie begrüßte und Panini für alle ausgegeben.

Die Messdienerinnen und Messdiener aus dem Bistum Passau kommen sogar erst am Montagabend an – während ihr Bischof Stefan Oster, der zugleich Jugendbischof für ganz Deutschland ist, bereits in Rom unterwegs ist. Am Dienstag, wenn dann alle Minis der teilnehmenden Nationen in Rom angekommen sein werden, folgt das große Treffen – auf dem Petersplatz. Dort will sie Papst Franziskus empfangen. Für die Begegnung mit den in der Kirche so engagierten Mädchen und Jungen will er sich zwei Stunden Zeit nehmen.

Von Agathe Lukassek