Deutsches Pfarreizeltlager in Frankreich überschwemmt
Kinder in Sicherheit, ein Betreuer vermisst

Deutsches Pfarreizeltlager in Frankreich überschwemmt

Wochenlang war es in Frankreich sonnig, dann kam der Starkregen. Ein Zeltlager einer Pfarrei aus Leverkusen wurde komplett zerstört. Den Kindern geht es gut, doch ein Betreuer wird noch vermisst.

Nîmes - 10.08.2018

In Südfrankreich wurde am Donnerstag ein Zeltlager einer Leverkusener Pfarrei (Erzbistum Köln) überflutet und völlig zerstört, wie die Lagerleitung auf Facebook berichtet. Die 120 Kinder, Jugendlichen und Betreuer wurden in einer Mehrzweckhalle untergebracht, ein Betreuer wird noch vermisst. Drei Kinder und fünf Betreuer mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bereits am Abend des Unwetters wurden Sachspenden, vor allem Isomatten und Schlafsäcke, in Leverkusen gesammelt, die derzeit von Ehrenamtlichen nach Frankreich gebracht werden. Das französische Rote Kreuz hat die Gruppe mit Verpflegung, Kleidung, Feldbetten und Decken versorgt. Am Freitagabend werden die Kinder mit Bussen zurück nach Leverkusen gebracht.

Der Sachschaden ist derzeit noch nicht abzuschätzen. Zelte und Material wurden zerstört. "Wir stehen am Anfang und wissen nicht wirklich, was auf uns zukommt", heißt es auf der Facebook-Seite des Zeltlagers. Der Trägerverein "Jugendförderung St. Antonius" hat eine Bankverbindung für Spenden angegeben.

Gegen den Vorsitzenden des Trägervereins des Zeltlagers und seinen Stellvertreter wird ermittelt. Während die französische Nachrichtenagentur afp von einer Festnahme berichtet, seien die beiden nach Informationen des WDR lediglich vorgeladen worden. Ihnen werden fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung von Menschenleben, Schwarzarbeit und das Betreiben eines Zeltplatzes ohne Genehmigung vorgeworfen. Der Lagerplatz sei ohne Genehmigung auf einem Privatgelände errichtet worden, teilte die Verwaltung des Départements mit. Die Nutzung als Zeltplatz widerspreche dem Raumentwicklungsplan, der das Gebiet als Überschwemmungsgebiet ausweise. Im Vorfeld der Überflutung habe der Bürgermeister die Lagerleitung rechtzeitig über die Gefahr informiert. Der Zeltplatz gehört seit 2006 dem Trägerverein des Zeltlagers; seit 2017 gibt es einen Rechtsstreit mit der Gemeinde Saint-Julien-de-Peyrolas, auf deren Gemarkung das Gelände liegt.

In der Region im Département Gard kam es am Mittwoch zu heftigen Regenfällen, die die Flüsse Cèze und Ardèche anschwellen ließen. Mehrere Campingplätze mussten geräumt werden. Mehrere Hundert Rettungskräfte und vier Hubschrauber waren laut französischer Medienberichte im Einsatz. Weite Teile des Südens und des Ostens von Frankreich waren von dem Unwetter betroffen. (fxn)

Ergänzt am 10. 8. 2018 um 14.15 Uhr um Festnahme der Verantwortlichen, um 14.30 Uhr um weitere Informationen des WDR.