Ein Gynäkologenstuhl in einer Zagreber Klinik.
Tim wurde 21 Jahre alt

Die eigene Abtreibung überlebt: "Oldenburger Baby" gestorben

1997 sorgte sein Fall für Aufsehen: Tim war in der 25. Schwangerschaftswoche nach einer Down-Syndrom-Diagnose abgetrieben worden – und hatte überlebt. Jetzt starb der als "Oldenburger Baby" bekannt gewordene Mann im Alter von 21 Jahren.

Osnabrück - 08.01.2019

Der als "Oldenburger Baby" bekannt gewordene Tim ist tot. Er starb bereits am 4. Januar im Alter von 21 Jahren, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) unter Berufung auf den Pflegevater berichtete. Die Geburt Tims hatte 1997 überregional für Aufsehen gesorgt. Er war in der 25. Schwangerschaftswoche nach einer Down-Syndrom-Diagnose abgetrieben worden und hatte überlebt.

Tim blieb danach neun Stunden ohne medizinische Versorgung. Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Enquete-Kommission "Ethik und Recht der modernen Medizin", Hubert Hüppe, hatte den behandelnden Arzt angezeigt. Die Staatsanwaltschaftschaft stellte das Verfahren ein. In den Folgejahren nahmen Menschenrechtler und insbesondere Gegner von Spätabtreibungen wie die "Stiftung Ja zum Leben" und die "Aktion Lebensrecht für Alle" die Geburtstage Tims zum Anlass für Demonstrationen. In Medien wurde Tim oft porträtiert.

"Lang anhaltende gesundheitliche Probleme"

Tim kam zu einer Pflegefamilie, da die leiblichen Eltern sich nicht um ihn kümmern konnten. Als Ursache für Tims Tod gab sein Pflegevater gegenüber der Zeitung jetzt "lang anhaltende gesundheitliche Probleme" an. Die "Stiftung Ja zum Leben" teilte mit, Tim habe noch ohne Vorzeichen auf seinen baldigen Tod Weihnachten und Silvester mit der Familie gefeiert. "Wir sind sehr traurig und wissen noch nicht, wie wir den Verlust unseres einzigartigen, lebensfrohen und Freude verbreitenden Sohns verkraften sollen", zitiert die Stiftung die Pflegeltern. Die hatten über ihre Erfahrungen in einem Buch von Kathrin Schadt "Tim lebt!" (2015) berichtet.

Der Schwangerschaftsabbruch wird in Deutschland laut Strafgesetzbuch mit Freiheitsstrafe bedroht. Es gelten aber Ausnahmen. So kann eine Schwangere innerhalb der ersten zwölf Wochen nach der Befruchtung straffrei abtreiben, wenn sie an einer Schwangerschaftskonfliktberatung teilgenommen und eine dreitägige Bedenkfrist eingehalten hat. Über diese Frist hinaus bleibt eine Abreibung straffrei, wenn eine Gefahr für das Leben oder die körperliche oder seelische Gesundheit der Schwangeren besteht, welche nur durch einen Schwangerschaftsabbruch abgewendet werden kann. (KNA)