Evangelischen Kirchentag
Der zweite Tag des Evangelischen Kirchentag

Die existenziellen Themen

Aufrufe zu mehr Engagement sowie Forderungen nach mehr Gerechtigkeit und Solidarität haben die Bibelarbeiten, Gottesdienste und Podiumsdiskussionen am zweiten Tag des Evangelischen Kirchentags in Hamburg geprägt. Das bis Sonntag dauernde Christentreffen steht unter dem Leitwort "Soviel du brauchst".

Hamburg - 02.05.2013

Nach Angaben von Kirchentagsorganisator Constantin Knall sind in Hamburg mittlerweile 117.000 Dauerteilnehmende registriert.

Bundespräsident Joachim Gauck beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg.

Bundespräsident Joachim Gauck beim Evangelischen Kirchentag in Hamburg.

Gauck: Inklusion stärken

Bundespräsident Joachim Gauck plädierte bei einem Podium für eine Stärkung inklusiver Schulen in Deutschland. Menschen mit Behinderung müssten sich "unter uns wohlfühlen" können. Deswegen müsse etwa die Inklusion gemeinsam mit ihnen entwickelt werden.

Kontrovers diskutiert wurde bei einem anderen Podium die vorgeburtliche Diagnostik mit Blick auf das Lebensrecht Behinderter. Die Methoden sind auch innerhalb des Deutschen Ethikrats umstritten: Während der Psychotherapeut Michael Wunder mehr unabhängige Beratung schwangerer Frauen forderte und davon sprach, dass sich viele Behinderte heute durch die neuen Testmethoden regelrecht bedroht fühlten, nannte der Hamburger Strafrechtler und Rechtsphilosoph Reinhard Merkel die Redeweise von "Behinderung" im Blick auf Embryonen "verfehlt" und die vorgeburtliche Diagnostik segensreich.

Zollitsch: Noch nie so viele Christen verfolgt wie heute

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, mahnte bei einer Bibelarbeit zur Solidarität mit verfolgten Christen weltweit. Noch nie zuvor in der Geschichte seien so viele Christen bedrängt und verfolgt worden wie in der Gegenwart, betonte der Freiburger Erzbischof. Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, wandte sich gegen "Fatalismus" angesichts aussichtslos erscheinender globaler Fehlentwicklungen. Für Christen kämen die Kapitulation vor der Angst und die Preisgabe der Hoffnung nicht in Frage, so der frühere Berliner Bischof. Die Kirchen könnten bei der Bekämpfung der gegenwärtigen Krisen "vorangehen". Zwar verfügten sie nicht über Milliarden, so Huber, aber über die "Gabe des unverschämten Drängens".

Ökumene ist ein Thema

Beim zentralen ökumenischen Gottesdienst stellten der leitende Bischof der evangelischen Nordkirche, Gerhard Ulrich, der katholische Hamburger Erzbischof Werner Thissen, die evangelisch-methodistische Bischöfin Rosemarie Wenner und der griechisch-orthodoxe Erzpriester Radu Constantin Miron das gemeinsame Bekenntnis der Christen hinter den verschiedenen konfessionell geprägten Formulierungen in den Mittelpunkt. "Je näher wir Christus sind, desto näher kommen wir einander", betonte Ulrich.

Papphocker mit den Logos des Evangelischen Kirchentages in Hamburg 2013.

Papphocker mit den Logos des Evangelischen Kirchentages in Hamburg 2013.

Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs erklärte bei einer Veranstaltung zum Thema sexualisierte Gewalt, meist reagierten betroffene Institutionen reflexhaft mit der Annahme, solche Taten könnten bei ihnen nicht geschehen. Mit diesen Reaktionsmustern sollten sie sich jedoch auseinandersetzen. "Nur so fühlen sich Betroffene ermutigt, sich zu trauen, die sexuelle Gewalt, die ihnen angetan wurde, öffentlich zu machen", sagte Fehrs.

Merkel kommt am Freitag

Am Freitag werden unter anderen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (beide CDU), SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, sein Parteikollege Frank-Walter Steinmeier, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, beim Kirchentag erwartet. (KNA)

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