Heiligenstatuen in einem Geschäft
Viele Biografien laden zum Schmunzeln ein

Die Heiligen – Ein skurriles Sammelsurium

Anfang November rückt in der Kirche besonders das Gedächtnis der Heiligen in den Mittelpunkt. Neben den bekannten und beliebten Volksheiligen birgt der Heiligenkalender auch etliche skurrile und seltsame Gestalten. Katholisch.de wirft einen Blick auf ihr Leben und ihr nicht minder interessantes Sterben.

Von Fabian Brand |  Bonn - 01.11.2018

An Allerheiligen gedenkt man in der Kirche all jener Menschen, die seit über zweitausend Jahren in den Heiligenkalender aufgenommen wurden. Es ist eine ungeheure Anzahl von unterschiedlichen Personen, die seit Jahrhunderten als Heilige verehrt werden. Nicht alle haben dabei ein tugendvolles Leben geführt, wie man das von einem Heiligen erwarten könnte. In vielen Heiligenbiographien findet sich auch allzu menschliches, das die Heiligen von ihrem Sockel herabhebt und für so viele Gläubige äußerst sympathisch macht.

Im Laufe der Kirchengeschichte ist durch die vielen Heiligsprechungen ein teilweise sehr skurriles Sammelsurium entstanden. Nicht nur die Namen mancher Heiliger wirken heute befremdlich, auch die Umstände ihres Todes lassen einen mitunter sehr erstaunt zurück. Ein Blick in den Heiligenkalender lohnt sich – und man darf dabei ruhig schmunzeln.

Nomen est omen?

Wer nach einem wirklich außergewöhnlichen Namen für sein Kind sucht, der sollte im Heiligenkalender nachschlagen. Die heilige Attracta, die um das 5. Jahrhundert in Irland lebte, kann ebenso als Namenspatronin herhalten, wie die heilige Veneranda, die als Glaubensbotin im Frankreich des 1. Jahrhunderts wirkte. Ob auch bei den Seligen der lateinische Ausspruch "Nomen est omen" Gültigkeit besitzt? Beim seligen Gamelbert, einem Geistlichen, der im 8. Jahrhundert das Kloster Metten gründete, muss das wohl offen bleiben. Die selige Maria Restituta Kafka allerdings soll ihren Ordensnamen tatsächlich aufgrund ihres standhaften Auftretens erhalten haben. Sie schloss sich dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten an und wurde 1943 vor dem Wiener Landesgericht zum Tod durch Enthauptung verurteilt. 1998 wurde sie von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Barbara bedeutet "die Fremde". Die Attribute der heiligen Barbara sind Schwert und Turm.

Manchmal birgt auch die Übersetzung eines Namens ins Deutsche so manche Überraschung. Dass der Beiname Petrus "der Fels" bedeutet, ist aus den Evangelien noch hinreichend bekannt. Den Namen Barbara, den die beliebte Heilige trägt, deren Gedenktag am 04. Dezember begangen wird, kann man als "die Fremde" übersetzen. Und Ambrosius, Bischof von Mailand, besitzt einen Vornamen, der von der griechischen Götterspeise Ambrosia abgeleitet ist. Angeblich befand sich der Vater des heiligen Ordensgründers aus Assisi während der Geburt seines Sohnes auf einer Handelsreise in Frankreich. Deshalb erhielt der eigentlich auf den Namen Johannes getaufte Sohn den Rufnamen "Franziskus", was so viel bedeutet wie "kleiner Franzose" oder "Französchen".

Manche Heilige sind auch gar nicht unter ihrem bürgerlichen Namen bekannt, sondern nur mit ihrem Ordensnamen oder unter einem Beinamen. Der berühmte italienische Heilige Pater Pio hieß beispielsweise mit bürgerlichem Namen Francesco Forgione. Johannes Maria Vianney wird häufig nur als Pfarrer von Ars bezeichnet, der er von 1818 bis zu seinem Tod im Jahr 1859 war. Und der Gründer der Barmherzigen Brüder, der heilige Johannes von Gott, wurde als João Ciudad Duarte im portugiesischen Montemor-o-Novo geboren.

Werdet wie die Kinder!

Nicht alle Heiligen führten ein für unsere Begriffe heiligmäßiges Leben. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe von Heiligen, die sich zu Lebzeiten wahrscheinlich nie hätten träumen lassen, einmal zur Ehre der Altäre erhoben zu werden. Zu ihnen zählt wohl auch Philipp Neri, der in der Zeit der Gegenreformation das Oratorium gründete. Sich selbst nahm Philipp Neri oft nicht allzu ernst und auch der Umgang mit seinen Mitmenschen war immer mit einer Prise Humor gewürzt. Manchem Papst war der "lachende Heilige" zu Lebzeiten deshalb suspekt und vielleicht war das auch der Grund, warum Philipp Neri schließlich den Kardinalshut, der ihm angetragen wurde, ausschlug. Mit seinem Lebensmotto "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" hatte auch Johannes Bosco eigentlich keine guten Karten für eine Heiligsprechung. In beiden Fällen zeigt sich jedenfalls, dass die Verkündigung des Evangeliums auch mit Humor und Freude verbunden sein sollte und das seinen Wert nicht schmälert.

Bild: © katholisch.de

Ein Teppich mit den Eltern der Heiligen Therese von Lisieux, Louis und Zélie Martin, hängt an der Fassade des Petersdoms. Papst Franziskus sprach sie 2015 heilig.

Am 18. Oktober 2015 hat Papst Franziskus das Ehepaar Zélie und Louis Martin heiliggesprochen. Das Ehepaar dürfte den Meisten weitgehend unbekannt sein, weitaus größere Verehrung erfährt hingegen ihre Tochter: die heilige Thérèse von Lisieux. Aufgrund ihres beispielhaften christlichen Lebens nahm Papst Franziskus auch ihre Eltern im Rahmen der Familiensynode 2015 ins Verzeichnis der Heiligen auf.

Die ersten heiliggesprochenen Kinder waren übrigens die Seherkinder von Fatima. Papst Franziskus erhob Jacinta und Francisco Marto bei einem Pastoralbesuch im portugiesischen Wallfahrtsort zur Ehre der Altäre. Beide waren zusammen mit ihrer Cousine Lúcia das Santos Zeugen der Marienerscheinungen. Obwohl die beiden Kinder schon in jungen Jahren kurz nach den Erscheinungen verstorben sind, wurden sie als Heilige verehrt. Papst Franziskus sieht in ihnen Vorbilder für alle Gläubigen, da die Jungfrau Maria "sie in das unermessliche Meer des Lichtes Gottes eintreten (ließ) und sie so zur Anbetung Gottes führte".

Auch die bedeutenden Heiligen der Kirche haben einmal klein angefangen: Augustinus fand die Bibellektüre in Jugendjahren enttäuschend, Ignatius von Loyola kämpfte im Militär, Niklaus von der Flüe verließ gar seine ganze Familie und Johannes vom Kreuz wurde von seinen Mitbrüdern im Ordensgefängnis eingekerkert.

Heiliges Leben – unheiliger Tod

Die Krimiindustrie ist äußerst produktiv, wenn es darum geht, immer neue Todesarten zu erfinden. Doch nirgends wird auf so vielfältige Art gestorben, wie in den zahlreichen Legenden, die sich um das Leben der Heiligen herum entwickelt haben. Der heilige Vitus zum Beispiel, der als einer der vierzehn Nothelfer verehrt wird, starb, als er in siedendes Öl getaucht wurde. Sein Ende auf einem glühenden Gitterrost fand der heilige Laurentius, dessen Attribut auf seinen grausamen Tod verweist. Von ebenso ungewöhnlichen Umständen ist der Tod des heiligen Kassian von Imola begleitet. Der Legende nach unterrichtete der Heilige an einer Schule in Imola. Weil er während des Unterrichts immer wieder seinen christlichen Glauben bekannte, griffen seine Schüler zu drastischen Mitteln: Mit eisernen Griffeln wurde er zu Tode gemartert. Dass er heute auch als Patron der Erzieher und Stenographen verehrt wird, ist wohl Ironie der Geschichte.

Das Andreaskreuz besteht aus zwei schräggestellten Balken. Der Apostel Andreas soll an seinem solchen Kreuz seinen Märtyrertod erlitten haben.

Bis heute wird der heilige Erasmus von Antiochia häufig mit einer Kurbel in Händen dargestellt. Dies sagt nichts über das Leben des Bischofs aus, der im 3. Jahrhundert in Antiochien lebte. Sie verweist auf seinen grausamen Tod: Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian soll man Erasmus die Eingeweide mit einer Kurbel aus dem Leib gezogen haben. Auch hier hat man bei der Auswahl seiner Patronate viel schwarzen Humor bewiesen. Wird er doch von Seilern und Drechslern verehrt, und ebenso bei Magenkrankheiten und Koliken angerufen.

Eine äußerst häufige Todesart war übrigens die Kreuzigung. Das mag spirituelle Hintergründe haben: Es genügte nicht nur, dass Menschen wie Jesus Christus gewaltsam aufgrund ihres Glaubens ums Leben kamen. Als noch ehrenvoller wurde es angesehen, wenn man auch noch auf die gleiche Weise wie der Herr und Meister starb. Andererseits muss man zugeben, war die Kreuzigung einfach eine beliebte Hinrichtungsmethode bei den Römern, die erst um das Jahr 320 von Kaiser Konstantin verboten wurde. Petrus wurde der Überlieferung gemäß sogar kopfüber gekreuzigt. Und das X-förmige Kreuz, an dem der Apostel Andreas sein Leben lassen musste, ziert bis heute unsere Bahnübergänge. Mit dem Verbot der Kreuzigungspraxis durch den römischen Kaiser war aber leider noch lange nicht das Ende der grausamen Hinrichtung am Kreuz erreicht. Noch im Jahr 1597 wurden 26 Christen im japanischen Nagasaki auf Befehl des Feldherrn Toyotomi Hideyoshi gekreuzigt.

Es zeigt sich: So unterschiedlich das Leben der Heiligen war, so ungleich waren auch ihre Todesarten. Gerade in dieser Vielfalt der Heiligen zeigt sich, dass heiligmäßiges Leben nichts ist, was nur einigen wenigen vorbehalten wäre. Papst Franziskus hat das in seinem Schreiben "Gaudete et exsultate" auf den Punkt gebracht: "Um heilig zu sein, muss man nicht unbedingt Bischof, Priester, Ordensmann oder Ordensfrau sein. Oft sind wir versucht zu meinen, dass die Heiligkeit nur denen vorbehalten sei, die die Möglichkeit haben, sich von den gewöhnlichen Beschäftigungen fernzuhalten, um viel Zeit dem Gebet zu widmen. Es ist aber nicht so. Wir sind alle berufen, heilig zu sein, indem wir in der Liebe leben und im täglichen Tun unser persönliches Zeugnis ablegen, jeder an dem Platz, an dem er sich befindet."

Von Fabian Brand