Diözese Augsburg: Lange Tradition und neuer Aufbruch
Serie: Unsere Bistümer

Diözese Augsburg: Lange Tradition und neuer Aufbruch

Das Bistum Augsburg ist so alt, dass sich seine Anfänge gar nicht mehr rekonstruieren lassen. Obwohl nach wie vor katholisch geprägt, kämpft auch die Diözese im Südwesten Bayerns mit den Problemen der Zeit. Gerade deswegen wagt man in Augsburg einen neuen Aufbruch.

Von Matthias Altmann |  Bonn/Augsburg - 27.07.2019

Das Bistum Augsburg ist multilingual und multikulturell – zumindest auf Bayern bezogen. Denn das Einzugsgebiet der Diözese erstreckt sich über drei Regierungsbezirke mit unterschiedlichen Dialekten und Mentalitäten: Schwaben, Oberbayern und Mittelfranken. Von Nord nach Süd reicht es von Feuchtwangen bis nach Oberstdorf, von West nach Ost vom Bodensee bis an den Starnberger See. Mit 1,3 Millionen Katholiken ist Augsburg eines der mitgliederstärksten Bistümer Deutschlands. Und es ist eines der ältesten. So alt, dass sich seine Entstehungsgeschichte nicht bis zu ihren Anfängen rekonstruieren lässt.

Augusta Vindelicum, wie die heutige Bischofsstadt an den Flüssen Wertach und Lech in der Römerzeit hieß, war die Hauptstadt der römischen Provinz Raetia secunda. Auf den gut ausgebauten Wegen des Imperiums kamen auch einige Christen in die Stadt. Ihre Bedeutung als Provinzhauptstadt legt die Vermutung nahe, dass sie bereits in spätrömischer Zeit auch Bischofssitz war. Unter dem heutigen Dom wurden Ende des 1970er Jahre Fundamente aus dem vierten Jahrhundert ausgegraben, die möglicherweise auf eine frühchristliche Bischofskirche hinweisen. Allerdings lässt sich das bis heute nicht sicher nachweisen.

Altes Kunstwerk mit drei Menschen darauf
Bild: © KNA

Der heilige Ulrich, die heilige Afra und der heiliger Simpert (von links nach rechts) in einem Kunstwerk aus dem Jahr 1492. Die drei sind die Patrone des Bistums Augsburg.

Eine bekannte Geschichte hat die Anfangszeit der Kirche in Augsburg jedoch überlebt: die Legende der heiligen Afra. Sie soll 304 während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian das Martyrium erlitten haben – weil sie sich geweigert haben soll, dem christlichen Glauben abzuschwören. Gesicherte Fakten zu ihrem Leben gibt es allerdings kaum: Vieles beruht auf mündlicher Überlieferung und Ausschmückungen. Aus dem Jahr 565 gibt es Hinweise für einen bereits überregionalen Afra-Kult. Das gilt als Beweis, dass das Christentum am Übergang von der Spätantike zum Mittelalter zumindest in Augsburg nicht erloschen ist.

Historisch greifbar wird Augsburg als Bischofssitz erst im achten Jahrhundert. Der erste Bischof, dessen Existenz urkundlich belegt ist, ist Wikterp. Erwähnt wird er zum ersten Mal in einem Schreiben Papst Gregors III. an die deutschen Bischöfe. Wikterps Amtszeit dauerte von 732 bis 772. In seinem Auftrag missionierte Magnus, vermutlich ein Mönch aus Sankt Gallen, das obere Lechtal, weshalb dieser bis heute als "Apostel des Allgäus" bezeichnet wird.

Das Kerngebiet wird abgesteckt

Eine Figur, die das Bistum Augsburg nachhaltig geprägt hat, ist Wikterps Nach-Nachfolger Simpert, der von 778 bis 807 auf dem Bischofsstuhl saß. Er war ein enger Vertrauter Karls des Großen. Unter Simpert wurden die Grenzen des Bistums für die folgenden 1000 Jahre klar festgelegt. Abgesehen von geringfügigen späteren Verlusten handelt es sich um das Gebiet, das auch das heutige Bistum Augsburg umfasst. Die erste Augsburger Kathedrale an der heutigen Stelle, ein Mariendom, der als solcher erstmals 822 erwähnt wurde, wurde der Überlieferung nach unter Bischof Simpert erbaut. In seiner Amtszeit entstanden außerdem als Kulturzentren unter anderem die Benediktinerabteien Benediktbeuern, Wessobrunn, Ottobeuren und Kempten.

Über 100 Jahre nach Simpert betrat mit Ulrich ein Bischof die Bühne, der sich nicht nur um das Seelenheil seiner Untertanen bemühte, sondern auch um ihre Sicherheit. Als Reichsbischof war er sowohl geistlicher als auch weltlicher Herr seines Gebiets. Ulrich übernahm das Bistum Augsburg im Jahre 923. Untrennbar ist sein Name mit zwei Ereignissen aus dem Jahr 955 verbunden: Er rettete damals die Stadt Augsburg vor den sie belagernden Ungarn und sorgte der Legende nach dafür, dass die Truppen Kaiser Ottos I. siegreich aus der Schlacht auf dem Lechfeld hervorgingen. Ulrich galt als reformeifriger Oberhirte und war häufig in seiner Diözese unterwegs, um beispielsweise die Firmung zu spenden. Zweimal pro Jahr berief er den Klerus zu einer Synode nach Augsburg, um bischöfliche Verordnungen bekannt zu geben und die Priester auch liturgisch zu schulen. Bis zu seinem Tod 973 stand er 50 Jahre an der Spitze der Diözese.

Linktipp: Wenn Bistümer ihre Heiligen feiern

Die deutschen Diözesen sind stolz auf ihre Patrone – und feiern sie entsprechend. In einigen Bischofsstädten gibt es um den Gedenktag der Bistumsheiligen herum Festtage und Wallfahrtswochen. Katholisch.de hat einige Feierlichkeiten zusammengestellt.

Ulrich gilt als erster Heiliger, der nach einem Kanonisierungsprozess zur Ehre der Altäre erhoben wurde. Papst Johannes XV. soll das Ergebnis am 3. Februar 993 beurkundet haben. Doch der Wortlaut der Urkunde ist nur durch spätere Abschriften überliefert. Ulrich ist folgerichtig – neben Afra und Simpert – Patron des Bistums Augsburg. Seit 1955 wird ihm zu Ehren jedes Jahr Anfang Juli die "Ulrichswoche" gefeiert. Der Schrein des Heiligen, aufbewahrt in der in der Augsburger Basilika St. Ulrich und Afra, wird gehoben und "reist" für ein paar Tage an einen bestimmten Ort im Bistum. Gleichzeitig gibt es im Bistum viele Wallfahrten und Veranstaltungen.

Über 500 Jahre ging das Leben im Bistum Augsburg nahezu geräuschlos seinen Gang, ehe sich vor allem in den Städten die Ideen der Reformation ausbreiteten. In Augsburg wurde 1530 auf einem Reichstag die Spaltung zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche besiegelt. Im Bistumsgebiet gingen elf der zwölf Reichsstädte zur Lehre Martin Luthers über. In Augsburg wurde 1537 der katholische Gottesdienst verboten und die katholischen Priester und Ordensleute vertrieben. Erst nach dem Religionsfrieden von 1555, der ebenfalls in Augsburg geschlossen wurde, durften in den Reichsstädten wieder beide Konfessionen nebeneinander bestehen.

Canisius soll es richten

Um den Katholizismus in Augsburg wieder zu etablieren, holte der damalige Bischof Otto Truchseß von Waldburg einen der prominentesten Theologen seiner Zeit ins Bistum: Petrus Canisius. 1549 wurde er mit der Aufgabe betraut, in der damals bevorzugten bischöflichen Residenzstadt Dillingen eine Universität zu errichten, die ein Zentrum der Gegenreformation werden sollte. 1559 wurde Canisius Domprediger in Augsburg. Canisius soll zurückhaltend im Umgang mit den Reformatoren gewesen sein, die ihn nie von "Ketzern" oder Irrlehren sprechen hörten, sondern von "neuen Lehrern" und "neuen Lehren". Kirchliche Missstände prangerte er hingegen scharf und deutlich an. Gleichzeitig galt Canisius als ein Verfechter der Hexenverfolgung. In seinen Augsburger Predigten machte er angebliche Hexen für Unwetter und Missernten verantwortlich und warf ihnen unter anderem Kindesmord und Kannibalismus vor. Dies trug zu einem Stimmungsumschwung zugunsten der Verfolgungsbefürworter im zuvor eher weltoffenen Augsburg bei.

Nach der Säkularisation und der Zurückdrängung Napoleons aus Deutschland regelte das Bayerische Konkordat die kirchlichen Angelegenheiten neu. In seiner heutigen geographischen Form existiert das Bistum Augsburg seit 1821. Die Bistumsgrenzen wurden an die bayerischen Landesgrenzen angepasst, Augsburg wurde als Suffraganbistum dem Erzbistum München-Freising unterstellt. Diese Struktur ist bis heute gültig.

Der frühere Augsburger Bischof Walter Mixa nimmt an einer Veranstaltung der Deutschen Bischofskonferenz teil.
Bild: © KNA

Walter Mixa war von 2005 bis 2010 Bischof von Augsburg. Nach Prügel- und Missbrauchsvorwürfen trat er von seinem Amt zurück.

Neben Simpert und Ulrich drückten über die Jahrhunderte viele weitere Bischöfe dem Bistum Augsburg ihren Stempel auf. Doch immer noch häufig wird die Diözese mit dem Oberhirten in Verbindung gebracht, der von 2005 bis 2010 auf dem Bischofsstuhl saß und mit dem Ende seiner Amtszeit zweifelhaften Ruhm erlangte: Walter Mixa wurde mit Missbrauchs- und Prügelvorwürfen konfrontiert und musste auf öffentlichen Drück hin zurücktreten. Durch viele provokante Statements, die Mixa während seiner Zeit als Bischof abgab, taten sich im Bistum große Gräben zwischen Reformkräften und Konservativen auf. Diese sind an manchen Stellen nach wie vor sichtbar.

Auch wenn sich das Bistum Augsburg nach wie vor durch ein reges katholisches Vereinsleben auszeichnet und vielerorts, vor allem im Allgäu, noch volkskirchliche Elemente erkennbar sind, kämpft man auch im Südwesten Bayerns mit Priestermangel und Mitgliederschwund. Deshalb gibt es mit der "Raumplanung 2025" einen großangelegten Strukturprozess. Aktuell besteht die Diözese aus 23 Dekanaten mit 997 Pfarreien. Viele davon sind zu Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst, aktuell gibt es 215 davon. Doch bei der bloßen Verwaltung des Status quo soll es nicht bleiben: Das Bistum Augsburg wagt einen neuen Aufbruch. 2012 wurde auf Initiative von Bischof Konrad Zdarsa das Institut für Neuevangelisierung eingerichtet. Sein Hauptanliegen besteht darin, in den Pfarreien des Bistums Freude am Glauben und einen neuen missionarischen Eifer für die Botschaft Jesu zu wecken. Das Konzept des Institus besteht aus zwei Säulen: Bibelstudium und Anbetung.

Von Matthias Altmann