Bundesbildungsministerin Annette Schavan spricht am 30.01.2013 vor der Kabinettssitzung in Berlin mit Kanzleramtsminister Ronald Pofalla.
Ehemalige Bildungsministerin erhält Titel der Universität Lübeck

Diskussionen um Auszeichnung

Ihren wissenschaftlichen Doktortitel hat Annette Schavan endgültig abgeschrieben. Auf ihrer Internetseite erklärt die ehemalige Bundesbildungsministerin, dass sie auf Rechtsmittel gegen das Urteil des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts und damit auf den Doktorgrad verzichtet. Einen anderen Doktortitel darf sie dennoch führen, wenn auch mit dem Zusatz "h.c.".

Lübeck - 12.04.2014

Die Universität zu Lübeck verleiht Schavan die Ehrendoktorwürde - nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für Verdienste um die Universität. Für diese Entscheidung gab es nun viel Kritik und auch hämische Kommentare. Von einer Ohrfeige für das Gericht und die Universität Düsseldorf war die Rede. Die Düsseldorfer Uni hatte der CDU-Politikerin den Doktortitel bereits im Februar 2013 entzogen, das Düsseldorfer Verwaltungsgericht wies Schavans Klage dagegen vor drei Wochen ab. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sie in ihrer vor mehr als 30 Jahren eingereichten Doktorarbeit getäuscht hatte.

Die Ehrendoktorwürde der Universität Lübeck war Schavan allerdings bereits im Januar 2012 zuerkannt worden. Begründung: der Einsatz der Bundesforschungsministerin für die Rettung der Hochschule im Sommer 2010. Studierende, Professoren und Lübecker Bürger hatten damals gegen Pläne der Landesregierung gekämpft, die Medizinerausbildung zu streichen. Die Rettung kam in Gestalt von Schavan, die dem Land aus Bundesmitteln 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zusagte.

Bildungsministerin Annette Schavan (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) bei einer Pressekonferenz zu Schavans Rücktritt als Ministerin am 9. Februar 2013.

Bildungsministerin Annette Schavan (l.) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) bei einer Pressekonferenz zu Schavans Rücktritt als Ministerin am 9. Februar 2013.

AStA: "Nicht Schavan hat die Uni gerettet"

Der Partei- und Fraktionschef der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, sprach am Freitag von einer peinlichen Provinzposse. "Mit ihrer Intervention für die Lübecker Uni im Jahr 2010 hat Frau Schavan nichts anderes versucht, als der CDU in Schleswig-Holstein aus der Patsche zu helfen", sagte er. "Das ist gründlich schief gegangen. Mit Ehre hat das alles ganz gewiss nichts zu tun."

"Nicht Schavan hat die Uni gerettet, sondern die vielen Menschen, die damals auf die Straße gegangen sind und für den Erhalt protestiert haben", sagte die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), Maren Janotta.

Der AStA hatte schon Anfang der Woche gefordert, dass der Akademische Senat noch einmal über die Ehrung Schavans nachdenken sollte. "Wir halten es für hochproblematisch, dass sie den Ehrendoktortitel erhalten soll, obwohl das Gericht ihre Plagiate bestätigt hat. Eine solche Entscheidung steht im Widerspruch zu der Maxime der 'guten wissenschaftlichen Praxis', die im Studium vermittelt wird", sagte die AStA-Vorsitzende.

Bei der Senatssitzung am Mittwoch hatten die Studenten ihr Unbehagen noch einmal vorgetragen. Doch das Gremium, das 2013 nach der Aberkennung von Schavans Doktorgrad durch die Universität Düsseldorf noch einmal über die Ehrung diskutiert hatte, blieb bei der einstimmig gefassten Entscheidung: Annette Schavan wird neunter "Doktor h.c." der Universität zu Lübeck.

Von Eva-Maria Mester (dpa)

Von Honorarprofessur zurückgetreten

Die frühere Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ist von ihrer Honorarprofessur am Seminar für Katholische Theologie der Freien Universität Berlin (FU) zurückgetreten. In einem Brief mit Datum vom Mittwoch bat Schavan die FU, sie als Honorarprofessorin zu verabschieden. Dies bestätigte Schavans Büro auf Anfrage. "Die Freie Universität Berlin wird diesem Wunsch nachkommen", so ein Sprecher der Hochschule am Freitag. Schavan war seit 2009 am Seminar für Katholische Theologie Honorarprofessorin. (KNA)

Schavan soll Vatikan-Botschafterin werden

Annette Schavan ist seit längerem als Nachfolgerin des derzeitigen deutschen Botschafters im Vatikan, Reinhard Schweppe, im Gespräch. "Wir können bestätigen, dass es entsprechende Pläne gibt", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert bereits Anfang Februar. Ein Beschluss des Bundeskabinetts steht jedoch bis heute aus. Schweppe besetzt den Botschafterposten noch bis zum Sommer. (bod)