Ein Bauzaun und andere Absperrungen stehen vor der Kirche
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Doch keine Umgestaltung?

Der umstrittene Umbau der Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale ist wieder ungewiss. Nach dem Wechsel des früheren Erzbischofs Woelki nach Köln sei er "nicht sicher, ob der vorliegende Entwurf umgesetzt wird", sagte der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich.

Berlin - 07.12.2014

Woelki hatte das Sanierungsvorhaben nachdrücklich gefördert und dazu einen Architektenwettbewerb ausgelobt. Die Ernennung seines Nachfolgers wird in den kommenden Monaten erwartet.

Der vorliegende Entwurf für den Umbau der Kathedrale erhielt beim Architektenwettbewerb den ersten Platz und Woelkis Zustimmung. Er sieht eine grundlegende Neugestaltung des Innenraums vor. Umstritten ist vor allem der Plan, die zentrale Bodenöffnung mit Freitreppe zur Unterkirche wieder zu schließen. Sie wurde beim Wiederaufbau nach Bombenschäden des Zweiten Weltkriegs 1963 angelegt. Denkmalschützer sehen in dem Vorhaben die Zerstörung eines Baudenkmals.

Heinrich betonte, es gebe keine Diskussion darüber, dass die Kathedrale renovierungsbedürftig sei. Für den künftigen Berliner Erzbischof sei es jedoch "eine ganz schwierige Situation", weil bereits ein Umbauentwurf "auf dem Tisch liegt". Allein die Sanierung der Bischofskirche werde "schon teuer genug". Nach Angaben des Erzbistums liegen die Kosten im Millionenbereich, sind aber noch nicht genauer zu beziffern.

Kirchliche Großprojekte unter Beobachtung

In der Öffentlichkeit gebe es eine zunehmende Sensibilität mit Blick auf die Finanzierung kirchlicher Großprojekte, erklärte Heinrich. Als jüngstes Beispiel nannte er die Debatte über den Zuschuss der Stadt Leipzig in Höhe von einer Million Euro für den 100. Deutschen Katholikentag 2016 in der Messestadt. Mit Blick auf die Sanierung verwies Heinrich auf Hedwig von Schlesien (1174-1243), der die Kathedrale geweiht ist. Die für ihr soziales Engagement verehrte Heilige stehe "für eine bescheidene und arme Kirche".

Der Weihbischof würdigte zugleich die Initiativen Woelkis in dessen dreijähriger Berliner Amtszeit. Er habe "vieles angestoßen", etwa die Debatte um eine stärkere Präsenz der katholischen Kirche in der Bundeshauptstadt. Heinrich äußerte sich bei der Vorstellung des Buches "Kein Himmel über Berlin? Glauben in der Metropole" des Berliner Theologen Thomas Brose. (KNA)

Stichwort Hedwigskathedrale

Die Berliner Sankt-Hedwigs-Kathedrale gehört zu den bedeutenden katholischen Gotteshäusern in Deutschland. Sie ist auch eines der historischen Wahrzeichen der Hauptstadt. Die Bischofskirche des Erzbistums Berlin hat jährlich über 200.000 Besucher. Geweiht wurde der runde Kuppelbau vor 240 Jahren, am 1. November 1773. Architektonisches Vorbild war das antike Pantheon in Rom. Zusammen mit Humboldt-Universität, Staatsoper und Königlicher Bibliothek bildet das Gotteshaus am Boulevard Unter den Linden das Ensemble des Forum Fridericianum. Die Planer waren Wenzeslaus von Knobelsdorff, Jean Laurent Legeay und Johann Boumann der Ältere. Der Bau entstand auch auf Initiative von Friedrich dem Großen. Anlass war die wachsende Zahl der Katholiken in Preußen durch den Ausbau der Armee und die Eroberung Schlesiens. Die Kirche ist nach der Patronin der neuen Provinz, der heiligen Hedwig von Schlesien (1147-1243), benannt. Seit der Weihe wurde die Kirche dreimal umgestaltet. Der bislang stärkste Eingriff fand nach dem Zweiten Weltkrieg statt, in dem Bomben die Kathedrale bis auf die Umfassungsmauern zerstörten. Bis 1963 baute der renommierte Düsseldorfer Architekt Hans Schwippert (1899-1973) sie innen in modernen Formen wieder auf. Eine architektonische Besonderheit ist eine rund acht Meter große Bodenöffnung im Zentrum des Kirchenraums. Über eine Treppe ist damit die Unterkirche mit den Grabkapellen der Berliner Bischöfe und des seligen Dompropsts Bernhard Lichtenberg (1875-1943) erreichbar. Bei einer Neugestaltung des Innenraums wird die umstrittene Bodenöffnung nun geschlossen. (KNA)