Justitia gilt als die Personifikation der Gerechtigkeit.
Belgier Ivo P. soll als Pfleger Luft in Venen gespritzt haben

Ehemaliger Diakon wegen zehnfachen Mordes vor Gericht

Als Diakon sollte er für die Alten und Kranken da sein. Doch das Gegenteil war der Fall. Nun steht der 61-jährige Ivo P. in Brügge vor Gericht - und nennt seine Taten "aktive Sterbehilfe".

Brüggen - 23.01.2018

Am Montag hat im belgischen Brügge der Mordprozess gegen den ehemaligen Diakon Ivo P. begonnen. Der 61-Jährige wird beschuldigt, mindestens zehn Menschen getötet zu haben, wie belgische Medien berichteten. Ans Licht kam der Fall 2013, als P. einem Psychiater eröffnete, er habe Dutzende Menschen von sich aus auf "Sterbehilfe" aufmerksam gemacht.

Medienberichten zufolge injizierte P. als Pfleger des Sint-Joris Krankenhauses im westbelgischen Menen absichtlich Luft in die Venen mehrerer Patienten, die infolgedessen starben. Er war zwischen 1978 und 2011 in der Klinik tätig. 2014 wurde P. wegen Mordverdachts inhaftiert. Die Ermittler bringen neben zehn konkreten Todesfällen weitere 54 verdächtige Fälle mit ihm in Verbindung.

Erzbischof soll als Zeuge aussagen

Unter den mutmaßlichen Opfern sind auch Familienangehörige wie seine eigene Mutter und sein Stiefvater. Den Mord an vier Familienmitgliedern gab der einstige Diakon und Pfleger bereits zu; bei den anderen Opfern sind noch Fragen offen. Die meisten waren bereits in fortgeschrittenem Alter. Nach eigenen Angaben wollte er sie "von ihrem Leid befreien". Er selbst nannte seine Taten "aktive Sterbehilfe". Laut Medienberichten soll auch der Erzbischof von Mecheln-Brüssel, Jozef De Kesel, als Zeuge gegen P. aussagen, weil ihm der Diakon in seiner Zeit als Bischof von Brügge unterstand. Für den Prozess sind zwei Wochen angesetzt.

Aktive Sterbehilfe – oder Tötung auf Verlangen – ist in Belgien seit 2002 grundsätzlich erlaubt. Die Bitte um Sterbehilfe muss allerdings freiwillig, überlegt und wiederholt formuliert werden. 2014 folgte eine Ausweitung des Gesetzes auf Minderjährige. (bod/KNA)