Ein Mann mit Aktenkoffer und ein langer Schatten
Es geht um Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit

Eichstätter Finanzskandal: Ein Beschuldigter wieder frei

Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr: Von den beiden Beschuldigten im Eichstätter Finanzskandal ist einer nun wieder auf freiem Fuß - allerdings nicht, weil er entlastet wurde.

München/Eichstätt - 14.05.2018

Im Finanzskandal des Bistums Eichstätt hat einer der beiden Beschuldigten das Untersuchungsgefängnis verlassen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft München II am Montag. Der Haftbefehl sei mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Mannes gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden. Nach übereinstimmenden Medienberichten handelt es sich um den ehemaligen stellvertretenden Finanzdirektor des Bistums. Der zweite Beschuldigte, ein Immobilien-Projektentwickler, sitzt dagegen weiter in U-Haft.

Beide Männer waren Ende Januar festgesetzt worden. Ihnen wird Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr vorgeworfen. Vergangene Woche hatte die Anklagebehörde bekanntgegeben, dass die Männer ein Teilgeständnis abgelegt hätten. Derzeit gehen die Ermittler nur noch von einem gesicherten Vermögensschaden für das Bistum von mindestens rund einer Million Dollar (840.000 Euro) aus. Dieser sei durch Bestechungszahlungen entstanden. Womöglich falle der tatsächliche Schaden noch höher aus. Die Anwälte des Bistums befürchten, dass er im zweistelligen Millionenbereich liegen wird.

Erst fünf Millionen Dollar zurückgeführt

Die zwei Beschuldigten sollen nach den bisherigen Erkenntnissen bei gemeinsamen Geschäften rund 60 Millionen US-Dollar aus dem Bistumsvermögen riskant investiert haben. Das Geld floss demnach weitgehend ohne Absicherung in Kredite für Immobilienprojekte in den USA. Von den Darlehen, die zum guten Teil schon wieder fällig sind, wurden nach Bistumsangaben bisher erst fünf Millionen Dollar zurückgeführt.

Das Bistum Eichstätt hatte den Finanzskandal im Februar öffentlich gemacht. Nach der Verhaftung der beiden Beschuldigten informierte es darüber, dass Bischof Gregor Maria Hanke im Juli 2017 selbst Strafanzeige gestellt hatte. Als Reaktion auf den Skandal hatte Hanke im März die Finanzverwaltung seines Bistums neu strukturiert, um eine bessere Kontrolle der Geschäfte zu gewährleisten. Wenige Tage zuvor hatten Eichstätter Katholiken den Bischof bei der Kleruskongregation im Vatikan wegen schwerwiegender Verletzungen seiner Amtspflicht angezeigt. (bod/KNA)