EIL: Deutsche Bischöfe führen Kurzzeitkatholiken ein!
Ein satirischer Wochenrückblick von Björn Odendahl

EIL: Deutsche Bischöfe führen Kurzzeitkatholiken ein!

Was, wenn es doch einen Weg für den Kommunionempfang evangelischer Partner gäbe? Und was, wenn es dafür eigentlich nur eins braucht: die gute, alte, deutsche Bürokratie? Björn Odendahl weiß mehr.

Von Björn Odendahl |  Bonn - 21.04.2018

Sensationelle Wende im Eucharistie-Streit: Die deutschen Bischöfe wollen für evangelische Ehepartner eine "Konversion auf Zeit" einführen. Weil man weder eine sakramententheologische noch eine pastorale Lösung finden konnte, habe man sich – in bester deutscher Tradition – auf einen dritten Weg geeinigt: den der Bürokratie, heißt es in einem sehr geheimen Schreiben der Bischofskonferenz.

Demnach sollen ausgerechnet ab dem ökumenisch eher problematischen Marienmonat Mai in allen katholischen Kirchen zwei Formblätter in unmittelbarer Nähe des Weihwasserbeckens ausliegen. Das erste unterschreiben die Protestanten beim Betreten der Kirche und bekunden damit ihren Glauben an die Transsubstantiation, das eucharistische Opfer sowie das katholische Amtsverständnis. In Anlehnung an die Verkürzung kirchlicher Ehenichtigkeitsverfahren durch Papst Franziskus wolle man so das Modell einer Express-Konversion vorantreiben, heißt es. Der Clou: Beim Verlassen der Kirche kann dann das Re-Konversions-Formular unterschrieben werden und man glaubt wieder…naja…irgendwas eben. "Und Schwupps – ist man im Alltag wieder evangelisch", erklären die Oberhirten ihre Idee. Neben Taufschein-Katholiken gebe es nun eben auch Schein-Konvertiten.

Als Vorbild habe man sich das Gebaren von CSU-Politikern genommen, die ihr Christsein in Interviews und Pressekonferenzen ja auch regelmäßig nur für kurze Zeit überstülpten, um Kreuze und Schweinefleisch zu fordern, während sie im politischen Alltag jegliche christlichen Werte vermissen ließen, heißt es weiter.

Bei der genannten Partei stößt das Vorhaben der Bischöfe unterdessen auf Ablehnung. "Das ist doch eine Verarschung der Wähl…äh…Gläubigen", sagt CSU-Generalsekretär Markus Blume. "Mit Protestanten fängt es an und dann kommen die Flüchtlinge!" So würden die Kirchen ja nur noch weiter politisiert! Gleichzeitig forderte Blume ein wahrhaft ökumenisches, bundesweites Schnitzelessen in allen Kantinen, um die fleischliche Einheit von Protestanten, Katholiken, Muslimen und Vegetariern zu fördern.

In der evangelischen Kirche ist man geteilter Meinung, was das neue Modell der deutschen Bischöfe angeht. Kritiker befürchten, dass einige der konservativeren Oberhirten tief in die Trickkiste greifen werden: "Was, wenn sie das zweite Formblatt nach Beginn der Heiligen Messe durch den Küster heimlich entfernen lassen und man als Katholik nach Hause muss?" Unbegründet ist dieser Verdacht nicht. In einigen Ordinariaten ist der Plan bereits unter dem Codenamen "Gewaltlose Ökumene der Rückkehr" gefasst worden.

Positiv reagierte dagegen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm. Als Geste des guten Willens unterzeichnete er als erster Protestant Formblatt Nr. 1 und zerriss vor laufender Kamera Blatt Nr. 2, während er "Das ist ein Zeichen für die Ökumene!" schrie. Gemeinsam mit den katholischen Oberhirten wolle er aber noch weitergehen und auch ein Formblatt für eine "Weihe auf Zeit" entwickeln, damit evangelische Kurzzeit- und katholische Langzeitkatholiken bald auch gemeinsam am Altar zelebrieren können.

Erste Gespräche dafür wollen beide Parteien aber erst 2019 beim ersten Kardinal-Karl-Lehmann-Gedenk-Golfturnier führen. "Dieses Thema ist 2018 einfach noch ein zu heißes 9er-Eisen", begründete Bedford-Strohm und stürmte – jetzt katholisch – davon.

Von Björn Odendahl

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