NGC 6357
Bild: © NASA
Wie die Kirchengeschichte den Weltraum prägt

Ein Asteroid namens Ratzinger

Sieben erdähnliche Planeten wurden im Orbit des Sterns TRAPPIST-1 gefunden. Haben da die Mönche ihre Hand im Spiel? Ausnahmsweise nicht. Ansonsten ist der Weltraum aber voll von Theologen und Heiligen.

Von Felix Neumann |  Bonn/Weltraum - 23.02.2017

Gleich sieben erdähnliche Planeten umkreisen einen roten Zwergstern, gut 40 Lichtjahre von der Erde entfernt, teilte die NASA am Mittwoch mit. Der Name des Sterns: TRAPPIST-1. Haben da die Zisterzienser von der strengeren Observanz, bekannt als Trappisten, ihre Hand im Spiel? Gibt es neben der vatikanischen Sternwarte noch eine trappistische? Das nicht – der Stern trägt seinen Namen nach dem "Transiting Planets and Planetesimals Small Telescope" (TRAPPIST) am La-Silla-Observatorium in Chile.

Auch wenn es keinen Trappisten-Stern gibt – der Weltraum ist voll von Heiligen und Theologen. Zumindest dem Namen nach. Nicht weiter als bis zum Mond muss man, um die ersten zu finden: Der im 17. Jahrhundert wirkende Jesuitenastronom Giovanni Battista Riccioli zeichnete Karten des Erdtrabanten und legte Namen fest, die bis heute in der Kartographie des Mondes verwendet werden. Am bekanntesten dürfte das von ihm benannte Mare Tranquillitatis sein, 1969 der Ort der ersten Mondlandung.

Buzz Aldrin auf dem Mond
Bild: © NASA

Der Astronaut Buzz Aldrin während der Apollo-11-Mission im Mare Tranquillitatis auf dem Mond. Das Tal wurde von dem Jesuiten Giovanni Battista Riccioli benannt.

Theologen im Mondkrater

Aber natürlich hat er auch einige Kollegen bedacht: Der Krater Tannerus trägt den Namen seines Ordensbruders Adam Tanners, Astronom, Gegenreformator und Kritiker der Hexenverfolgung. Ein weiterer Krater, Aliacensis, erinnert an Pierre d'Ailly. Der 1351 geborene Kardinal arbeitete nicht nur als Theologe zur Struktur der Kirche, sondern inspirierte mit seinen geographischen und astronomischen Arbeiten auch Christoph Kolumbus bei seinen Schätzungen der Größe der Kontinente. Nicht nur Himmelskundler sind verewigt: Kyrill I., Patriarch von Alexandria, beschäftigte sich mehr mit Christologie als mit Astronomie. Einen Krater hat er aber auch.

Auch weiter draußen findet man Kirchliches: 1998 öffnete der Vatikan die Archive der Inquisition für die Wissenschaft; der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, spielte dabei eine wichtige Rolle. Die Wissenschaft dankte es ihm: Der deutsche Astronom Lutz Schmadel taufte einen von ihm entdeckten Asteroiden im sogenannten Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter auf den späteren Papst. Seither wird der 13 km große Himmelskörper unter dem Namen 8661 Ratzinger geführt.

Große Heilige und Reformatoren zwischen Mars und Jupiter

Weitere Asteroiden im Hauptgürtel sind nach der heiligen Julia von Korsika, einer Märtyrerin aus dem 5. Jahrhundert, Johanna von Orleans, Mechthild von Magdeburg, Hildegard von Bingen und dem mittelalterlichen Philosophen und Theologen Albert dem Großen benannt. Aber auch die Reformation ist himmlisch bedacht: 7100 Martin Luther und 7256 Dietrich Bonhoeffer teilen sich die Umlaufbahn mit Ratzinger und den Heiligen.

Juri Gagarin, der erste Mensch im Weltraum, soll nach seinem Flug zu Protokoll gegeben haben, dass er da oben Gott nicht gesehen habe. Seither hat sich in der russischen Raumfahrt einiges geändert, und auf so simple Theologie lässt man sich nicht mehr ein. Stattdessen nimmt man die Sache selbst in die Hand: Schon einige Reliquien sind mit russischen Kosmonauten in die Umlaufbahn geflogen, zuletzt 2016 Überreste des heiligen Seraphim von Sarow.

Und auch Papst Franziskus ist bereit für extraterrestrische Pastoral: Ob er auch Außerirdische taufen würde? Natürlich, gab er zu Protokoll. Wenn sie darum bitten.

Von Felix Neumann

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