Ein malender Prediger
Bild: © KNA
Der schwäbische Künstler Sieger Köder wird 90

Ein malender Prediger

Ein Leben im Spagat: Dass der Künstler Sieger Köder als Malerpriester bezeichnet wird, charakterisiert ihn als Menschen, der ganz besonders für das spannungsreiche Verhältnis zwischen Kirche und Kunst steht. Denn Kernstück des Schaffens des katholischen Priesters, der am Samstag 90 Jahre alt wird, war und ist die Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift.

Ellwangen - 03.01.2015

Für ihn stellen Kunst und Religion keine Gegensätze dar. Er will "mit Bildern predigen". Der im schwäbischen Wasseralfingen geborene Bauernsohn schuf für viele Kirchen großformatige Altarbilder. Köder verwendet bekannte Motive, aber bürstet sie gegen den Strich: Er zeichnet den Apostel Paulus, der sich als "Narren um Christi willen" bezeichnete, als Clown. Und statt des Jesuskindes malt er eine aufgeschlagene Bibel in der Krippe. Nicht wenige Motive sind fester Bestandteil in Schulbüchern. Bei aller Bescheidenheit nennt er für sein künstlerisches Wirken große Vorbilder. Er orientiert sich an Picasso, Goya, Chagall oder El Greco.

Bild: © KNA

Malerpfarrer Sieger Köder präsentiert sein Kunstwerk, das den heiligen Salesianerpater Don Bosco zeigt.

Das bekannteste Werk: die "Tübinger Bibel"

Zunächst war er Kunsterzieher und Englischlehrer, mit 40 entschloss er sich zum Theologiestudium und empfing 1971 die Priesterweihe. Zu seinen Professoren gehörten so unterschiedliche Denker wie Hans Küng und der spätere Papst Benedikt XVI. "Professor Ratzinger hat mir ausreichende Dogmatikkenntnisse bescheinigt", erzählt er und zitiert einen Begriff des Lehrers, "das sich ständig perpetuierende Pfingsten". Nach der Wahl zum Kirchenoberhaupt schickte Köder dem alten Lehrer ein Bild zum Pfingstmotiv nach Rom.

Als bekannteste Werke Köders gelten die "Tübinger Bibel" von 1967 und das Bild "Das Mahl mit den Sündern", das seit 1973 in der Villa San Pastore der Jesuiten bei Rom zu sehen ist. 1996 machte ihn die Gestaltung des Misereor-Hungertuchs bekannt. Auf dem Hohenberg im Ostalbkreis schuf Köder rund um die Jakobuskirche Ausschmückungen zum Motiv des Pilgerns und des Jakobswegs.

Die Kirche verlieh dem humorvollen Geistlichen 1985 den Ehrentitel Monsignore. 2003 erhielt Köder, der bis zum Alter von 70 Jahren als Gemeindepfarrer wirkte und der mit dem baden-württembergischen Landesorden ausgezeichnet wurde, als erster überhaupt die Ehrendoktorwürde der oberbayerischen Salesianer-Hochschule Benediktbeuern.

2011 eröffnete Museum mit 60 Werken Köders in Ellwangen

Seit ein paar Jahren wohnt Köder, dessen Gesundheitszustand sich in den vergangenen Wochen erheblich verschlechterte, in einem Altenheim der Anna-Schwestern in Ellwangen. Genau dort wurde im Jahr 2011 ein Museum mit 60 seiner Werke eröffnet. Hinter dem Museum steht die 2009 gegründete "Sieger-Köder-Stiftung Kunst und Bibel". Sie versteht die Schau als "Angebot, anhand der farbenfrohen Bildwerke die biblische Botschaft zu erschließen und sich davon inspirieren zu lassen".

Der Rottenburg-Stuttgarter Weihbischof Johannes Kreidler würdigte das Museum bei dessen Eröffnung als einen Ort zur Bewahrung von Köders künstlerischem Erbe. Köder habe das Wort der Bibel Bild werden lassen, der Künstler könne das Geheimnisvolle des Lebens ins Bild setzen. Köder selbst nennt sich altmodisch. "Auf meinen Bildern kann man erkennen, was sie zeigen sollen. Das ist bei modernen Bildern oft schwierig."

Für Köder ist Malen ein Mittel der Verkündigung. "Ich male nicht zur Selbstverwirklichung und nie für mich selber", sagt er. Schon als Fünfjähriger zeichnete er daheim den Nazarenerkreuzweg aus der Pfarrkirche nach. Immer wieder. "Ich war enttäuscht von dem Ergebnis. Aber dieser Kreuzweg ist mir ein Leben lang nachgegangen." Und die Bibel blieb Quelle seines Wirkens. Köder vergleicht sich mit einem kleinen Propheten, "der halt nicht sprechen kann, sondern malen kann". Vielleicht sei das, was er mache, "ja eine moderne biblia pauperum, eine Armenbibel".

Von Michael Jacquemain (KNA)

Bischof Fürst gratuliert Köder

Als herausragenden Künstler und religiösen Pädagogen hat Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, den Malerpfarrer Sieger Köder zu dessen 90. Geburtstag gewürdigt. Köder, der am 3. Januar 1925 in Wasseralfingen zur Welt kam, habe mit seinem Werk unzähligen Menschen die Geschichten der Bibel auf besondere Weise erschlossen und ihnen so den Glauben näher gebracht, heißt es im Glückwunschschreiben des Bischofs. Köder habe "Katechese für Menschen jeglichen Alters" betrieben. Generationen von Schülern hätten sich an der "geerdeten Theologie" des Kunstlehrers, Priesters, Malers und Bildhauers erfreuen dürfen, würdigte Bischof Fürst den seit Wochen gesundheitlich schwer beeinträchtigten Jubilar. Köders Motive zeigten die Menschen so vielfältig und bunt, wie diese auch in Wirklichkeit seien, handfest und mit Ecken und Kanten. Mit Kirche und Pfarrhaus in Köders priesterlicher Wirkungsstätte Rosenberg sowie dem Sieger Köder-Zentrum dort und dem Sieger Köder-Museum in Ellwangen seien Einrichtungen entstanden, die das Werk des über Deutschland hinaus bekannten Malerpfarrers vielen Menschen weiterhin zugänglich machen. (bod)