Ein "Ohrwurm für die Menschheit"
Bild: © KNA
Die Reaktionen der deutschen Bischöfe auf die Enzyklika

Ein "Ohrwurm für die Menschheit"

Die am Donnerstag veröffentlichte Enzyklika "Laudato si" hat international ein großes Echo hervorgerufen. Bei den deutschen Bischöfen stößt das Schreiben auf viel Lob. Katholisch.de zeigt die Reaktionen im Überblick.

Von Julia-Maria Lauer |  Bonn - 18.06.2015

Erzbischof Ludwig Schick, Erzbistum Bamberg

Nach dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick soll die Enzyklika "ein Ohrwurm für die Menschheit" werden. Jeder Christ müsse ein Umweltschützer sein und sein Verhalten hinterfragen. "Umweltverschmutzung ist Sünde." Die biblische Aufforderung, sich die Erde Untertan zu machen, könne für niemanden als Rechtfertigung für die Ausplünderung der Natur betrachtet werden, so der Erzbischof.

Bischof Gregor Maria Hanke, Bistum Eichstätt

Als "wichtigen Weckruf an die Welt" bezeichnet der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke die neue Enzyklika von Papst Franziskus. Da die Erde nur mit begrenzten Ressourcen ausgestattet ist, sei ein Umdenken dringend nötig. Ein Wirtschaftssystem, das auf immer mehr Ressourcenverbrauch zur Ausweitung des Konsums setze, habe keine Zukunft, so Hanke.

Bischof Franz-Josef Overbeck, Essen

Mit seiner Enzyklika stelle sich der Papst einmal mehr in die Tradition seines Namenspatrons, stellt der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck fest. Die Enzyklika behandle nicht nur den reinen Umweltschutz, sondern den Schutz der Schöpfung als Ganzes. "Es geht um den Dreiklang Gott – Mensch – Schöpfung, aber auch ganz konkret zum Beispiel um die verschiedenen Zusammenhänge des Klimawandels", so Overbeck.

Der Papst betone zurecht, "dass sich die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung nicht getrennt voneinander betrachten lassen", ergänzt er. "Damit ist die Enzyklika ein starkes Zeichen der Weltverantwortung unserer Weltkirche, von dem ich hoffe, dass es gerade mit Blick auf den UN-Klimagipfel im Herbst in Paris seine Wirkung nicht verfehlt."

Video: © youtube.de

Bischof Gregorg Maria Hanke über die Umweltenzyklika von Papst Franziskus.

Erzbischof Stephan Burger, Erzbistum Freiburg

Als "große Ermutigung für weitere Schritte zu einem besseren Umwelt- und Klimaschutz und einen neuen, weniger konsumorientierten Lebensstil" bezeichnet Bischof Stephan Burger die Enzyklika "Laudato si". Der Papst betone, dass sich ein wirklich ökologischer Ansatz immer in einen sozialen Ansatz verwandle. Neben allem Engagement solle das Gebet für die Schöpfung aber auch künftig nicht zu kurz kommen, so Burger und verweist damit auf die von Papst Franziskus formulierten Gebete für die Schöpfung am Ende der Enzyklika.

Erzbischof Stefan Heße, Erzbistum Hamburg

"Ein wertvoller Impuls für eine weltweite ökologische Neuorientierung" - so lautet das Urteil des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße. Der Papst binde in seinem Schreiben die ökologischen, sozialen und spirituellen Themen zusammen. "Damit macht er deutlich, welche drängenden Zukunftsfragen für die ganze Erde und für alle Menschen zu lösen sind. Ohne einen radikalen Mentalitätswandel geht das nicht", betont Heße.

Bischof Norbert Trelle, Bistum Hildesheim

Der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle sieht in der Enzyklika eine "grundsätzliche Kritik des Papstes am derzeitigen Wirtschaftssystem". Dieses schließe einen zu großen Teil der heute lebenden Menschen aus, habe die zukünftige Generationen nicht ausreichend im Blick und erzeuge eine Wegwerfkultur, die ohne Rücksicht auf die betroffenen Menschen oder die Umwelt Rohstoffe ausbeute und dabei den Klimawandel sehenden Auges in Kauf nehme, erläutert Trelle. Die Würde des Menschen und das Verhältnis zur Schöpfung und seinem Schöpfer verbinde der Papst mit der konkreten Aufforderung zur fundamentalen wirtschaftspolitischen Umkehr und zum konkreten Handeln des Einzelnen.

Bischof Franz-Josef Bode, Bistum Osnabrück

Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück bezeichnet das Aufgreifen zentraler Fragen der Menschheit in der Enzyklika als "mutig und eindrucksvoll".  Das Schreiben richte sich laut Bode zudem nicht nur an die Kirche und andere Religionen, sondern an alle Menschen. "Ohne Scheu prangert der Papst an, was dem Haus der Schöpfung rücksichtslos und ohne Verantwortung vor der Zukunft widerfährt", sagt Bode. Deshalb müsse es auch Sorge der Kirche und aller Menschen guten Willens sein, Wirtschaft, Finanzgebaren, aber auch das Alltagsleben, generationsübergreifend mit einem neuen Lebensstil zu durchprägen.

Bischof Gebhard Fürst, Bistum Rottenburg-Stuttgart

In seiner Reaktion auf die Enzyklika "Laudato si" hebt Bischof Gebhard Fürst hervor, dass Klimaschutz für Christen "kein x-beliebige Thema" sein könne. "Es hat vielmehr höchste Priorität", so der Oberhirte von Rottenburg-Stuttgart. In diesem Zusammenhang erinnert er auch an die Verantwortung der westlichen Industrienationen. "Die Menschen in diesen Ländern müssen ihren Lebensstil überdenken und ändern." Die Kirche könne aus ihrem Glauben an den liebenden Schöpfergott heraus Orientierung bieten.

Bischof Stephan Ackermann, Bistum Trier

Nach Stephan Ackermann, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, kommt das Papstschreiben im entwicklungspolitischen Schlüsseljahr 2015 gerade zur rechten Zeit vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September. So lege Franziskus in seinen Ausführungen mit dem Bezug auf die Würde jedes Menschen eine menschenrechtliche Perspektive zu Grunde und betone beispielsweise das Recht auf Wasser. Er spreche dabei alle an, so Ackermann. "Politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure in ihren Potentialen sowie in ihren tiefen menschlichen Sehnsüchten."

Bischof Friedhelm Hofmann, Bistum Würzburg

Bischof Friedhelm Hofmann aus Würzburg sieht in dem Dokument "bemerkenswert konkrete Impulse" für ressourcenschonendes Handeln sogar für den Einzelnen. "Die bisherigen Diskussionen und Aktivitäten im sozial-ökologischen Bereich werden anerkannt und gleichzeitig  wird ein Ansporn gegeben, in dieser Richtung weiterzuwirken", erklärt Hofmann.

Linktipp: Ein Kompass für den Klimaschutz

Sie war lange mit Spannung erwartet worden: die Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Stellungnahmen kommen von Kirche, Hilfswerken oder der internationalen Politik. Katholisch.de stellt eine Auswahl der Reaktionen vor.

Linktipp: Themenseite Enzyklika "Laudato si"

Heute wurde die erste eigene Enzyklika von Papst Franziskus unter dem Titel "Laudato si" veröffentlicht. Sie beschäftigt sich vorrangig ökologischen Fragen. Katholisch.de hat alles Wichtige rund um das Schreiben für Sie zusammengestellt.

Von Julia-Maria Lauer