Ein Windhauch war der Gottesbeweis
Bild: © katholisch.de
Katrin Goder über ihren langen Weg zu Taufe und Glauben

Ein Windhauch war der Gottesbeweis

Katrin Goder lebt in Leipzig und war eigentlich Atheistin - bis sie ihren Mann kennenlernte und begann, sich für das Christentum zu interessieren. Ein Erlebnis hat sie schließlich von Gott überzeugt.

Von Madeleine Spendier |  Bonn - 10.12.2016

Frage: Frau Goder, Sie haben lange Zeit Gott abgelehnt. Warum?  

Goder: Früher, als ich noch nicht zum Glauben gefunden hatte, dachte ich immer, ich müsste nur gut genug sein, dann wird auch alles andere gut und es passieren einem lauter gute Dinge im Leben. Mit Gott hatte ich nichts am Hut, überhaupt nichts. Ich komme aus einer atheistischen Familie, Gott habe ich sogar abgelehnt.

Frage:  Wie haben Sie denn zum katholischen Glauben gefunden?

Goder: Durch meinen Mann. Er ist bekennender Katholik. Ganz ehrlich? Ich habe mir am Anfang gedacht, aus dieser Beziehung mit einem Katholiken wird eh nix! Aber wir haben uns gegenseitig respektiert und wir haben eine Art Waffenstillstand geschlossen.

Frage: Was meinen Sie mit "Waffenstillstand"?

Goder: Unsere Vereinbarung lautete so: "Ich mache mich nicht lustig über deinen Glauben und du darfst mich nicht belehren oder missionieren". Dann kam es ganz anders. Er hat mir seinen Glauben vorgelebt und ich bin mit ihm in die Gottesdienste gegangen. Das Erstaunliche war, es hat mir gut getan. Wir haben uns viel über den Glauben unterhalten und ich hatte jede Menge Fragen.

Frage: Welche Fragen hatten Sie denn?

Goder: Ich habe zum Beispiel nicht verstanden, warum man am Anfang des Gottesdienstes seine Schuld bekennen soll. Es hat sich mir einfach nicht erschlossen, warum ich mich vor Gott klein machen sollte.  

Frage: Was hat ihr Mann dann geantwortet?

Goder: Er hat sich nur gewundert, dass ich solche Fragen habe. Für ihn war das alles selbstverständlich, weil das immer schon so war.

Katrin Goder im Porträt.
Bild: © Katrin Goder

Katrin Goder im Porträt.

Frage: Wollten Sie trotzdem katholisch werden?

Goder: Ja, ich hatte das Gefühl, ich möchte dazu gehören. Ich habe in besonderen Momenten meines Lebens gespürt, Gott ist dabei. Auch wenn ich mit meinem Glauben gerungen habe.  

Frage: Wann war das?   

Goder: Zu Beginn unserer Ehe hatten wir sehr lange darauf gewartet ein Kind zu bekommen. Es hat einfach nicht geklappt und ich suchte die Schuld bei mir. Ich war richtig verzweifelt. Dann habe ich mir gesagt: "So Gott, jetzt lege ich mein Leben in deine Hände. Entscheide du, ob ich schwanger werde oder nicht!"

Frage: Und, hat Ihnen Gott geantwortet?

Goder: Ja, aber wenn ich das erzähle, lachen mich Nichtchristen aus. Ich stand in Bayern in einer Kirche vor einem Heiligenbild. Ich habe mir so gewünscht schwanger zu werden und ich habe dann gebetet: "Guter Gott, hilf mir!" In diesem Moment ging ein Windhauch durch die Tür.

Frage: Zufall?

Goder: Man kann das als Zufall abtun, für mich war das aber mehr. Ich hatte den Eindruck, dass dies auf meine Bitte hin passiert ist. Der Windhauch war für mich die Antwort Gottes. Ein Gottesbeweis, den ich heute noch spüren kann.

Frage: Was hat Ihnen damals Kraft gegeben?

Goder: Es gibt diese Stelle in der Bibel im Lukasevangelium, wo es heißt: "Vater, wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir. Aber nicht mein, sondern dein Wille geschehe." Diese Gottergebenheit Jesu und dieses Vertrauen auf Gottes Weisheit haben mich besonders gestärkt. Ich habe fest daran geglaubt, dass Gott nun auch mich begleitet und er weiß, was für mich gut ist.

Frage: Wurden Sie dann gleich schwanger?

Goder: Es hat dann schon noch einige Zeit gedauert, bis ich schwanger wurde. Aber seit damals weiß ich, dass Gott mich nicht alleine lässt, egal was im Leben auf mich zukommt. Ich fühle mich begleitet und meine Familie auch, denn heute haben wir drei gesunde Kinder. Und alle drei sind getauft.

Player wird geladen ...

Durch die Taufe werden jährlich 160.000 Kinder in die katholische Kirche aufgenommen. "Katholisch für Anfänger" erklärt das Sakrament der Taufe und ihre Bedeutung im Glauben.

Frage: Wann haben Sie die Entscheidung getroffen, sich auch taufen zu lassen?

Goder: Vor der Taufe unseres dritten Kindes habe ich einer Freundin erzählt, dass ich es mir auch vorstellen kann, mich taufen zu lassen. Ich war mir allerdings unsicher, ich dachte, das geht erst, wenn ich im Glauben fester geworden bin. Außerdem habe ich daran gezweifelt, ob ich es wert bin.  

Frage: Sie haben sich dann doch umstimmen lassen?

Goder: Ja, meine Freundin hat mir die Initialzündung geliefert. Sie hat gesagt hat: "Die Taufe ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Danach geht es doch erst richtig los!" Dieser Satz hat mir die Augen geöffnet und 2007 habe ich mich in Leipzig in der Propsteigemeinde St. Trinitatis taufen lassen. Das war ein Meilenstein für mich.

Frage: Was hat Ihre Familie dazu gesagt?

Goder: Mein Mann und seine Familie haben sich natürlich sehr für mich gefreut. Meinen Eltern von meinem Taufwunsch zu erzählen, ist mir hingegen sehr schwer gefallen, schließlich wollte ich sie nicht enttäuschen. Aber sie haben meine Entscheidung respektiert.

Frage: Und welches Gottesbild haben Sie heute?

Goder: Gott ist die Liebe. Für mich sind sie meine Kinder der größte Gottesbeweis.

Von Madeleine Spendier

Themenseite: Mein Glaube, mein Leben

Jedes Jahr treten zahlreiche Menschen aus der Kirche aus. Doch es geht auch anders herum. Die Themenseite bündelt Porträts über Menschen, die sich als Erwachsene für die Kirche entschieden haben oder ihren Glauben in einer besonderen Weise leben.