"Ein Zeichen der Fürsorge"
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Morgen besucht Papst Franziskus Albanien

"Ein Zeichen der Fürsorge"

Morgen besucht Papst Franziskus mit Albanien erstmals ein europäisches Land außerhalb Italiens. Er ist der zweite Papst, der in das ehemals kommunistische Land reist. Zuletzt war Johannes Paul II. vor 21 Jahren dort. Im Interview erzählt der Verantwortliche des Informationszentrums der albanischen Kirche, Don Gjergj Meta, wie sich die Kirche in der Zwischenzeit verändert hat und vor welchen Aufgaben sie heute steht.

Albanien - 19.09.2014

Frage: Herr Meta, mit dem Besuch von Papst Franziskus am Sonntag wird Albanien viel Aufmerksamkeit erhalten. Welche Bedeutung hat dieser Besuch?

Meta: Der Besuch von Papst Franziskus ist unsere Chance, der Welt zu zeigen, wer wir sind. Solche Gelegenheiten gibt es nicht oft. Ein Papstbesuch ist wichtig. Besonders dieser hier, immerhin zieht Franziskus die Sympathie vieler Menschen auf sich, auch die vieler Albanern. Für die Menschen hier ist dieser Besuch ein Zeichen der Fürsorge des Papstes.

Frage: Warum hat sich der Papst Albanien als erstes Reiseziel für einen offiziellen Papstbesuch in Europa außerhalb Italiens ausgesucht?

Meta: Die Reise des Papstes hat zwei Dimensionen: Zum einen will er an das Leid des albanischen Volkes und der albanischen Kirche unter dem kommunistischen Regime erinnern. Zum anderen will er eine Kultur des Dialogs fördern, die so notwendig für unsere Zeit ist – vor allem im Hinblick auf die vielen Konflikte im Nahen Osten. Auch wir Albaner legen Wert darauf, in Frieden zu leben – allerdings müssen wir immer wieder daran arbeiten. Indem der Papst hierher kommt, lenkt er die Aufmerksamkeit Europas auf Albanien; vor allem jetzt, wo wir Europa einerseits sehr nah sind, und andererseits aufgrund unserer Geschichte auch sehr weit von ihm entfernt.

Papst Franziskus fährt mit seinem Papamobil durch eine Menschenmenge.
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Papst Franziskus grüßt die Gläubigen bei einem Besuch auf Sardinien.

Frage: Es handelt sich bei dem Besuch des Papstes um den zweiten Besuch eines katholischen Oberhauptes in Albanien. Vor 21 Jahren, kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, hatte Papst Johannes Paul II. das Land besucht. Wo steht das Land heute?

Meta: Wenn der Papst uns am Sonntag besucht, wird er eine lebendige Kirche mit vielen jungen Menschen vorfinden. Vieles hat sich in den vergangenen 21 Jahren zum Guten verändert. Wir haben einen albanischen Klerus, eigene Schulen, und nehmen caritative Aufgaben wahr, die den Armen, Verlassenen und Kindern unserer Gesellschaft dienen soll. Wir sind eine Kirche, die in Bewegung ist – immerhin gibt es auch noch viele Aufgaben für uns: Vieles, was vom Zweiten Vatikanischen Konzil ausging, müssen wir uns noch aneignen - besonders in Hinsicht auf den Dienst der Laien, wozu zum Beispiel auch Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen gehören. Im Moment steht bei uns noch mehr der Klerus als Christus im Mittelpunkt.

Frage: Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die katholische Kirche in Albanien heute?

Meta: Die Kirche Albaniens befindet sich zur Zeit in der Selbstreflektion. Wir müssen zu unseren Wurzeln, zu Christus, gehen. Die Kirche muss ihre pastorale Dimension wiedergewinnen. Je menschlicher sie ist, je näher sie den Menschen ist, desto göttlicher ist sie. Deswegen sind heute Themen wie Familie, Scheidung, Armut, Arbeitslosigkeit unsere dringlichsten Aufgaben, auch die Gewalt gegen Frauen und Kinder ist ein Problem, dem wir uns annehmen müssen. Von diesen Problemen hat Albanien viele. Die Kirche kann beispielsweise jemandem, der geschieden ist oder ohne Trauschein mit einem Partner zusammenlebt, nicht sagen, dass er nicht mehr zu den Sakramenten zugelassen ist. Sie muss sich hinsetzen, zuhören, verstehen, heilen und umarmen, wie der gute Samariter, wie Christus.

Frage: Ein Höhepunkt des Papstbesuchs ist das Zusammentreffen von Papst Franziskus mit den Vertretern anderer Religionen. Wie funktioniert der ökumenische Dialog mit der orthodoxen Kirche in Albanien und welche Rolle spielt er?

Meta: Der Dialog mit der orthodoxen Kirche ist sehr wichtig. So arbeiten wir zum Beispiel in der Ausbildung von Geistlichen bereits zusammen. Auch untereinander pflegen wir ein gutes Verhältnis. Ehen zwischen Katholiken und Orthodoxen gibt es oft, aber auch zwischen Christen und Muslimen. Der interreligiöse Dialog ist also eine tägliche, aber auch schöne Herausforderung, die dem Zusammenleben dient.

Frage: Der Papst möchte nicht in einem gepanzerten Fahrzeug fahren. Gibt es Sicherheitsbedenken?

Meta: Es ist mehrmals vom Vatikan betont worden, dass es kein Sicherheitsrisiko gibt. Der Sprecher des Papstes, Federico Lombardi, hat erklärt, dass Franziskus mit dem gleichen Wagen wie sonst auf dem Petersplatz unterwegs sein wird, da er den Menschen so nah wie möglich sein möchte.

Das Interview führte Angelina Verbica

Programm der Papst-Reise

9.00 Uhr: Landung auf dem Internationalen Flughafen Tirana-"Mutter Teresa", offizieller Empfang durch Ministerpräsident Edi Rama 9.30 Uhr: Willkommenszeremonie auf dem Platz vor dem Präsidentenpalast, Besuch beim Staatspräsidenten im grünen Salon des Präsidentenpalasts 11.00 Uhr: Heilige Messe auf dem "Mutter Teresa"-Platz Predigt des Papstes, Gebet des Angelus Domini, Ansprache des Heiligen Vaters 13.30 Uhr: Begegnung und Mittagessen mit den albanischen Bischöfen 16.00 Uhr: Begegnung mit den Führern anderer Religionen und anderer christlicher Konfessionen an der Katholischen Universität "Nostra Signora del Buon Consiglio" 17.00 Uhr: Vesperfeier mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Laienbewegungen in der Kathedrale von Tirana 18.30 Uhr: Begegnung mit den Kindern des Bethanien-Zentrums und mit in anderen albanischen Assistenzzentren betreuten Personen in der Kirche des Bathanien-Zentrums 19.45 Uhr: Abschiedszeremonie am Internationalen Flughafen Tirana-"Mutter Teresa" 20.00 Uhr: Abflug von Tirana zum Flughafen Rom-Ciampino (som)