"Eine sehr wichtige Reise"
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Papst Franziskus am Reformationstag in Schweden angekommen

"Eine sehr wichtige Reise"

Es ist das zweite Mal überhaupt, dass ein Papst Schweden besucht. Dieses Mal ist es eine besonders wichtige Reise: Franziskus gedenkt gemeinsam mit den Lutheranern der Reformation. Am Mittag ist er in Malmö gelandet - und hat noch ein straffes Programm vor sich.

Bonn/Lund - 31.10.2016

Papst Franziskus ist zu einem zweitägigen Besuch in Schweden eingetroffen. Anlass ist das ökumenische Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren. Dies sei eine "sehr wichtige Reise, weil es eine kirchliche Reise ist, kirchlich im Sinne der Ökumene", sagte Franziskus am Montag (Reformationstag) während des Flugs vor Journalisten.

Zuvor überflog der lateinamerikanische Papst auf seinem Weg nach Schweden Deutschland. Von Innsbruck kommend passierte seine gecharterte Alitalia-Maschine München, Nürnberg und Magdeburg. Die Reise führte Franziskus auch in die Nähe von Eisleben, den Geburts- und Sterbeort Martin Luthers.

Papst sendet Grüße nach Deutschland

Wie in solchen Fällen üblich, ließ Franziskus von Bord seiner Maschine aus ein Grußtelegramm an Bundespräsident Joachim Gauck senden. "Ich sende Ihrer Exzellenz und der deutschen Bevölkerung herzliche Grüße, während ich Ihr Land auf dem Weg zu einem Pastoralbesuch in Schweden überfliege", heißt es in dem englischen Text. Zudem erbittet der Papst einen Segen für Deutschland und wünscht Frieden und Wohlergehen.

Auf dem Flughafen von Malmö wurde der Papst - unter grauem Himmel - vom schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven begrüßt. Der Papstbesch sei "historisch, sagte der sozialdemokratische Politiker im schwedischen Fernsehen. "Es ist wichtig für Schweden, dass der Papst hierher kommt." Ebenfalls waren Vertreter des Lutherischen Weltbundes (LWB) und der Vorsitzende der katholischen Nordischen Bischofskonferenz des Landes, Anders Arborelius, auf das Rollfeld gekommen. An der Straße nahe dem Flughafen fanden sich bei der Ankunft des Papstes einige Schaulustige ein, um einen Blick auf Franziskus zu erhaschen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind einer Sprecherin zufolge höher als bei dem Besuch von US-Präsident Barack Obama im Jahr 2013.

Die schwedischen Tageszeitungen halten sich in ihrer Berichterstattung bisher weitesgehend zurück. Die landesweit erscheinende Zeitung "Dagens Nyheter" zitiert die Aussage von Kurienkardinal Kurt Koch, es sei ein Hindernis für den Dialog der Konfessionen, dass die Lutherische Kirche Schwedens eine Frau als Erzbischöfin habe, die aus Deutschland stammende Antje Jackelen. Das Wirtschaftsblatt "Dagens Industri" wiederum beschäftigt sich mit der guten Buchungslage von Hotels in Lund und Malmö und veröffentlicht einen Gastbeitrag des ehemaligen Vorsitzenden der schwedischen Christdemokraten und früheren Europa-Parlamentariers Alf Svensson. Darin spricht er sich dafür aus, beim Heiligen Stuhl eine schwedische Botschaft zu eröffnen.

Nach einem Gespräch mit Löfven trifft der Papst am Nachmittag zunächst das schwedische Königspaar, König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia in Lund. Danach nimmt er an einem ökumenischen Gebet in der lutherischen Kathedrale von Lund teil. Gemeinsam mit Spitzenvertretern des Lutherischen Weltbundes wird dabei an den "Thesenanschlag" von Reformator Martin Luther erinnert. Im Dom werden dazu 600 Gäste erwartet. Zudem ist die Unterzeichnung einer Gemeinsamen Erklärung geplant.

Bischof Feige ebenfalls in Lund

Es ist das erste Mal, dass ein Papst gemeinsam mit ranghohen Vertretern des Protestantismus an die Reformation erinnert. Franziskus Geste gilt als wichtiges ökumenisches Signal. Anschließend steht eine ökumenische Veranstaltung im Stadion von Malmö auf dem Programm. Am Dienstag feiert Franziskus zu Allerheiligen mit Katholiken eine Messe in Malmö, bevor er nach Rom zurückfliegt. Von deutscher Seite wird der Papst vom Magdeburger Bischof Gerhard Feige begleitet, der innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz für die Ökumene zuständig ist.

Erst einmal war das skandinavische Land von einem Papst besucht worden: 1989. Damals war Johannes Paul II. in Stockholm. In Schweden mit seinen fast zehn Millionen Einwohnern leben rund 113.000 Katholiken. (luk/KNA/dpa)

31.10.2016, 14:50 Uhr: Ergänzt um Aussagen des Ministerpräsidenten