Franz-Josef Korth war einer der ersten Priester im Bistum Essen
Franz-Josef Korth wurde vor 60 Jahren geweiht

Einer der ersten Priester des Bistums Essen

Das Bistum Essen ist in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden. Einer der ersten Priester, die in der neuen Diözese geweiht wurden, ist Franz-Josef Korth. Der wusste schon früh um seine Berufung.

Von Lisa Mathofer |  Altenbochum - 12.02.2018

"Ich konnte schon mit zehn Jahren komplett zelebrieren", sagt Franz-Josef Korth und schmunzelt. Der 86-Jährige sitzt in seinem Erdgeschosszimmer des St.-Anna-Stifts in Altenbochum. Seine Hände ruhen auf der dunkelgrünen Stofftischdecke, ab und zu gestikuliert er, um das, was er erzählt, lebhaft zu verdeutlichen. Legt sie dann auf die Lehnen des dunklen Holzstuhls. Mit seinen Freunden aus der ersten Klasse habe er schon als Junge "Messe gespielt". Die Berufung zum Priester sei aber vor allem in der eigenen Familie gereift. "Ich bin da eigentlich hineingewachsen", sagt er.

Seine Erstkommunion feiert Korth 1940, besucht danach jeden Tag die Heilige Messe. Bis zur St.-Josef-Kirche am Dellplatz sind es von seinem Elternhaus nur fünf Minuten zu Fuß. "Meine Eltern sind nie an der Kirche vorbeigegangen, ohne hineinzugehen. Sie haben mich nie gedrängt, aber es war auch mein eigener Wunsch dorthin zu gehen", sagt er.

Hengsbach: "Niemand wird zufällig Priester"

Ein Wunsch, den auch Bischof Franz Hengsbach 18 Jahre später bei der Priesterweihe von Franz-Josef Korth sehr begrüßt. "Niemand wird zufällig Priester. Väter und Mütter haben ihren besonderen Anteil daran", sagte Hengsbach am 11. Februar 1958. Es ist damals die erste Priesterweihe im zu Jahresbeginn neu gegründeten Ruhrbistum – und die erste Weihe in Duisburg. Die St.-Josef-Kirche am Dellplatz ist an diesem Dienstagabend bis in die letzte Reihe gefüllt, viele Menschen drängen sich auch draußen eng aneinander. "Das war eine besondere Atmosphäre", erinnert sich Franz-Josef Korth. "Das war ja etwas Neues, das hatte es noch nie gegeben."

Korth ist einer von sechs Diakonen, die kurz nach der Bistumsgründung die Priesterweihe erhalten. Der Duisburger zieht vor 60 Jahren zusammen mit den Bottropern Johannes Hermann Bittger, Johannes Felderhoff und Hermann Frieg, Bernhard Hoffs aus Gelsenkirchen-Buer und Werner Pohl aus Duisburg in die St.-Josef-Kirche ein. "Dort geweiht zu werden, war für mich eine besondere Freude", sagt der Priester heute. Dort wurde er getauft, gefirmt und war jahrelang als Messdiener tätig. Aufgeregt ist er deswegen an diesem besonderen Tag nicht. "Das waren ja gewohnte Dinge, die wir schon als Messdiener jahrelang getan hatten", erzählt er.

Diese Selbstverständlichkeit zeichnet sich auch in Korths Weg zum Priesterberuf ab. Nach dem Abitur 1952 am Landfermann-Gymnasium in der Duisburger Stadtmitte beginnt er sein Theologiestudium an der Universität in Münster, verbringt das letzte Studienjahr in Bonn. Eine Zeit, die der Duisburger in guter Erinnerung mit seinen Kommilitonen hat. "Als wir damals alle wieder in Münster waren, waren wir nicht mehr auseinanderzubringen", erinnert sich Korth. Auch die Verbundenheit zu den fünf Männern, die 1958 mit ihm zu den ersten Priestern des Bistums Essen geweiht werden, hält lange an. "Wir haben uns immer an dem Karnevalssonntag um unseren Weihetag herum in Münster getroffen. Unser Kurs ist eisern zusammengeblieben", sagt er. Heute ist Korth der letzte Überlebende der einstigen Priestergruppe.

Die Gründung des Bistums sieht Franz-Josef Korth mit gemischten Gefühlen. "Wir waren damals Feuer und Flamme für das neue Bistum", sagt er. Das Ruhrbistum sei jedoch schon längst fällig gewesen und zu spät gekommen, "als das Zechensterben schon anfing".

Blickt Korth auf seine Priesterzeit zurück, hat er das Gefühl, Vieles richtig gemacht zu haben. "Ich habe mir damals nichts Besonderes vorgenommen, sondern mich auf alles eingelassen, was da kam. Am besten gelungen ist mir dann das, was ich als Einzelkind am wenigsten erwartet hätte." Damit meint er seine Zeit als Jugendseelsorger, eine "schöne Erinnerung, die auch von den Jugendlichen bestätigt wurde". Überrascht ist Korth genauso von seinen Erfahrungen als Gefängnisseelsorger, davon, dass "Gott auch dort wirkt". Auch heute noch hat er Kontakt zu einigen Insassen aus dem Bochumer Gefängnis "Krümmede".

Noch heute zelebriert Korth in der Hauskapelle

Vor seiner Zeit als Gefängnisseelsorger war Korth 20 Jahre lang als Pastor in der Heilig-Kreuz-Gemeinde in Duisburg-Neuenkamp. Zuvor war er in Essen-Altenessen neun Jahre für die Gemeinde Herz-Mariä zuständig, nach vier Jahren in seiner Heimatgemeinde in Duisburg-Obermeiderich und einigen Monaten in St. Antonius in Gelsenkirchen. Begonnen hatte Korth seinen Pastorendienst nach der Priesterweihe in St. Barbara in Essen-Kray.

Heute zelebriert er im St. Anna-Stift noch jeden Dienstag in der Hauskapelle die Messe. 20 bis 30 gläubige Senioren kommen regelmäßig, um mit ihm zu feiern. Doch auch vor größeren Messen – wie die zu seinem Priesterjubiläum in der Altenbochumer Liebfrauenkirche – hat er keine Angst. Die Predigt hat er in säuberlicher Handschrift mit blauer Tinte aufgeschrieben. "Ich fühle mich wie vor jedem wichtigen Gottesdienst", sagt Franz-Josef Korth betont, aber ruhig.

Von Lisa Mathofer