"Einzig mögliche Entscheidung"
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Bischöfe in Österreich haben auf ihrer Vollversammlung auch über die Europawahl beraten

"Einzig mögliche Entscheidung"

Die Bischöfe Österreichs haben zum Abschluss ihrer Frühjahrsvollversammlung zur Beteiligung an den Europawahlen vom 25. Mai aufgerufen. Das "Friedensprojekt Europa" sei ungebrochen aktuell, die zukünftigen Abgeordneten stünden vor großen Herausforderungen, so der Tenor der Bischöfe am Freitag. Die Europäische Union brauche "die demokratische Mitwirkung der Bevölkerung".

Admont - 28.03.2014

Genauso werde das Engagement der Christen benötigt, heißt es in einer Presseerklärung der Bischofskonferenz zum Abschluss der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung im Stift Admont. Das Wahlrecht der EU-Bürgerinnen und Bürger sei eine Möglichkeit, mitzubauen am "Bauplatz Europa" , führte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, im Rahmen der Abschlusspressekonferenz aus.

Kapellari: Christen als "Freunde des Lebens"

Speziell die dramatischen Ereignisse zwischen der Ukraine und Russland zeigten, dass der Friede in Europa keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bleibende Aufgabe sei. "Die Bedeutung der Europäischen Integration als Friedensprojekt ist daher ungebrochen aktuell", heißt es in der Abschlusserklärung.

Die im Mai neugewählten 751 Abgeordneten stünden in den kommenden fünf Jahren vor großen Herausforderungen. Vor allem der umfassende Schutz des menschlichen Lebens und der Familie bedürfe nach Überzeugung der Bischöfe besonderer Beachtung. Bereits beim Festgottesdienst am Dienstag hatte der Grazer Bischof Egon Kapellari auf die bejahende Haltung der Christen und deren Rolle als "Freunde des Lebens" hingewiesen.

Schönborn über den Fall Limburg

Angesichts der "besorgniserregend hohen Schulden" in manchen Ländern forderten die Bischöfe "eine neue Politik des Maßhaltens", um die Zukunftschancen der jüngeren Generation nicht zu stark zu beeinträchtigen. Besondere Aufmerksamkeit der europäischen Politik müsse auch der Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit sowie der Frage nach Asyl und Migration zukommen: "Europa wird noch mehr Solidarität und Entschlossenheit brauchen, um weitere Tragödien wie jene vor Lampedusa zu verhindern", so die Bischöfe in ihrer gemeinsamen Erklärung. Die Verantwortung für das Leben von Flüchtlingen müsse dabei innerhalb Europas fair verteilt werden.

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Das Benediktinerstift Admont in Österreich.

Im Rahmen der Pressekonferenz äußerte sich Kardinal Schönborn auch zu Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz sieht nach Durchsicht des Berichts der Prüfkommission die Abberufung des Bischofs als "einzig mögliche Entscheidung" an: "Es gibt bestehende Regeln. Das Problem in Limburg war, dass diese systematisch ausgehebelt wurden – und zwar offensichtlich vom Bischof selbst."

Anekdoten aus einem Gespräch mit Franziskus

Schönborn berichtete außerdem von einem Gespräch mit Papst Franziskus, bei dem er nach dessen Überlegungen gefragt habe, ihn als im Bankwesen "nicht notorisch kompetenten" in das Kardinalsgremium zur Aufsicht über Vatikanbank (IOR) zu berufen. Der Papst habe daraufhin schlicht geantwortet: "Es genügt die Anständigkeit." Man könne daher "nicht einfach in Taschen greifen, die einem nicht gehören", so Schönborn.

Im Hinblick auf die im Herbst stattfindende Bischofssynode in Rom betonte der Kardinal, dass ein Jahr nach der Wahl von Papst Franziskus insgesamt eine "klimatische Verbesserung" in der Zusammenarbeit mit Rom spürbar sei. Dies sei beim jüngsten Besuch der österreichischen Bischöfe in Rom – "der beste, den ich je erlebt habe", so Schönborn - etwa im Dialog mit den vatikanische Dikasterien besonders deutlich geworden. Man müsse sich nun "nicht mehr als gemaßregelte Schulbuben empfinden", so der Kardinal wörtlich. Dieses positive "Betriebsklima" sei zu einem hohen Maß der Arbeit von Papst Franziskus zu verdanken.

Von Philipp Struß