Margerite
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Über das Wunder der Schöpfung staunen

Einzigartig wie eine Margerite

Die anstehende Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus lenkt den Blick neu auf die Natur: Wie vielfältig und wunderbar die Natur ist, kann man gut im eigenen Garten erleben. Dabei liegt es nicht allein in der Hand des Gärtners, wie die Schöpfung sich entwickelt.

Von Kerstin-Marie Berretz OP |  Bonn - 14.06.2015

Die alte Dame Maude nutzt die Gelegenheit, um Harold zu zeigen, dass keineswegs jede Margerite wie die andere sei, vielmehr habe die eine mehr Blütenblätter als die andere, bei einer weiteren fehle vielleicht ein Blütenblatt und wieder eine andere habe einen dunkleren Blütenkopf.

Hier wird deutlich, was leicht zu erkennen ist, wenn man sich an einem Sommertag auf eine Wiese setzt, in der Klee, Gänseblümchen, Löwenzahn und eben auch Margeriten vorkommen. Wer genau hinschaut, kann erkennen, dass keine Blüte der anderen gleicht und dass kein Blatt aussieht wie ein anderes. Niemals sind die Blätter des Klees gleich gezeichnet und die Spitzen der einzelnen Gänseblümchenblütelätter gleich gefärbt. Kein Stängel ist so lang wie der andere. Das ist doch zu bewundern, oder zu bestaunen - wie es in Psalm 139 in der Bibel heißt: "Staunenswert sind deine Werke."

Natürlich lässt sich das biologisch leicht anhand der Verteilung der Gene erklären. Aber hier setzt auch das Wunder der Natur an. Wir können mit Hilfe der Genetik nachvollziehen, wie es dazu kommt, dass jedes Gänseblümchen anders aussieht und können als Menschen sogar das Aussehen beeinflussen. Denken wir nur an die verschiedenen Rosensorten, die alle schon gezüchtet wurden und weiterhin gezüchtet werden, aber auch an die verschiedenen Nutzpflanzen, die genetisch verändert werden. Das Wachsen und Werden ist nachvollziehbar und beeinflussbar, aber wenn der Mensch den Dingen ihren Lauf lässt, entstehen die schönsten Meisterwerke der Natur. Da kommt eine Vielfalt zum Vorschein, die man selber niemals erschaffen könnte.

Blumenwiese
Bild: © KNA

Margeriten, Mohn und viele andere Pflanzen auf einer Blumenwiese.

Einzigartige Vielfalt

Und diese Vielfalt ist nicht einfach nur so da, sondern sie strebt nach Leben und danach, so vielfältig und gut zu sein, dass Leben möglich ist. Denn es ist die Schöpfung Gottes, der alles so angelegt hat, dass es gut ist und dass Leben gelingen kann. Deswegen gibt es diese vielen verschiedenen Sorten von Pflanzen; deswegen gibt es so viele Farben, so viel Fantastisches und Wunderbares, damit jeder Winkel Lebensspender sein kann.

Der perfekte Lebensraum, an dem alles da ist, was Lebewesen brauchen, ist das Paradies, der Garten Eden. In der Bibel zeigt sich, dass Gott selbst derjenige ist, der hier für alles sorgt und der bei der Erschaffung der Welt darauf geachtet hat, dass alles für alle da ist.
Wer selber Gärtner ist, der kann leicht nachvollziehen, was es heißt, einen möglichst perfekten Garten zu gestalten und zu pflegen. In ihm hören Arbeit und Sorge nie auf. Im Winter müssen Pflanzen vor der Kälte geschützt werden, im Frühjahr muss die Erde bereitet werden, im Sommer muss dafür gesorgt werden, dass alle Pflanzen genügend Wasser haben, und im Herbst wird der Garten so hergerichtet, dass Igel und andere Tiere überwintern können.

Eine Menge Arbeit

Übers Jahr sorgt der Gärtner sich dann darum, dass die Schnecken die jungen Triebe nicht abfressen und die Vögel nicht schon alle Johannisbeeren ernten, ehe er es selber tun kann. Zu viel Hitze ist nicht gut, Hagel ist aber der Schrecken schöner Blumen. So ist ein Garten eine Menge Arbeit. Wer an einem Sommerwochenende in einer Schrebergartensiedlung unterwegs ist, der sieht auf allen Parzellen eifrige Gärtner, die sich darum bemühen, dass alles wächst und gedeiht.

Da kann leicht die Frage aufkommen: Wozu das alles? So ein Garten, ein Balkonkasten, ja selbst ein winziges Beet sind letztendlich ein Abglanz des Paradieses. Der Mensch als Gärtner kann planen, anlegen und kreieren, er kann es wachsen lassen und sich um einen Lebensraum kümmern. Er kann sehen, wie etwas entsteht und anderen als Lebensraum dient. Wer gärtnert, hat ein Gefühl für die Schönheit der Schöpfung und weiß, wie kostbar sie ist und mit ihr alles, was sie hervorbringt. Gleichzeitig weiß derjenige, der sich um einen Garten kümmert auch, wie klein wir Menschen in der Schöpfung sind - etwa, wenn er feststellen muss, dass trotz allergrößter Sorge die Auberginen nicht so wachsen wie geplant.

Von Kerstin-Marie Berretz OP