Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede im türkischen Parlament.
Türkischer Präsident schlägt USA "Tauschgeschäft" vor

Erdogan will US-Pastor freilassen, wenn…

Der US-Pastor Andrew Craig Brunson befindet sich bereits seit einem Jahr in türkischer Haft. Jetzt hat Präsident Recep Tayyp Erdogan den USA ein "Tauschgeschäft" vorgeschlagen. Doch die lehnen ab.

- 02.10.2017

Der türkische Präsident Recep Tayyp Erdogan hat den USA ein "Tauschgeschäft" angeboten. Er wolle den inhaftierten Pastor Andrew Craig Brunson freilassen, wenn die USA im Gegenzug bereit sei, den islamischen Prediger Fetullah Gülen auszuliefern, berichtet der vatikanische Pressedienst "Fides" am Montag. Gülen lebt bereits seit 1999 im Exil in den USA und wird von der türkischen Regierung als Drahtzieher des fehlgeschlagenen Militärputschs vom 15. Juli vergangenen Jahres betrachtet.

Wörtlich sagte Erdogan: "Sie sagen: 'Gib uns den Pastor zurück.' Aber ihr habt ebenfalls einen Pastor. Gebt ihn uns!" Erst dann würde man versuchen, Brunson an die USA auszuweisen. In den Augen des türkischen Präsidenten sei dieses "Tauschgeschäft" für die USA einfach zu bewerkstelligen. Denn während Brunson in der Türkei der Prozess gemacht würde, lebe Gülen in Pennsylvania in Freiheit. "Ihr könnt ihn leicht herausgeben. Ihr könnt es sofort tun", so Erdogan.

Die US-Regierung hat den Vorschlag des türkischen Präsidenten unterdessen bereits abgelehnt. "Ich glaube nicht, dass wir diesen Weg beschreiten können", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Heather Nauert, in einem Pressebriefing. Sie fügte jedoch hinzu, dass die USA sich weiterhin um die Freilassung des Pastors bemühten, der "zu Unrecht in der Türkei festgehalten wird".

Brunson lebt seit über 20 Jahren in der Türkei und stand bis zum vergangenen Jahr der evangelischen Auferstehungsgemeinde im westtürkischen Izmir vor. Im Oktober 2016 nahm man ihn zunächst in Abschiebehaft, da er mit finanziellen Mitteln aus dem Ausland missionarische Initiativen ins Leben gerufen und damit die Staatsicherheit gefährdet haben soll. Kurz danach wurde die geplante Ausweisung jedoch in einen Haftbefehl umgewandelt. Ein anonymer Zeuge hatte den Pastor der Zugehörigkeit zur Gülen-Bewegung beschuldigt.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits mehrfach um eine Freilassung Brunsons gebeten, zuletzt Ende August. Doch stattdessen wurden die Haftbedingungen noch einmal verschärft und Brunson in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Laut "Fides" lasten die Behörden dem Pastor nun auch Kontakte zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK sowie zum amerikanischen Geheimdienst CIA an. (bod)