Ermittlungsverfahren gegen Bischof eingestellt
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Bistum Oslo kann kein Betrugsversuch nachgewiesen werden

Ermittlungsverfahren gegen Bischof eingestellt

Wer als Katholik nach Norwegen einwandert, muss sich aktiv registrieren lassen. Weil das aber nicht jeder weiß, hatte das Bistum Oslo zu einigen fragwürdige Methoden gegriffen.

Kopenhagen/Oslo - 29.11.2016

Das Ermittlungsverfahren wegen Betrugs gegen den norwegischen Bischof Bernt Eidsvig und gegen das Bistum Oslo wird nach fast zweijähriger Untersuchung eingestellt. Das teilte die Diözese am Montag vor Journalisten in Oslo mit. Weder dem Bischof noch dem Bistum habe ein Betrugsversuch nachgewiesen werden können. Gegen den Ökonomen des Bistums werde dagegen Anklage erhoben. Die Ermittlungen gegen das Bistum würden gegen eine Zahlung von umgerechnet rund 110.000 Euro eingestellt.

Fragwürdige Methoden seitens des Bistums

Ende 2014 war dem Bistum Oslo eine Überprüfung seines Mitgliederregisters auferlegt worden. Der Kirche wurde vorgeworfen, Einwanderer aus mehrheitlich katholischen Ländern ohne deren Wissen als Katholiken registriert zu haben, um so höhere staatliche Zuschüsse zu erhalten. Dabei wurden auch fragwürdige Methoden wie beispielsweise die Nutzung von Telefonbüchern und anderen öffentlichen Registern genutzt.

Im Februar 2015 erging Anzeige gegen das Bistum. Die Polizei durchsuchte die Räume des Generalvikariats, die Bischofswohnung und die Wohnung eines Mitarbeiters und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs ein. Bischof Eidsvig bedauerte wiederholt Versäumnisse und Unstimmigkeiten bei der Registrierung, wies jedoch einen wissentlichen Betrug zurück. Bei einer Verurteilung hätte dem Bistum eine Rückzahlung in Höhe von bis zu 4,6 Millionen Euro gedroht.

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Norwegen - das steht für Wintersport und Öl-Reichtum. Für die katholische Kirche steht das Land dagegen eher nicht. Doch auch wenn sie klein und arm ist: Die Kirche in Norwegen ist bunt und wächst.

Man sei sehr erleichtert über die Entscheidung des Staatsanwalts, das Verfahren gegen den Bischof einzustellen, sagte die Sprecherin der Diözese. Die Anklageerhebung gegen den Ökonomen treffe aber alle Beteiligten sehr. Bischof Eidsvig zeigte sich erfreut, "dass wir uns jetzt wieder auf das konzentrieren können, wofür wir da sind, nämlich Kirche zu sein für unsere Gläubigen". Darunter seien mindestens 140.000 Katholiken aus mehr als 120 Nationen.

Katholische Einwanderer müssen aktiv "eintreten"

Die Zahl der Katholiken, die aufgrund von Einwanderung nach Norwegen kommen, steigt rasant. Noch gibt es keine zufriedenstellenden Möglichkeiten, die Ankommenden in den kirchlichen Gemeinschaften zu registrieren. Die lutherische Kirche macht keinen Unterschied zwischen evangelischen Christen, die in Norwegen leben, und jenen, die aus dem Ausland nach Norwegen einwandern.

Von katholischen Christen fordert der Staat, dass sie nach ihrer Ankunft in Norwegen aktiv in die katholische Kirche "eintreten" müssen. Viele Einwanderer wüssten das laut Bischof Eidsvig jedoch nicht, so dass seine Mitarbeiter Tausende Zuwanderer persönlich angerufen hätten, um eine Zustimmung für die Registrierung zu erhalten. Einige hätten aber eben auch Telefonbücher und öffentliche Register zum Namensabgleich genutzt und so rund 7.000 Menschen ohne ihr Wissen als Katholiken registriert. (bod/KNA)