Erst ein Anpfiff, dann ein Abpfiff
Ein satirischer Wochenrückblick von Joachim Heinz

Erst ein Anpfiff, dann ein Abpfiff

Bröselnde Basiliken und mauschelnde Männerbünde: Joachim Heinz sieht überraschende Parallelen zwischen Profifußball und den Amtskirchen. Er verordnet eine Imageaufbesserung – am besten was mit niedlichen Vögeln, die sind gerade total in!

Von Joachim Heinz |  Bonn - 16.03.2019

Am Ende dieser Woche müssen wir über Männerbünde sprechen, über selbstherrliche Führungskräfte, Machtgefälle und intransparente Strukturen. Wir müssen über den Deutschen Fußball-Bund sprechen. Und einen, der plötzlich nicht mehr sprechen wollte: DFB-Boss Reinhard Grindel. Weil dem Funktionär die Fragen nicht passten, brach er ein TV-Interview mit der Deutschen Welle ab.

Ein akuter Fall von Majestätsbeleidigung. Grindel, der selbst einmal beim ZDF arbeitete, mochte sich zu einem von FIFA-Boss Gianni Infantino ins Spiel gebrachten Milliardendeal nicht weiter äußern. Wäre in der Tat auch ärgerlich, wenn herauskäme, dass der Profifußball zu einer einzigen Gelddruckmaschine verkommen ist, in der auch die letzten Reste von Fairplay und Fairness dahinschmelzen wie die Polkappen im Klimawandel.

Wir empfehlen dem grimmigen Grindel eine Imagekampagne. Wie wär‘s mit einer Frauenquote? So etwas schafft Sympathie und erhöht die Vertrauenswerte. Für die Milchmädchen unter uns: Ein solcher Schritt ist auch noch recht kostengünstig. Denn zwischen Frauen und Männern, das lehrt uns der alljährlich wiederkehrende "Equal Pay Day", klafft weiterhin eine Lohnlücke von 21 Prozent. Tolle Sache – und damit ein Querpass zur Kirche.

Hier überraschte der Vatikan mit einem kreativen Spielzug auf dem Feld der Philatelie. Die Post des kleinsten Staates der Welt bringt Briefmarken mit dem Bildnis einer Taube in Umlauf. Damit beteiligen sich die Verantwortlichen an der vom europäischen Verband "PostEurope" ins Leben gerufenen Motiv-Aktion für Europamarken. Das Motto diesmal: "Staatsvögel".

Der Vatikan stellt sich taube. Und die Kirche in Deutschland? Bröselt vor sich hin. Der Berliner Dom, protestantischer Blickfang in der Spree-Metropole, ist durch Ruß und Staub dermaßen angegriffen, dass er nur noch mit Mühe Haltung bewahrt. Risse, undichte Fugen, poröses Gestein: Zeit, dass sich was dreht. Die katholische Sankt-Hedwigs-Kathedrale ist wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten unterdessen schon geschlossen – voraussichtlich bis 2023. Wobei das mit dem Bauen in Berlin ja selten ein gutes Ende nimmt. 

Die beiden größten Kirchen der beiden großen Kirchen in der Hauptstadt bestenfalls baufällige Fassade – ein Zeichen? Der Letzte macht das Licht aus… Nein, so schnell wollen wir den Sand nicht in den Kopf stecken. Die Hoffnung stirbt zuletzt, das wissen sie auch auf Schalke. Schauspieler Peter Lohmeyer, bekennender S04-Fan, weiß, welche Inschrift dereinst seinen Grabstein zieren wird: "Steh auf, wenn Du Schalker bist!" Und damit Abpfiff für diese Kolumne.

Von Joachim Heinz

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"War's das?!" fragt katholisch.de in seinem satirischen Wochenrückblick. Im Wechsel lassen verschiedene Autoren samstags die zu Ende gehende Woche Revue passieren. Mit einem Augenzwinkern blicken sie auf Kurioses und Bemerkenswertes in der katholischen Welt zurück.