Eine offene Bibel mit zwei Lesebändchen liegt aus.
Kaplan Christian Olding über das Sonntagsevangelium

Es gibt Wahrheit!

Jeder solle nach seiner Fasson glücklich werden und eigentlich haben doch alle irgendwie recht? Nein, sagt Kaplan Christian Olding. Jesus erteilt dieser Sichtweise eine klare Absage. Denn Wahrheit ist nicht beliebig.

Von Christian Olding |  Bonn - 12.05.2018

Impuls von Kaplan Christian Olding

Ein Blick in die Nachrichten genügt, um sich davon zu überzeugen: Es ist ordentlich was los auf Mutter Erde und wir Christen stecken mitten drin. Es gibt für uns kein Schutzgebiet, kein besonderes Reservat, in dem ein anständiges Leben ausschließlich nach den Geboten Gottes gesichert ist. Schneller, als mir lieb ist, bin ich in irgendeine Geschichte verwickelt und die weiße Weste ist dahin. In meiner täglichen Arbeit, im Freundeskreis und in Gruppen komme ich an den Punkt, an dem die unausweichliche Frage auftaucht: Wie entscheide ich mich, darf ich da mitmachen, wie verhalte ich mich, muss ich meinen Mund aufmachen? Angefangen beim Lästern, bis hin zu Dauerbrennern wie der Diskussion um den Wert ungeborenen, beeinträchtigten oder sterbenden Lebens.

Es gibt in diesem Leben eine Bequemlichkeit, die gerne als Toleranz um die Ecke kommt. Sie zeigt sich gerne mal in Sätzen wie: Jeder sollte nach seiner Fasson glücklich werden oder eigentlich haben doch alle irgendwie recht. Meist ist das der peinliche Versuch einem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Dem erteilt Jesus allerdings eine klare Absage. Es gibt Wahrheit. Sie ist nicht beliebig. Ich weiß, mit solchen Aussagen, macht man sich nicht beliebt und sie drohen arrogant um die Ecke zu kommen. Aber nicht ich habe die Wahrheit gepachtet, sondern sie hat sich gezeigt. Es war dieser Jesus, der mit dem Anspruch auftrat "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." (Joh 14,6) Jesus höchstpersönlich, sein Leben, seine Botschaft, das ist unsere Wahrheit. Es ist eben nicht alles Jacke wie Hose, und es genügt eben nicht, irgendwie, so ein bisschen, auf irgendeine Art und Weise an Gott zu glauben.

Das bringt nicht nur angenehme Konsequenzen mit sich, denn "die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin". Wer für sich persönlich Jesus als Maßstab anerkennt, der muss auf Unannehmlichkeiten gefasst sein. Dass er belächelt wird, wenn er bekennt, zur Kirche zu gehen und nicht einfach alles locker nimmt, was in unserer Gesellschaft als normal angesehen wird.

Wenn Jesus an dieser Stelle zur Heiligkeit aufruft, geht es nicht darum, zum Vorzeigemodell und Hochglanzchristen zu mutieren. Es geht darum, immer mehr klar zu kriegen, dass die Beziehung zu Gott unsere erste und wichtigste im Leben ist. Wir sollen immer mehr auf diesen Gott setzen, ihm vertrauen und uns auf ihn einlassen.

Das Ziel ist kein Dauerkampfmodus und keine miesepetrige Weltabgewandtheit, sondern, "damit sie meine Freude in Fülle haben".

Von Christian Olding

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh 17, 6a.11b-19)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.

Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.

Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.

Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Der Autor

Christian Olding ist Kaplan in der Pfarrei St. Maria Magdalena in Geldern.

Ausgelegt!

Katholisch.de nimmt den Sonntag stärker in den Blick: Um sich auf die Messe vorzubereiten oder zur Nachbereitung bieten wir jeden Sonntag den jeweiligen Evangelientext und einen kurzen Impuls an. Die Impulse stammen von Ordensleuten und Priestern.